Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Juni / Juli 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik IT / Verwaltung / Security

#IMA2025 stellt das Miteinander ins Zentrum

Machen statt meckern

27.05.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 79

Machen statt meckern

Verliert die Verwaltung das Vertrauen der Bürger:innen? Wie kann sie es zurückgewinnen? Mit diesen brennenden Fragen rund um Digitalisierung und Teilhabe beschäftigte sich der Kongress „Innovatives Management“ (IMA) am 13. Mai im ehemaligen Bundestag in Bonn. Große Themen in einer großartigen Atmosphäre mit spannenden Entscheider:innen, Modernisierer:innen sowie Innovationstreiber:innen und vielen Inspirationen für ein neues Miteinander.

Das Vertrauen der Bürger:innen in die Fähigkeiten des Staates sinkt. Kaum etwas belegt das deutlicher als eine Zahl aus der 18. dbb Bürgerbefragung 2024: „70 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger […] meinen, der Staat sei angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme überfordert.“ Gleichzeitig wird das Vertrauen in die Demokratie vielerorts geringer. Der wichtigste Hebel, das zu ändern, so die Bonner Bürgermeisterin Gabi Mayer bei ihrer Begrüßungsrede: „Verwaltung, Stadtgesellschaft, Wirtschaft und Bürgerschaft müssen Hand in Hand arbeiten.“ Partizipation, Verhandeln, Zuhören, Kompromisse schließen und die Anliegen vor Ort ernst nehmen, sind laut ihr die entscheidenden Schlagworte.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Der Sturm – und was wir dagegen tun

Bürger:innen sowie Gesellschaft brauchen mehr Digitalisierung. Die damit einhergehende Disruption nannte Christine Serrette, technische Vizedirektorin des ITZBund, in ihrem Impulsvortrag einen Sturm. „Dieser Sturm kann vieles zerstören, er bringt aber auch frische Energie. Er verrückt Dinge“, so Serrette. „Aber diese Verrückung können wir nutzen, indem wir Prozesse verändern und neue Dinge möglich machen. Denn Digitalisierung beginnt im Kopf!“ Wie konkret dieses Umdenken bereits ist, erläuterte Serrette anhand praktischer Beispiele: Multi-Cloud-Strategie, KIPITZ Portal des Bundes für KI-Anwendungen der Verwaltung, Bundesclient, PUEG-Gesetz, digitale Identitäten … Es wird vieles angegangen und das Fundament für mehr Vertrauen, Digitalisierung und Schnelligkeit, Mobilität, Effizienz sowie digitale Souveränität ist laut Serrette gelegt. „Jetzt müssen wir unsere Energie statt ins Meckern ins Machen stecken.“

Positiver sozialer Wandel als moralischer Fortschritt

Einen inspirierenden Blick auf die Digitalisierung warf der Philosoph Prof. Dr. Markus Gabriel. Er ist Buchautor, Professor an der Universität Bonn und gilt als einer der Begründer des Neuen Realismus. Gabriel plädierte „für eine wertebasierte Gesellschaft und Verwaltung“. Aus seiner Sicht sind die „Sektoren der modernen Gesellschaft (Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft) Labore moralischer Innovation“, mit denen die öffentliche Verwaltung Zukunft schaffen kann. Diese moralische Innovation verbindet für ihn die Sektoren zu einer „verantwortungsvollen Allianz, die Innovation nicht nur technisch, sondern ethisch und damit menschlich erstrebenswert gestaltet – für eine Zukunft, in der Profit und Gemeinwohl verzahnt sind.“ Empathie ist, so Gabriel, für diesen gemeinsamen Fortschritt der wichtigste Kitt und „die öffentliche Verwaltung der objektive Geist des Gemeinwesens“. Deep Innovation nennt Gabriel diesen Fortschritt und er setzt damit bewusst einen Kontrapunkt zu Elon Musk, der Empathie für „die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation“ hält.

Eine effiziente, leistungsfähige Verwaltung stärkt das Vertrauen in den Staat

Dass 70 Prozent der Bundesbürger:innen den Staat als überfordert ansehen, hat auch damit zu tun, dass es mit der Digitalisierung an einigen Stellen hakt – und dass Verwaltungen weniger effizient sind, als es sich viele Bürger:innen wünschen. Warum das so ist, und wie wir das ändern können, darüber sprachen in der anschließenden Podiumsdiskussion Maral Koohestanian, Stadträtin und Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung in Wiesbaden, Dirk Maass, Geschäftsführer der IBB Business Team GmbH, Margit Reiberg, Leitung Finanzen und Einkauf bei der Fachhochschule Dortmund, Dr. Lars Esterhaus, leitender Oberkirchenrat bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie Sven Tetzlaff, Bereichsleiter Demokratie und Zusammenhalt bei der Körber-Stiftung. Bedingt durch ihre Arbeitsschwerpunkte könnten sie ganz unterschiedliche Standpunkte vertreten. Es war in Bonn jedoch erstaunlich, wie einhellig sie auf mehr Transparenz, Kooperation, Dialog und Orientierung an den Bedürfnissen der Bürger:innen und der Gesellschaft setzten.

Teilhabe, Effizienz und Empathie als Chance

„Im Kontakt mit der Verwaltung erfahren Bürger:innen, wie unser Staat funktioniert. Daher ist es nicht nur entscheidend, dass die Verwaltung sie mit einbezieht. Wer das Vertrauen in den Staat stärken will, kommt auch an einer modernen, digitalen und serviceorientierten Verwaltung nicht vorbei.“ Diese Aussage von Maral Koohestanian fasst die Stimmung der Podiumsdiskussion zusammen. Konkret holt sie für ihre Arbeit Impulse der Bürger:innen und gesellschaftlichen Stakeholder ein: „Wir haben ein digitales Lab gegründet, daran konnten viele teilnehmen.“ Übereinstimmend damit dreht sich laut Maass alles um „digitale Transparenz und ein partnerschaftliches Miteinander. Wir müssen vormachen, Gutes darüber erzählen und Freiräume schaffen. Dann bringen die Mitarbeitenden Veränderungswillen und Begeisterung ein." Wie entscheidend diese Freiräume sind, berichtete auch Sven Tetzlaff: „Die offene Projektarbeit, weniger Regulierung, mehr Schnelligkeit, kurze Entscheidungswege und die Möglichkeit, sich einzubringen – wie motivierend das ist, erlebe ich immer wieder in unserer praktischen Arbeit.“

Mehr Effizienz und Transparenz waren die Themen von Margit Reiberg: „Eine Hochschule, die ihre administrativen Prozesse durch transparente, benutzerfreundliche digitale Lösungen optimiert, wird das Vertrauen erhöhen und die Effizienz der Hochschulverwaltung steigern.“ Hier hakte Dr. Lars Esterhaus ein. Laut ihm ist es klar, dass die nötige Effizienz Einzug halten muss. Jedoch auch, dass wir eine Kultur der Kooperation und des Vertrauens schaffen müssen. Am Ende „geht es um mehr als Effizienz, nämlich um Empathie. Darum, dass wir Menschen mit ihren Nöten, Sorgen, Anliegen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen.“

Auf ganz vielen Ebenen ist schon sehr viel passiert

Das Resümee des Kongresses zog dann Matthias Kohlhardt, Vorstandsvorsitzender der MACH AG und Gastgeber der Veranstaltung: „Wir haben viele Dinge, bei denen wir wahnsinnig effizient sein oder werden müssen. Aber es gibt auch viele Bereiche, da geht es nicht um Effizienz. Sondern darum, dass wir tun, was unsere Gesellschaft ausmacht: Dafür brauchen wir Empathie, Miteinander und Teilhabe. Wir müssen in den Verwaltungen und Organisationen dafür sorgen, dass wir in dieser Hinsicht gut aufgestellt sind. Unser Anspruch bei MACH ist es, mit unseren Kunden Prozesse effizient zu gestalten. Damit wir die Freiheit haben, die Gesellschaft sein zu können, die wir sein wollen.“


Hintergrundinformationen

Der Kongress „Innovatives Management“ ist eine interdisziplinäre Plattform für den fachlichen Austausch über Verwaltungsthemen. Die Teilnehmer:innen diskutieren aktuelle Trends und Entwicklungen in der öffentlichen Verwaltung. Die Veranstaltung jährt sich zum 25. Mal. Veranstalter ist die MACH AG.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Lizenz zum Stillstand: Was der Hannoveraner Datenschutz-Patzer über öffentliche IT-Beschaffung verrät
Lizenz zum Stillstand: Was der Hannoveraner Datenschutz-Patzer über öffentliche IT-Beschaffung verrät

Der in Hannover bekannt gewordene Vorgang rund um den Einsatz von Microsoft 365 an Schulen wirft gleich mehrere grundsätzliche Fragen auf. Die Verwaltungspraxis[...]

19.05.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

digitales
Portal für nachhaltige Kommunen gestartet
Portal für nachhaltige Kommunen gestartet

Messen, vergleichen und voneinander lernen: Digitale Plattform des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) und der Bertelsmann Stiftung unterstützt Städte, La[...]

15.05.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

digitales
Knackpunkt Kommunikation
Knackpunkt Kommunikation

„Nein, das kann ich nicht.“ Die Antwort von Anton Carniaux, Chefjustiziar von Microsoft France, schockierte Millionen Microsoft-Kunden & Regierungen in Europa. [...]

08.05.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

digitales
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel

Immer wieder legen Cyberangriffe Verwaltungen lahm. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, um IT-Sicherheit wirksam umzusetzen. Städte, Landkreise und Gemeinden stehen[...]

07.05.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

digitales
Winkhaus erweitert elektronisches Schließsystem um Möbelschlösser für Spinde und Wertfächer
Winkhaus erweitert elektronisches Schließsystem um Möbelschlösser für Spinde und Wertfächer

Mit dem BE 80 Möbelschloss ergänzt Winkhaus das Portfolio seines elektronischen Schließsystems blueEvo um eine vielseitige Lösung für Spinde und Wertfächer. Das[...]

06.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Wire Bund erlangt BSI-Zulassung für VS-NfD-eingestufte Informationen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erteilte dem Messenger Wire Bund die Zulassung für die Verarbeitung und Übertragung von Daten mit [...]

04.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

digitales
Innovative Redundanz: Patentiertes Messsystem von ACS setzt neue Standards bei der Pegelmessung!
Innovative Redundanz: Patentiertes Messsystem von ACS setzt neue Standards bei der Pegelmessung!

Mit seinem patentierten Pegelmesssystem hat ACS Control-System die Standards für Messsicherheit und -genauigkeit in der Wasserwirtschaft neu definiert! Das Beso[...]

22.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Digitale Souveränität im Zahlungsverkehr: Hanau setzt auf Wero
Digitale Souveränität im Zahlungsverkehr: Hanau setzt auf Wero

Bürgerinnen und Bürger können kommunale Gebühren jetzt über ein europäisches Bezahlverfahren begleichen.

21.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Die EUDI-Wallet ist in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt

Ab 2. Januar 2027 soll die EUDI-Wallet in Deutschland verfügbar sein – mehr als Hundert Unternehmen wollen zum Start Anw

14.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

digitales
Wie Kommunen Digitalisierung vor Ort wirksam verankern können

Ankerorte des digitalen Wandels – etwa Stadtlabore, Makerspaces oder Digitalwerkstätten – sind Schlüsselinfrastrukturen der Smart City, um Digitalisierung zu er[...]

17.03.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

digitales

Weitere Artikel in dieser Rubrik