Rubrik Allgemein

Meinungen

Deutschland braucht „Sofort-Amnestie bei Klimaschutzauflagen“ für den Neubau

Von Katharina Metzger, Präsidentin beim BDB – 16.08.2023 – Lesezeit ca. 4 Minuten 39

Deutschland braucht „Sofort-Amnestie  bei Klimaschutzauflagen“ für den Neubau

Katharina Metzger, Präsidentin beim BDB (Foto: BDB)

Deutschland steht auf der Bau-Bremse. Die Branche ist nicht länger bereit zuzusehen. Sie schaltet vom stillen Kopfschütteln auf offenen Protest: „Der Klima-Aktivismus der Bundesregierung macht den Neubau von Wohnungen zu teuer. Die Latte fürs Energiesparen liegt beim Neubau viel zu hoch. Grünes Wunschdenken würgt den Bau neuer Wohnungen ab. Für die Ampel ist das politisch heikel. Und für die Menschen, die dringend eine bezahlbare Wohnung brauchen, ist das fatal“, sagt Katharina Metzger. Die Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) fordert eine sofortige „Amnestie bei den Klimaschutzauflagen“ für den Wohnungsneubau. Der Bund müsse dort überzogene Standards dringend senken. Wirklich effektiv seien nur Energiesparsanierungen von Altbauten. Und selbst da dürfe der Staat nicht überziehen.

„Die Bundesregierung muss endlich pragmatisch handeln. Die Ampel-Koalition muss aufhören, an der Illusion der Machbarkeit von ‚Super-Klimaschutzhäusern‘ zu kleben. Sie muss auf den Boden der Realität zurückgeholt werden“, sagt BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Es reiche beim Neubau der Effizienzhaus-Standard 70 und bei der Sanierung das Effizienzhaus 115. Schließlich seien auch die Kapazitäten für mehr Klimaschutz beim Bauen begrenzt: Fachunternehmen genauso wie Fördermittel.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

„Damit schaffen wir beim Klimaschutz einen gewaltigen Schritt nach vorn. Alles andere – vor allem das Energieeffizienzhaus 40 – ist die Utopie einer ‚grünen Wolke zum Wohnen‘. Die hohen Energiestandards funktionieren schon mit Blick auf das Geld, das die Menschen fürs Wohnen ausgeben können, hinten und vorne nicht“, so Metzger. Die Verbandschefin des Baustoff-Fachhandels appelliert an SPD und FDP, den grünen Koalitionspartner „ins Gebet zu nehmen, bevor die Bundesregierung erneut ein Desaster mit ihrer Klimaschutzpolitik beim Wohnen erlebt“.

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel registriert nach eigenen Angaben bereits einen Einbruch beim Absatz von Baumaterial: Eine brancheninterne Umfrage hat, so der BDB, ergeben, dass Fachhändler im ersten Halbjahr bei Baustoffen bereits einen Umsatzrückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres verzeichnet haben. „Damit ist klar: Der Kipppunkt im Wohnungsbau ist erreicht. Die Talfahrt hat begonnen. Und diese Entwicklung wird weitergehen. Der Fachhandel erwartet für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang von mindestens einem Viertel gegenüber 2022“, sagt Metzger.

Dabei trage der Wohnungsbau ganz wesentlich zum Absatzminus bei. „Und das, obwohl es immer noch einen enormen Bauüberhang gibt, von dem etliche Projekte realisiert werden“, so die BDB-Präsidentin. Deutlich kritischer sieht Katharina Metzger das kommende Geschäftsjahr: „In 2024 wird die Wohnungsbau-Rezession voraussichtlich endgültig durchschlagen. Denn dann werden viele Bauvorhaben, die noch zu stoppen sind, auf Eis gelegt.“

Verantwortlich dafür sei ein „toxischer Mix“ aus hohen Zinsen, hohen staatlichen Hürden durch Auflagen und Vorschriften und hohen Baukosten. Der Staat habe sich durch seine Klimaschutzauflagen zu einem ganz wesentlichen Preistreiber beim Bauen und Wohnen entwickelt: „Die Energiesparschraube ist eindeutig überdreht. Der Neubau scheitert vor allem an überzogenen Energiestandards. In der Kombination mit hohen Zinsen resignieren deshalb jetzt kommerzielle Projektentwickler genauso wie private Bauherren.“

Auch kommunale, genossenschaftliche und kirchliche Wohnungsunternehmen zögen sich teilweise sogar komplett aus dem Neubausegment zurück. Dabei sei gerade deren Engagement notwendig, um den Neubau von bezahlbaren Wohnungen und von Sozialwohnungen voranzubringen.

Die Bundesregierung müsse den Bau von Sozialwohnungen und das Schaffen von Wohnraum, den sich Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen auch leisten können, in den Fokus ihrer Politik rücken. „Wir haben extremen Wohnungsmangel. Es geht deshalb jetzt darum, deutlich mehr Wohnungen zu bauen. Die Regierung hat selbst die Marke von 100.000 Sozialwohnungen pro Jahr gesetzt. Davon sind wir allerdings weit entfernt. Deshalb muss es jetzt um Quantität in ordentlicher Qualität gehen: Alles, was wir nach dem Gebäude-Energiegesetz (GEG) im Effizienzhaus-Standard 70 bauen, ist besser als 98 Prozent der Bausubstanz, die wir in Deutschland zur Zeit haben. Und es gehört zu dem Besten, was Europa zu bieten hat“, sagt Metzger.

Die Verbandspräsidentin der Baustoff-Branche stärkt Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) den Rücken: „Die neue Abschreibungsoffensive des Bauministeriums geht in die richtige Richtung: Es ist gut, Investoren jetzt kurzfristig zu entlasten. Das hilft, Projekte, die genehmigt, aber noch nicht begonnen sind, doch noch zu realisieren. Und es verhindert, dass noch mehr Projektentwickler, Baustoff-Hersteller und Bauunternehmen in die Insolvenz laufen“, so Katharina Metzger.

Anhebung des Verbundsatzes bedeutsame Weichenstellung für Kommunen in NRW

Der Städte- und Gemeindebund NRW (StGB NRW) begrüßt den Kabinettsbeschluss der Landesregierung, den Verbundsatz im Gemeindefinanzierungsgesetz ab dem Jahr 2027 [...]

17.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
Fünf Jahre Zentrum KlimaAnpassung: Bundesweite Anlaufstelle für Kommunen zieht starke Bilanz

Überflutete Keller nach Starkregen, überhitzte Schulen und Pflegeheime im Sommer, ausgetrocknete Parks nach anhaltender Dürre: Die Folgen der Klimakrise treffen[...]

10.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

allgemein
Gute Bildung in NRW benötigt verlässlichen Rahmen für die Kommunen

Bei seiner Sitzung in Neuss konnte das Präsidium des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB NRW) NRW-Schulministerin Dorothee Feller als Gast begrüßen. In den Ges[...]

09.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Kommunalfinanzen: Städte und Gemeinden fordern grundlegende Reform

Das Präsidium des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB NRW) hat in seiner Sitzung bekräftigt, dass eine umfassende Reform der Kommunalfinanzierung als zentraler[...]

08.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

allgemein
Mailand oder Madrid – Hauptsache LED!
Mailand oder Madrid – Hauptsache LED!

Ob Fußballplatz, Tennis- oder Padel-Court: Die Anforderungen an die Beleuchtung von Outdoor-Sportstätten sind hoch, etwa im Blick auf Effizienz, Lichtqualität u[...]

08.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Leuchtturmprojekt setzt neue Maßstäbe für modernes Lernen
Leuchtturmprojekt setzt neue Maßstäbe für modernes Lernen

Seit dem Schuljahr 2024/2025 hat sich der Neckarbogen in Heilbronn zu einem bedeutenden Bildungsstandort entwickelt. Mit der neuen Josef-Schwarz-Schule ist eine[...]

07.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Schulsanierung ohne Unterrichtsausfall
Schulsanierung ohne Unterrichtsausfall

Der Sanierungsbedarf an deutschen Schulen ist hoch. Laut KfW-Kommunalpanel 2026 plant deshalb jede zweite Kommune im laufenden Jahr Mittel aus dem Sondervermöge[...]

06.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Smarte und funktionale KNX-Gebäudesteuerung in einer  städtischen Kinderkrippe in Eschenbach (Oberpfalz)
Smarte und funktionale KNX-Gebäudesteuerung in einer städtischen Kinderkrippe in Eschenbach (Oberpfalz)

Wie lassen sich Sicherheit, ein angenehmes Raumklima und eine klare Orientierung in einer Kinderkrippe für viele Kinder und das pädagogische Team gleichermaßen [...]

06.07.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

allgemein
NEU: Akku-Motoreinheit für den Ersatz von Benzinmotoren
NEU: Akku-Motoreinheit für den Ersatz von Benzinmotoren

Makita erweitert das 40V max. XGT Akku-System um eine leistungsstarke und vielseitig einsetzbare Akku-Motoreinheit: die neue GU01G mit einer maximalen elektrisc[...]

03.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken
Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken

Kelsterbach – Wie wäre es, wenn Kirchen plötzlich verschwinden? Wie stark sind die Gebäude ins Erscheinungsbild der Städte und Gemeinden integriert? Welche sozi[...]

02.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein

Weitere Artikel in dieser Rubrik