Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Schwammstadt-Prinzip statt Regenwasserableitung

Einsatz von duktilen Gussrohren für eine Klimaangepasste Stadtentwässerung

02.05.2023 – Lesezeit ca. 3 Minuten 61

Einsatz von duktilen Gussrohren für eine Klimaangepasste Stadtentwässerung

Das Boden-Rohr-System zur Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips im Straßenraum gilt als innovatives Element der klimaangepassten Stadtentwässerung. Zum Einsatz kommen hier Rohre aus duktilem Gusseisen.

Der Klimawandel konfrontierte uns in den letzten Jahren mit Starkregen und mit Trockenheit. Ein Aspekt, der sowohl für die Hitzevorsorge als auch für ein naturnahes Regenwassermanagement in den Städten an Bedeutung gewinnt, ist die Kühlleistung von Böden und Vegetationsflächen.
Grünflächen, die ausreichend mit Wasser versorgt sind, sind natürliche „Kühlschränke“ der Stadt. Das Boden-Rohr-System zur Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips im Straßenraum wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Boden-Rohr-System als innovatives Element der klimaangepassten Stadtentwässerung (BoRSiS)“ entwickelt. Das System vereint drei Funktionen im Bauwerk Leitungsgraben: Die sichere Ableitung des Abwassers über ein Abwasser-Rohrsystem aus duktilem Gusseisen, die Schaffung eines großvolumigen und gut belüfteten Wurzelraums für Stadtbäume und die Gestaltung eines Niederschlagwasserspeichers und Bewässerungssystems aus Steinwolle zur Versorgung der Stadtbäume.

Umbau der Stadt vom Ableitungsprinzip zum Schwammstadtprinzip

Die Herausforderungen zur Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips bestehen darin, die Aspekte der Niederschlagswasserbewirtschaftung zusammen mit den Anforderungen der in Städten eingesetzten Vegetation in Einklang zu bringen und damit abgestimmte Bauweisen zu entwickeln. Der Umbau einer Stadt, deren Niederschlagswasser nach dem Ableitungsprinzip bewirtschaftet wird, muss nach und nach auf das Schwammstadt-Prinzip umgestellt werden.

Leitungsgräben neu genutzt

Das Ziel von BoRSiS ist, im Leitungsgraben von Rohren unter den Gehwegen oder Straßen (auch bei Starkregen) Wasser zu speichern und zeitverzögert (in Trockenzeiten) zur Bewässerung von Stadtbäumen abzugeben. Durch die Nutzung eines Leitungsgrabens steht ein erweiterter Speicher für Niederschlagswasser und für den Wurzelraum zur Verfügung, ohne dass zusätzlicher Platzbedarf auf der Oberfläche (gegenüber Versickerungsmulden) erforderlich ist. Um die bisher ungenutzten großen Volumina der Leitungsgräben überhaupt als Speicherraum für Niederschlagswasser und Wurzelraum nutzen zu können, ist eine Abkehr von der bisherigen Praxis erforderlich.

Mehr Raum für Wurzeln und Niederschlagswasser mit duktilen Gussrohren

Derzeit werden Leitungsgräben hoch verdichtet, um eine stabile Bettung der Rohre sicherzustellen und um Risse und Brüche zu vermeiden. Wurzeln sollen möglichst weit vom Leitungsgraben ferngehalten werden, da sie in die Rohre eindringen können. Mit dem geplanten Einsatz von Rohren aus duktilem Gusseisen nach EN 598 mit einer Zementmörtel-Umhüllung nach EN 15542 und wurzelfesten Rohrverbindungen nach prEN 17970, wie sie von den Mitgliedern des Projektpartners EADIPS®/FGR® e. V. hergestellt werden, werden die o.g. Restriktionen aufgehoben. Die robusten Rohre können in porenreiche, grobe Schottermaterialien gebettet werden.

Diese Eigenschaften sowie darüber hinaus gehende Eigenschaften von duktilen Guss-Rohrsystemen flossen ein in die Erstellung des neuen Gütezeichens der GET, dem RAL-GZ 699 und den dazugehörigen Güte- und Prüfbestimmungen für duktile Guss-Rohrsysteme.

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