Rubrik Wasser / Abwasser

Was man über erfolgreiche Kanalsanierung wissen sollte!

09.10.2026 – Lesezeit ca. 14 Minuten 15

Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. und Geschäftsführer des VSB (r.), Dipl.-Ing. Univ. Alexander Jung von der ISAS GmbH (m.) sowie Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des VSB, (r.) führten durch das Programm. Jung moderierte den Schlauchlinertag, Hippe moderierte den Reparaturtag und Borovsky eröffnete beide Veranstaltungen. (Foto: TAH)

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen stand in Kassel der Prozess einer erfolgreichen Kanalsanierung auf der Agenda. 264 Teilnehmer kamen zum 24. Deutschen Schlauchlinertag, 164 zum 15. Deutschen Reparaturtag. Die Beiträge reichten von erfolgreichen Projektbeispielen bis hin zu neuen Verfahren und aktuellen technischen Entwicklungen. Dabei zog sich eine Frage durch beide Veranstaltungstage: Was muss von der Planung über die Ausführung und Qualitätssicherung bis in den späteren Betrieb stimmen, damit eine Sanierung dauerhaft funktioniert?

„Uns interessiert nicht nur, dass eine Sanierung funktioniert hat. Spannend ist, warum sie funktioniert hat. Welche Grundlagen lagen vor, welche Entscheidungen wurden getroffen und was lässt sich daraus für zukünftige Projekte mitnehmen?“, betonte Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. und Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. Diese und viele weitere praxisorientierte Aspekte bildeten den roten Faden beider Veranstaltungstage. Den Schlauchlinertag moderierte Dipl.-Ing. Univ. Alexander Jung von der ISAS GmbH, durch den Reparaturtag führte Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB).

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Lernen aus 30 Jahren Anwendungspraxis

Ein Sondervermögen für Infrastruktur – genauer gesagt für die Kanalsanierung – gab es in Solingen bereits 1996. 20 Millionen Euro wurden damals für eine langfristige Sanierungsstrategie bereitgestellt. Zum Auftakt des Schlauchlinertages blickte Dipl.-Ing. Frank Werner Grauvogel, Abteilungsleiter Stadtentwässerung, Planung und Bau bei den Technischen Betrieben Solingen, auf inzwischen rund 75 Kilometer eingebaute Schlauchliner zurück. Der ursprünglich auf 20 Jahre angelegte Zeitplan habe sich zwar nicht komplett einhalten lassen, die Strategie sei jedoch konsequent fortgeführt worden. „Mit den Erfahrungen wuchsen auch die Qualitätsanforderungen“, so Grauvogel. Zur mechanischen Materialprüfung kamen Wasserdichtheitskontrollen, baubegleitende Qualitätssicherung und später auch für die Anschlussleitungen DSC-Prüfungen zur Beurteilung des Aushärtungszustands hinzu. Erkenntnisse aus Prüfungen und Nachträgen flossen fortlaufend in die Leistungsverzeichnisse ein. „Unsere Anforderungen sind mit den Erfahrungen gewachsen. Was wir aus der Ausführung, aus Prüfungen oder Nachträgen gelernt haben, haben wir in die nächsten Ausschreibungen übernommen“, betonte Grauvogel den Lernprozess.

Was Planung leisten muss

Wie früh die Weichen für eine qualitativ hochwertige und langlebige Sanierung gestellt werden, zeigte Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel, Beratender Ingenieur, Markus Vogel – Beratung, in seinem Vortrag „Ingenieurleistungen als Schlüssel zum Projekterfolg bei Schlauchliningmaßnahmen“. Ausgangspunkt sei die Leistung, die der Netzbetreiber von der sanierten Anlage über die vorgesehene Nutzungsdauer erwarte. „Dazu zählen Dichtheit, Standsicherheit, Betriebssicherheit, chemische Resistenz und betriebliche Einflüsse“, so Vogel. Für Schlauchliner setzte er eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren an. Voraussetzung dafür sei, sämtliche Anforderungen vor der Vergabe eindeutig zu definieren und in Planung und Bauüberwachung konsequent zu berücksichtigen. Denn nur was vertraglich geregelt sei, lasse sich später prüfen und einfordern.
Wie belastbar dafür die Planungsgrundlagen im Detail tatsächlich sein müssen, skizzierte Dipl.-Ing. Roland Wacker, Sachverständiger für Instandhaltung und Sanierung von Entwässerungsnetzen. In seinem Beitrag „Altrohrzustand und Imperfektionen – die schwierige Einstufung durch den Planer“ betonte er mit Blick auf die Schlauchlinerstatik: „Hier müssen initial Altrohrzustand, Imperfektionen und Belastungen genau ermittelt werden.“ Regelstatiktabellen könnten nur innerhalb definierter Randbedingungen herangezogen werden. Bei Altrohrzustand III oder überschrittenen Grenzwerten der Imperfektionen sei eine Einzelstatik erforderlich. Auch Lasermessungen müssen genau geprüft werden. Unterschiedliche Rechenansätze könnten zu unterschiedlichen Verformungswerten führen. Kalibrierung und Deformationsmessung blieben deshalb Sache einer sorgfältigen Planung, so Wacker.

Bei den moderierten Außenvorführungen wurde Technik unmittelbar erlebbar. Verfahren und Arbeitsabläufe konnten direkt an der Anwendung gezeigt, hinterfragt und mit den Fachleuten vor Ort diskutiert werden. (Foto: TAH)

Materialprüfung allein reicht nicht

„Materialkennwerte sind kein Prozessnachweis“, brachte Vogel einen weiteren Aspekt der Qualitätssicherung auf den Punkt. Auswertungen von mehr als 7.500 Linerinstallationen zeigten Abweichungen unter anderem bei Kalibrierung, Drücken, Temperaturen, Ziehgeschwindigkeiten und Leuchtmitteln. Klar umrissene Materialkennwerte allein ließen deshalb noch keinen Rückschluss auf einen korrekten Herstellungsprozess zu. Vogel plädierte dafür, die aufgezeichneten Prozessdaten systematisch mit den Angaben des Herstellerhandbuchs abzugleichen. Während er damit den Schlauchlinereinbau ganzheitlich in den Blick nahm, beleuchtete Michelle Peeck, B.Sc., Siebert + Knipschild GmbH, in ihrem Vortrag „Materialkennwerte im Wandel – Worauf müssen wir uns einstellen?“ die Materialseite der Qualitätssicherung nochmals ausführlicher. Peeck zeigte, dass der Einsatz von Glasfasern und optimierte Laminataufbauten höhere E-Modulwerte und Biegespannungen ermöglichen und zugleich geringere Wanddicken erlauben. Mit dieser Entwicklung würden jedoch auch die Anforderungen an die Qualitätssicherung steigen. Am Reststyrolgehalt verdeutlichte sie zudem, wie wichtig eine eindeutige Bezugsgröße für die Bewertung sei. Werde der Reststyrolgehalt auf die Gesamtprobenmasse bezogen, beeinflusse der Glasanteil den Messwert, da die Glasfasern selbst kein Styrol enthalten. Für eine belastbare Einordnung müsse deshalb klar sein, ob sich der angegebene Wert auf die Gesamtprobe oder auf den Harzanteil beziehe.
Dass sich Materialsysteme und Kennwerte weiterentwickeln, bleibt auch für die Normung nicht ohne Folgen. Dr. John Gumbel, JG Pipeline Consultancy Ltd und maßgeblicher Mitverfasser der DIN EN ISO 11300-2, sowie Wim Elzink, Leiter der zuständigen internationalen Arbeitsgruppe für die Sanierung von Abwasser- und Wasserleitungen, stellten in ihrem Vortrag „Qualität nach Norm – Novellierung der DIN EN ISO 11296-4 zur DIN EN ISO 11300-2“ die aktuelle Neuordnung vor. Bisher waren die Anforderungen an Schlauchliner in getrennten Normenreihen für drucklose Entwässerung, Abwasserdruckleitungen und Wasserversorgung geregelt. Künftig werden sie werkstoffbezogen zusammengeführt. Für duroplastische Komposite enthält die DIN EN ISO 11300-2 unter anderem neue Definitionen, eine detailliertere Klassifizierung der Schlauchlinerharze sowie genauere Vorgaben für die deklarierten mechanischen Kurzzeitkennwerte. Ergänzt wird sie durch die Technische Spezifikation DIN CEN ISO/TS 23818-2 zur Konformitätsbewertung.

Von Großprofilen bis zum Hausanschluss

Wie stark die Randbedingungen den Planungsaufwand bestimmen, zeigte Tobias Gierok von der Fischer Teamplan Ingenieurbüro GmbH in seinem Vortrag „Herausforderungen bei der Sanierungsplanung großer Kanalprofile mit Schlauchliner“. „Bei großen Profilen müssen unter anderem Zugänglichkeit, Platzbedarf, Abflusslenkung, Verkehrsführung und Anschlusssituation frühzeitig geklärt werden“, verwies Gierok auf die komplexe Gesamtsituation.
Wie anspruchsvoll all das in der konkreten Bauausführung tatsächlich werden kann, zeigte Dipl.-Ing. (FH) Torsten Seiler, Leiter Gebiet Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden. Beim Düker Flügelweg DN 2000 wurde eine tragende Linerwanddicke von 42 Millimetern statisch nachgewiesen. Das rund 210 Tonnen schwere System wurde bei etwa einem Meter Wasserstand eingebaut, während das parallele Rohr DN 1200 die Abwasserhaltung übernahm. Der äußere Liner wurde eingezogen, der innere mit Wasser inversiert.
Dass auch kleinere Dimensionen sorgfältige Vorbereitung verlangen, zeigte Dipl.-Ing. (FH) Dirk Mumm vom Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück. 2025 und 2026 wurde in Rheda-Wiedenbrück erprobt, Anschlussliner vom Hauptkanal aus einzubauen. Um eine Standardlösung handele es sich hierbei jedoch nicht, so Mumm. Das Verfahren könne den Zugang über den Übergabeschacht vermeiden, sei aber an konkrete technische Randbedingungen gebunden. So müssen unter anderem Einbausituation, Nennweitenbereich und vollständige Inversion berücksichtigt werden. Auch Satelliteninspektion, Fräs- und Reinigungsarbeiten, Einmessung und Wasserhaltung blieben erforderlich.
Last but not least richtete Dipl.-Ing. (FH) Steffen Hommel, IRS Sachsen, seinen Blick auf den Einbau von Schlauchlinern in Trinkwasserleitungen ab DN 600. „Hier treten zusätzliche hygienische Anforderungen hinzu, unter anderem an Trinkwassereignung, Stoffmigration und Hygienefreigabe. Hinzu kommen die Beanspruchungen durch Innendruck, Außenlasten und Unterdruck sowie die erforderliche Bogengängigkeit“, so Hommel.

Nutzungsdauer als Maßstab

Qualität zeigt sich nicht nur bei Einbau und Abnahme, sondern auch im späteren Betrieb. Dr.-Ing. Susanne Leddig-Bahls, Technische Leiterin der IQS Engineering AG, machte in ihrem Vortrag „Hochdruckspülung renovierter Abwasserkanäle – Viel hilft nicht viel“ deutlich, dass Reinigungsziel, Verschmutzungsgrad, Rohrwerkstoff und Zustand die Wahl von Düse und Spülparametern bestimmen. Ihr Grundsatz: „Reinigung mit so wenig Druck wie möglich – nur so viel wie nötig.“ Zur Rückverfolgbarkeit sollten außerdem Düse, Spüldruck, Zahl der Spüldurchgänge und möglichst der Volumenstrom dokumentiert werden.

Wie komplex die tatsächliche Beanspruchung sein kann, griff Dipl.-Ing. Marco Schlüter vom IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur am folgenden Reparaturtag nochmals auf. In seinem Beitrag „Belastungen für Reparaturstellen durch Hochdruckreinigung“ zeigte er, dass Druck und Durchfluss allein nicht ausreichen, um die Belastung zu beschreiben. Auch Düsentyp, Strahlgeometrie, Abstand sowie Übergänge und Anschlüsse spielen eine Rolle.

Qualität ist Klimaschutz

Auch aus Nachhaltigkeitsperspektive spielen Langlebigkeit und Nutzungsdauer einer Sanierung eine wesentliche Rolle. Prof. Dr. Jörg Sebastian stellte in seinem Vortrag „CO₂-Bilanzierung bei der Sanierung – aktueller Stand der VSB-Publikation“ den Arbeitsstand der VSB-Empfehlung zu Lebenszyklusbewertungen von Sanierungsprodukten und -verfahren vor. Voraussetzung für belastbare Vergleiche seien eine einheitliche funktionale Einheit und klar definierte Systemgrenzen. Dazu gehören unter anderem die betrachtete Leistung, die Nutzungsdauer und die einbezogenen Lebenszyklusphasen. Erst auf dieser Grundlage ließen sich Produkte und Verfahren sinnvoll gegenüberstellen. Ein CO₂-Wert ohne entsprechende Bezugsgröße sei dagegen nicht aussagekräftig.
Welche Bedeutung dabei die Nutzungsdauer hat, zeigte Sebastian an einem einfachen Rechenbeispiel. Wird der CO₂-Ausstoß auf die tatsächlich erreichte Nutzungsdauer bezogen, sinkt der Wert je Meter und Nutzungsjahr mit zunehmender Lebensdauer. Sebastian brachte diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Der stärkste Hebel ist die erreichte Nutzungsdauer. Qualität ist Klimaschutz.“ Daran schloss die Podiumsdiskussion unmittelbar an. Diskutiert wurde, wie belastbar ökologische Kennwerte bereits sind und welche Rolle sie künftig in Planung, Ausschreibung und Vergabe spielen können.

Reparatur braucht eine Strategie

Im Rahmen des 15. Deutschen Reparaturtages rückte die Reparatur als Baustein des Netzerhalts in den Fokus. Florian Frambach, M.Eng., von hanseWasser Bremen zeigte, wie solche Maßnahmen systematisch gesteuert werden. Von den rund 2.300 Kilometern Kanalnetz in Bremen werden jährlich 230 Kilometer per TV inspiziert. „Die Daten fließen in das Kanalinformationssystem, werden klassifiziert und auf ihre Sanierungsrelevanz geprüft. Auf die technische und wirtschaftliche Bewertung folgt die Entscheidung, ob repariert, renoviert oder erneuert wird“, erläuterte Frambach.
Wie die Eignung eines Reparaturverfahrens nachgewiesen werden kann, zeigte anschließend Dr.-Ing. Mark Kopietz von der SBKS GmbH am Beispiel des Zulassungsverfahrens beim Deutschen Institut für Bautechnik. Das DIBt-Prüfprogramm richtet sich nach der jeweiligen Anwendung und reicht von den Rohkomponenten über die Eigenschaften des ausgehärteten Harzsystems bis zu Prüfungen am fertigen Produkt, etwa zu Haftung, Chemikalienbeständigkeit, Abrieb und Hochdruckspülfestigkeit, so Kopietz.

Wenn schnell gehandelt werden muss

Nicht jede Reparatur lässt sich langfristig vorbereiten. Dipl.-Ing. (FH) Bianca Burger von den Göttinger Entsorgungsbetrieben zeigte in ihrem Vortrag „Sanierung bei Wurzeleinwuchs – Zweistufiges Vorgehen in Göttingen“, wie sich akuter Handlungsbedarf und planbare Instandsetzung organisatorisch voneinander trennen lassen. Falls notwendig, werde in Göttingen bei Bedarf zunächst kurzfristig eingegriffen, um die Betriebssicherheit wiederherzustellen. Die weitergehenden Reparaturen werden anschließend über einen Rahmenauftrag gebündelt und in zwei planbaren Einsätzen pro Jahr umgesetzt.
Welche zusätzlichen Anforderungen drückendes Grundwasser stellt, erläuterte Sarah Beck-Wieneke, B. Eng., von der IWA Ingenieurgesellschaft in „Kanalreparatur unter Grundwassereinfluss – Möglichkeiten und Einsatzgrenzen der Verfahren“. Beck-Wieneke betonte die passende Verfahrenswahl: Entscheidend sei nicht allein, die Infiltration zu stoppen, sondern auch, welche Folgeschäden bereits entstanden seien und wie diese mit der gewählten Methode behoben werden können. „Infiltration kann zu Bodenverlust, Hohlräumen und zum Verlust der Bettungszone führen. Edelstahlmanschetten lassen sich direkt gegen drückendes Grundwasser einsetzen, beheben jedoch keine Bettungsdefizite. Injektionstechniken können dagegen auch Hohlräume und Bettungsdefizite behandeln, stoßen bei starker Grundwasserströmung jedoch an Grenzen“, so die Referentin mit Blick auf die vielen zu berücksichtigenden Details.
Wie viel Mut und Vertrauen bei ungewöhnlichen Randbedingungen nötig sein können, zeigten Anja Kröhan, Berliner Wasserbetriebe, und Anja Janßen, Umwelttechnik Franz Janßen, in ihrem gemeinsamen Vortrag „Dükersanierung mittels Injektion in Berlin – Herausforderungen und Lösungen aus Netzbetreiber- und Auftragnehmersicht“. Am Düker Popitzweg machten spritzende Infiltration, Bodeneintrag und ein sichtbarer Hohlraum eine sofortige punktuelle Reparatur erforderlich. 45-Grad-Bögen, eine benachbarte U-Bahn-Linie sowie die historische Siemensbahn und der Grundwasserstand erschwerten die Ausführung zusätzlich. Für die mehr als drei Meter lange Schadstelle reichte die vorhandene Technik nicht aus, sodass ein 3,5 Meter langer Packer als Sonderanfertigung entwickelt wurde. Dass dieser Lösungsweg überhaupt umgesetzt werden konnte, lag auch an der Bereitschaft des Auftraggebers, für die Sonderanfertigung das wirtschaftliche Risiko mitzutragen. „So konnte eine Lösung erprobt werden, für die es unter diesen Randbedingungen noch keine etablierte Vorgehensweise gab“, betonten die Referentinnen. Die erfolgreiche Reparatur schuf damit die Grundlage, den gesamten Sanierungsbedarf des Dükers anschließend im Rahmen einer umfänglichen Strategie sorgfältig zu planen.

Was zusätzlich zu berücksichtigen ist

Beim Kurzliner steht und fällt die Qualität bereits vor dem Einbau. Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel zeigte in „Der Kurzliner im Kanal – Sorgenkind oder etabliertes Verfahren? Risiken, Regelwerk und der Weg zu einer zuverlässigen Ausführung“, dass beim Kurzliner Dichtheit, Lagesicherheit und Oberflächenschutz allein über den Stoffschluss sichergestellt werden. Entsprechend liegen die höchsten Risiken in den Vorarbeiten, etwa bei Abflusslenkung, Reinigung, Klebeflächenvorbereitung und Grundwasservorabdichtung.
Den Blick auf einen weiteren wichtigen Baustein der Sanierung lenkte Markus Dohmann vom Tiefbauamt Backnang mit seinem Vortrag „Die Sanierung von Schachtgerinnen – Lösungsmöglichkeiten und Umsetzung“. Seine Beispiele zeigten, dass sich Qualität auch hier nicht allein an der Wahl des Materials entscheidet. Ebenso wichtig sind eine hydraulisch geeignete Ausbildung, die Eignung für Betrieb und Unterhaltung sowie eine fachgerechte Verarbeitung. Die vorgestellten Lösungen reichten von Kanalklinkern und Polymerbeton bis zu GFK sowie PE- und PP-Segmenten. Fachgerechte Ausführung endet jedoch nicht bei Materialwahl und handwerklicher Qualität. Ebenso wichtig sind sichere Arbeitsbedingungen und eine Planung, die mögliche Gefährdungen von Anfang an berücksichtigt. Diesen Aspekt griff Gerry Wehrle in „Die unsichtbare Gefahr – Absicherung bei der Kanalreparatur in begehbaren Kanälen“ auf. Er machte deutlich, dass auch Arbeitssicherheit bereits mit Planung und Arbeitsvorbereitung beginnt. Gerade in begehbaren Kanälen reichen die Gefährdungen von Gasen und Sauerstoffmangel bis zu dynamischen Wasserkräften und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. „Eine aussagekräftige Gefährdungsbeurteilung, eine schriftliche Freigabe und die Benennung des Aufsichts- und Sicherungspersonal müssen vor Arbeitsbeginn geklärt sein“, betonte Wehrle.

Dokumentation mit Augenmaß

Für die Abnahme einer Sanierungsmaßnahme sei letztendlich nicht die Menge der Unterlagen, sondern ihre Aussagekraft entscheidend. Dipl.-Ing. Roland Wacker zeigte in seinem Vortrag „Die Abnahme der Kanalreparatur – welche Nachweise, welche Prüfungen“, dass Prüfungen und Dokumentation verfahrensabhängig festgelegt und bereits vertraglich definiert werden sollten. Eine Risikoanalyse könne dazu beitragen, den Fokus auf kritische Arbeitsschritte zu legen. Wie wichtig eine eindeutige Zuordnung sei, machte er an Beispielen deutlich. Fehlen Angaben zu Haltung, Stationierung, Datum oder Uhrzeit, lassen sich Abläufe später nur eingeschränkt nachvollziehen.
Das richtige Maß griff Hendrik Klar, M.Eng., von der ISAS GmbH in „Projektmanagement in sich wandelnden Zeiten – Das richtige Maß für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Ingenieurbüro und ausführender Firma“ auf. Sein Grundsatz „Fordern, was bewertbar ist – umsetzen, was leistbar ist“ zielt auf gezielte Nachweise, frühe Bewertung von Abweichungen und rechtzeitige Abstimmung. Digitale Werkzeuge können dabei unterstützen, ersetzen aber nicht die Kommunikation zwischen den Beteiligten.
Die anschließende Podiumsdiskussion richtete den Fokus schließlich auf die gemeinsame Verantwortung für funktionierende Dokumentation. Unterschiedliche Vorgaben und unvollständige Ausgangsunterlagen erzeugen zusätzlichen Aufwand. Diskutiert wurde deshalb über stärker vereinheitlichte Strukturen und klar definierte Grundlagen, die zu Projektbeginn bereitstehen müssen. „Unvollständigen Ausgangsunterlagen und sehr unterschiedlichen Vorgaben für Berichte, Fotos, Videos oder Dateinamen schaffen für bauausführende Unternehmen große Probleme“, so ein wesentlicher Aspekt der Diskussion. Entsprechend wurde über stärker vereinheitlichte Strukturen diskutiert. Voraussetzung dafür seien jedoch verlässliche und klar definierte Grundlagen, die der Auftraggeber zu Projektbeginn bereitstellt.

„Die beiden Tage haben sehr deutlich gezeigt, wie viele Faktoren über den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme entscheiden. Das beginnt bei belastbaren Planungsgrundlagen und der richtigen Verfahrenswahl, reicht über Material, Vorarbeiten und Ausführung bis zu Qualitätssicherung, Dokumentation und Betrieb. Besonders zielführend war es, dass wir viele Fragen in diesem Jahr noch enger auf Basis realer Projekte diskutiert haben und die Erfahrungen von Netzbetreibern, Planern, Ausführenden und Herstellern übereinanderlegen konnten“, so Hippes Fazit nach zwei erfolgreichen Veranstaltungstagen. Was von den beiden spannenden Networking-Tagen damit bleibt, sind viele Impulse für erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen.

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