22.10.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 21
Zwei Innenhöfe mit Fußgängerweg geben dem Quartier ein städtisches Ambiente. Foto: © Swiss Life Asset Managers Deutschland GmbH
Für das neu entstandene Wohnviertel „Constance“ in Bonn lieferte BG-Graspointner weit mehr als nur Bauteile: Mit umfassender Beratung und einer Sonderlösung trug der Spezialist für Entwässerungssysteme maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung des Großprojekts bei. Eine eigens für dieses Projekt entwickelte Abflussdrosselung mit Hilfe von Revisionsschächten, Retentionsboxen und Notüberläufen schützt die Gebäude auch bei Starkregen vor Schäden – zuverlässig und steuerbar.
Zu einer erfolgreichen Quartiersentwicklung gehören nicht nur gute Konzepte für Bebauung, Außenraumgestaltung und Erschließung, sondern auch eine leistungsfähige und zuverlässige Entwässerung. Vor dieser Planungsaufgabe stand Swiss Life Asset Managers, Eigentümer und Bauherr des neuen Quartiers in Bonn: Auf dem 24.500 Quadratmeter großen, innerstädtisch gelegenen Areal, umfasst von denkmalgeschützten Gebäuden wie dem „Deutschen Herold“, entsteht in mehreren Bauabschnitten ein gemischt genutztes Stadtviertel. Im ersten Bauabschnitt „Constance“ wurden 150 neue, zum Teil sozial geförderte Wohnungen realisiert. Blockrandbebauung schafft städtisches Ambiente. Zwei großzügige Innenhöfe sind über einen Fußgängerweg miteinander verbunden.
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Für die Entwässerung des Quartiers – besonders der Innenhöfe – war eine schnelle und zuverlässige Ableitung des Oberflächenwassers erforderlich, um Wasserschäden an den angrenzenden Gebäuden zu vermeiden. Die Herausforderung dabei: Die versiegelten, ebenerdigen Flächen, die entwässert werden müssen, summieren sich auf knapp 4.000 qm². Besonders bei Starkregen würde das Abflussvolumen des Oberflächenwassers die erlaubte Einleitungsmenge jedoch überschreiten. Ein Wassermanagement zur gezielten Begrenzung der Einleitmenge war deshalb erforderlich.
Vielen Erdgeschosswohnungen sind geräumige Gärten vorgelagert. Die Fassadenrinnen von BG-Graspointner verhindern einen Wassereintritt in die Wohnungen und ermöglichen einen barrierefreien Zutritt zu den Terrassen. Foto: © Swiss Life Asset Managers Deutschland GmbH
Der Fußweg und die Innenhöfe werden über zwei Ebenen entwässert. Um eine Überlastung des Kanalsystems auszuschließen, fertigte BG-Graspointner spezielle Revisionsschächte: Den normalerweise unten offenen Revisionsschächten wurde eine stabile Bodenplatte mit einer Durchgangsöffnung aufgesetzt. Diese ermöglicht es, die Abflussleitung in den Schächten variabel zu drosseln. Der Querschnitt dieser Öffnung entspricht dem Rohrquerschnitt des darunter liegenden Regelentwässerungsablaufs, der durch die Tiefgaragendecke geführt wird. Droht die Gesamtmenge des abgeleiteten Wassers die vorgeschriebene Einleitmenge zu überschreiten, kann die Öffnung durch ein zusätzliches, über Langlöcher geführtes Schiebeblech, stufenlos reduziert und somit alle Abläufe in ihrer Leistung gedrosselt werden. Bei starkem Wassereinfall wird so gezielt ein Wasserrückstau verursacht.
Zur Aufnahme des rückgestauten Wassers wurden große Teile der Tiefgaragendecke mit dicht aneinandergesetzten Retentionsboxen belegt. Diese schließen seitlich direkt an den Revisionsschächten an. Die seitlichen Schlitze der Revisionsschächte erfüllen hier eine Doppelfunktion: Sie leiten wie üblich das Sickerwasser in das Abflusssystem und zugleich das Überschusswasser in die Retentionsboxen, damit es sich großflächig über die Decke verteilt. Das Retentionsvolumen ist so dimensioniert, dass auch bei langen Regenfällen oder plötzlichem Starkregen stets genügend Kapazität für eine Zwischenspeicherung vorhanden ist.
Die unten angebrachte Bodenplatte mit dem Schieber sitzt direkt auf der Dachdichtung. Gestautes Überflusswasser strömt über die seitlichen Schlitze in die Retentionsboxen und verteilt sich gleichmäßig. Foto: © H2R-Ingenieure Huhmann + Rummel Beratende Ingenieure PartG mbB
Damit das im Rinnenkörper rückstauende Wasser nicht wieder an die Oberfläche gedrückt wird, sitzen seitlich in den Revisionsschächten nach oben abgewinkelte DN100 90°-Rohrbögen. Deren oberer Rand definiert den maximalen Wasserstand in der Rinne. Bei Erreichen des Höchststands wird somit über diese Notentwässerung zusätzlich entwässert. Die den Notüberläufen angeschlossenen Entwässerungsrohre speisen das Wasser in einiger Entfernung vom jeweiligen Revisionsschacht direkt von oben in die Retentionsboxen ein. Nach Abklingen des Regens fließt das in den Retentionsboxen zwischengespeicherte Überschusswasser zeitverzögert über die seitlichen Schlitze zurück in die Revisionsschächte sowie Entwässerungsleitungen.
Seitens der BG-Graspointner war Robert Eder maßgeblich an der technischen Umsetzung der Sonderlösungen beteiligt. Neben der Drosselfunktion und dem Notüberlauf mussten auch Belastungsanforderungen für Anlieferungen, Rettungseinsätze, Feuerwehr sowie LKW-Befahrung umgesetzt werden. Unterschiedliche Einbauhöhen von 600 bis 850 mm erforderten stabile, exakt höhenjustierbare und teleskopierbare Revisionsschächte. Für die Entwässerung der Außenanlagen kamen die Rinnen BG-FILCOTEN® pro V und pro V mini sowie die Hofabläufe BG-FILCOTEN® spot zum Einsatz. Zur Fassadenentwässerung wurden insgesamt 200 Laufmeter BG-FLEX FA Fassadenrinnen in der NW 200 eingebaut, um die Gebäude zuverlässig vor Wasserschäden zu schützen.
Auch gestalterisch gab es strenge Anforderungen an die Ausführung der Entwässerung. Die Architekten forderten optisch durchgängige Linien. Unterbrechungen der Entwässerungslinien durch breitere quadratische Revisionsgitter waren unerwünscht. Daher passte man die Revisionsschächte an der Oberfläche so an, dass ihre Abdeckroste die Breite der angesetzten Rinnenstränge aufnahmen. Trotz der verringerten Maße blieb die Zugänglichkeit zu den integrierten Schlammeimern, den zu wartenden Abläufen sowie den Schiebern gewährleistet.
Zum Gelingen des Großprojekts trug die gute Zusammenarbeit der am Bau Beteiligten bei: Das Büro ASTOC Architects and Planners aus Köln konzipierte die städtebauliche Maßnahme. Swiss Life Asset Managers, ein führender institutioneller Immobilieninvestor in Europa und Grundstückseigentümer sowie Bauherr, plante und entwickelte das Bauvorhaben. Für die Umsetzung der komplexen Entwässerung – bei der ein überdurchschnittliches Servicelevel gefragt war – kam BG-Graspointner mit ins Boot. Die Fachbauleitung der H2R Ingenieure unterstützte bei den Außenanlagen. Mit der Firma Ringbeck GmbH wurde ein erfahrenes GaLaBau-Unternehmen mit der Ausführung beauftragt. Die Umsetzung der Pflaster-, Vegetations-, Spiel-, Aufenthalts- und Gartenbereiche einschließlich der Entwässerungstechnik erfolgte aus einer Hand. So konnten Schnittstellen zwischen den Gewerken von Beginn an optimal koordiniert und potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden.