Rubrik Wasser / Abwasser

DWA fordert rechtssichere Übergangslösungen für Klärschlammaschen

Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm

06.08.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 229

Einstieg in die Phosphorrückgewinnung 2029, vollumfänglicher Hochlauf über ein Stufenmodell bis 2039, Ablagerung von Aschen als nationale Phosphorreserve, Schaffung eines Marktes für P-Rezyklate, Planungssicherheit durch rechtliche Klarstellung – eindeutige und pragmatische Vorschläge der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) zur Gestaltung der Phosphorrückgewinnung im aktuellen Positionspapier Übergangsmodell und Finanzierung. „Die DWA unterstützt die Ziele und die Umsetzung der Klärschlammverordnung ausdrücklich. Eine vollumfängliche Umsetzung inklusive der Phosphorrückgewinnung ist bis 2029 aber in keinem Fall realisierbar. Eine Nationale Phosphorreserve ist eine tragfähige Übergangslösung, die den Zielen der Phosphorrückgewinnung dient, den technischen und marktmäßigen Rahmenbedingungen Rechnung trägt und First-Mover schützt.“, betont DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel.

Phosphor ist ein endlicher und als kritisch eingestufter Rohstoff, die Rückgewinnung des Phosphors im Abwasserbereich stellt einen wesentlichen Beitrag zu Ressourcensicherung und zur Verringerung externer Abhängigkeiten dar. Die DWA unterstützt das Ziel der Phosphorrückgewinnung aus Abwasser ausdrücklich. Bis zu der in der Klärschlammverordnung festgeschriebenen Frist ab 2029 wird die dafür notwendige Infrastruktur aber nicht zur Verfügung stehen.

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Die notwendigen Kapazitäten zur Klärschlammverbrennung werden bis 2029 wahrscheinlich auf nationaler Ebene errichtet worden sein. Deutlich anders die Situation bei der Rückgewinnung des Phosphors aus der Klärschlammasche. Nach den auch vom Umweltbundesamt herangezogenen Schätzungen werden hier lediglich Kapazitäten für ein Drittel der Menge betriebsbereit sein. Trotz einer Vielzahl erfolgreicher und vielversprechender Pilotierungs- und Forschungsprojekte stellt die Skalierbarkeit der Verfahren weiterhin eine technische Herausforderung dar. Es fehlen Erfahrungswerte zu großtechnischen Verfahren, den Entsorgern stehen auch heute keine verlässlichen Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung. Planung, Genehmigung, Ausschreibung und Bau benötigen mindestens fünf bis sieben Jahre. Diese Zeiträume überschreiten die Zeit bis 2029 deutlich. Die vollumfängliche Umsetzung der Klärschlammverordnung im Jahr 2029 ist nicht realisierbar. Diese Sachlage ist unstrittig.

Stufenmodell schafft Planungssicherheit

Die DWA fordert ein Modell für den schrittweisen Ausbau des Phosphor-Recyclings mit Beginn 2029. Wenige Verfahren zur Verwertung relativ schadstoffarmer Klärschlammaschen stehen dann zur Verfügung. Die Kapazitäten für komplexere Extraktionsverfahren für schadstoffreichere Klärschlämme werden in den nächsten Jahren aufgebaut.

Das vorgeschlagene Modell verbindet die gesetzlichen Anforderungen mit den realen technischen Möglichkeiten. Es schützt gleichzeitig die Akteur*innen, die bereits in Verbrennungskapazitäten, Forschung und Rückgewinnungsverfahren investiert haben. Zudem erhöht es die Planungssicherheit für Anlagenbetreiber, Kommunen und Investierende.

Nationale Phosphorreserve als Übergangslösung

Für Klärschlammaschen, die zunächst noch keiner Phosphorrückgewinnung zugeführt werden können, schlägt die DWA eine Ablagerung auf besonders gekennzeichneten Flächen vor. Diese Nationale Phosphorreserve hält wertvolle Rohstoffe für eine spätere Nutzung verfügbar und ermöglicht im Bedarfsfall einen späteren Zugriff auf die gelagerten Aschen. Vorhandene Deponiestandorte und Lagerstätten sollten dabei bevorzugt genutzt werden. Die in der Klärschlammverordnung vorgesehene Zwischenlagerung ist hingegen keine flächendeckende Lösung. Sie ist mit erheblichen technischen, wirtschaftlichen und genehmigungsrechtlichen Herausforderungen verbunden.

Markt und Rechtsrahmen weiterentwickeln

Ein erfolgreicher Ausbau der Phosphorrückgewinnung setzt verlässliche Absatzwege für die entstehenden Rezyklate voraus. Fragen des Düngerechts, der Anerkennung neuer Düngemitteltypen sowie der Marktintegration von P-Rezyklaten müssen für den vollumfänglichen Markthochlauf geklärt werden. Gleiches gilt für deponierechtliche Anpassungen bezüglich der Kapazitäten für die Nationale Phosphorreserve.

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