Dieser Artikel wurde in der Ausgabe August 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Ein Blick auf die Zentralkläranlage in Altenburg

Klärschlamm wird Energielieferant

20.06.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 70

Klärschlamm wird Energielieferant

Die Entsorgung von Klärschlamm stellt viele Kommunen vor große Herausforderungen. Traditionelle Methoden sind nicht nur kostenintensiv, sondern auch umweltschädlich. Doch innovative Technologien bieten neue Möglichkeiten, Klärschlamm als wertvolle Energiequelle zu nutzen. Ein herausragendes Beispiel ist die Zentralkläranlage in Altenburg, die durch eine umfassende Modernisierung und den Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW) eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Energiegewinnung einnimmt.

In Kläranlagen wird Abwasser in verschiedenen Behandlungsstufen von Schmutz- und Nährstoffen befreit – übrig bleibt der sogenannte Klärschlamm. Er besteht aus Wasser sowie aus organischen und mineralischen Stoffen, die in gelöster und fester Form vorliegen. Klärschlamm enthält Nährstoffe und sollte daher nicht als Abfallprodukt betrachtet werden, sondern als wertvoller Energieträger genutzt werden. Mit dieser Zielsetzung wurde die Zentralkläranlage in Altenburg mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro um- und ausgebaut. Durch die Umstellung auf moderne Verfahrenstechnik und den Einsatz von BHKW kann die Anlage nun aus dem anfallenden Klärschlamm Strom und Wärme erzeugen. Damit werden nicht nur die Entsorgungskosten gesenkt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

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Technische Umsetzung und Innovationen

Die technische Umsetzung des Projekts, durchgeführt von Team Ingenieurbau der PORR, umfasste mehrere Schritte. Zunächst wurden zwei neue Faultürme errichtet, in denen der Klärschlamm bei Temperaturen von 35-37°C mithilfe von Mikroorganismen und Bakterien anaerob stabilisiert wird. Dabei entsteht Faulgas, das in den BHKW zur Energiegewinnung genutzt wird. Die beiden Faultürme mit einem Nutzvolumen von jeweils 2.100 m³ wurden aus Stahlplatten zusammengeschweißt und bieten optimale Bedingungen für die Gärung des Klärschlamms.

Ein weiteres zentrales Element der Modernisierung war die Errichtung eines neuen Maschinenhauses. Hier befinden sich die Pumpentechnik, neue Zentrifugen zur effizienteren Schlammentwässerung sowie drei Blockheizkraftwerke. Diese BHKW nutzen das gewonnene Faulgas zur Erzeugung von Strom und Wärme, wodurch die Kläranlage weitestgehend energieautark betrieben wird.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Durch die Umstellung auf die neue Verfahrenstechnik und den Einsatz der BHKW kann die Zentralkläranlage Altenburg jährlich rund 2.100 MWh Energie erzeugen. Dies entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 600 Haushalten. Gleichzeitig werden durch die Vermeidung von klimaschädlichen Gasen rund 1.125 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr eingespart. Damit leistet die Anlage einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur nachhaltigen regionalen Energieversorgung.

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Die Modernisierung der Zentralkläranlage Altenburg stellte das Projektteam der PORR vor zahlreiche Herausforderungen. Da die bestehende Kläranlage während der Umbauarbeiten in Betrieb bleiben musste, war eine präzise Koordination und Planung erforderlich. So wurde beispielsweise das gesamte anfallende Abwasser über eine temporäre Heberleitung vom Sandfang direkt in die Belebungsbecken gefördert.

Die Zentralkläranlage in Altenburg demonstriert die effiziente Nutzung von Klärschlamm als Energiequelle. Durch fortschrittliche Verfahren und Blockheizkraftwerke verringert sie Entsorgungskosten und leistet einen Beitrag zum Umweltschutz. Sie dient anderen Gemeinden als Beispiel, wie aus Abfall energieintensive Perspektiven entstehen können. Im Einklang mit den ESG-Kriterien bringt dies dem Betreiber des Klärwerks bedeutende Energieeinsparungen. Zugleich entspricht es der Strategie der PORR, Bauprojekte konsequent nach den Kriterien „Green and Lean“ auszurichten.

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