Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Gewerbepark Kassel Airport

Betonbauteile zur Niederschlagswasserbehandlung

23.01.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 178

Betonbauteile zur Niederschlagswasserbehandlung

Seit 2013 ist der Regionalflughafen Kassel Airport in Betrieb. Rund um das Flughafengelände ist ein florierender Industrie- und Luftfahrtstandort entstanden, an dem sich bereits mehr als 35 Unternehmen – überwiegend aus der Luftfahrtindustrie angesiedelt haben. Ab Ende 2022 wird hier der ehemalige Verkehrslandeplatz „Kassel-Calden“ in einen Gewerbepark umgewandelt. Besonderes Augenmerk legten die Planer dabei auf die Regenwasserbehandlung. Zum Einsatz kam hier ein komplexes Bauwerk aus Betonfertigteilen mit vier integrierten hydrodynamischen Abscheidern „Hydroshark“ von der Finger-Beton Unternehmensgruppe.

Nach Abschluss der Erschließungsarbeiten wird das Gelände des Gewerbeparks einmal ca. 22 ha umfassen. Die Planung sieht eine Entwässerung im Trennsystem vor. Das anfallende Schmutzwasser wird über eine neue Verbindungsleitung direkt der Kläranlage Calden zugeführt. Das Niederschlagswasser wird über entsprechende Behandlungsanlagen in die nächstgelegenen Vorfluter eingeleitet. Natürlicher Vorfluter für das betrachtete Gebiet im Norden ist der „Schachter Grund“, der ursprünglich im Zuge des Baus des gleichnamigen Regenrückhaltebeckens (RRB) am Kreisverkehrsplatz der B7 überbaut wurde. Das Problem: Der Abfluss aus dem natürlichen Einzugsgebiet wurde bisher durch dieses RRB geleitet und mit potenziell belastetem Niederschlagswasser von den Verkehrsanlagen der B7 vermischt. Um dies in Zukunft zu vermeiden, forderte die Genehmigungsbehörde eine Verlegung des Gewässers um das RRB herum und eine Zusammenführung des Abflusses aus dem natürlichen Einzugsgebiet mit dem Abfluss der geplanten „Niederschlagswasserbehandlung Nord“.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Betonelemente wiegen bis zu 37 Tonnen

In unmittelbarer Nähe zum bestehenden KVP der B 7 und im Entwässerungstiefpunkt des nördlichen Entwässerungsabschnittes wurde daher die Regenwasserbehandlungsanlage Nord geplant. Realisiert wurde diese als Bauwerk aus Betonfertigteilen von der Finger-Beton Unternehmensgruppe. Sie besteht aus 4 U-Profilen (als Unterteile) und 4 Deckenplatten zusammen. Die Außenabmessungen betragen 10,50 x 7,10 x 4,10 m. Die einzelnen Elemente wiegen bis zu 37 Tonnen. Im Inneren verrichten 4 eingebaute hydrodynamische Abscheider des Systems Hydroshark 3000 des Filterspezialisten 3P aus Bad Überkingen ihren Dienst. In der Mitte befindet sich ein Verteilerschacht zur gleichmäßigen Verteilung des ankommenden Wassers auf die 4 Abscheider.

Hydrodynamischer Abscheider Hydroshark 3000

Mario Reidelbach von der Bickhardt Bau SE erläutert die Maßnahme: „Das im Einzugsgebiet anfallende Niederschlagswasser wird der Anlage kanalisiert zugeführt. Das Trennbauwerk drosselt den Zulauf zur Behandlungsanlage auf das wasserwirtschaftlich notwendige Maß. Die Geometrie sorgt für strömungsgünstige Abflussverhältnisse vor dem Trennbauwerk, um turbulente Verhältnisse im Bereich der Trennschwelle zu reduzieren. Überschüssiges Wasser, welches nicht behandlungsbedürftig ist, wird über einen Kanal um die Behandlungsanlage, direkt in das nachgeschaltete Regenrückhaltebecken geleitet. Der gedrosselte Volumenstrom wird im Verteilerbauwerk auf die vier Sedimentationsschächte aufgeteilt. Das Verteilerbauwerk sorgt dafür, dass jedem Hydroshark möglichst die gleiche Wassermenge zugeführt wird. Am Ablauf der Behandlungsanlage befindet sich ein Schieber, der zu Wartungszwecken abgesperrt werden kann“, so Reidelbach.

Sedimentationsanlagen werden über Pumpen der AQUA PLUVIA KG entleert

Nach Regenereignissen werden die Sedimentationsanlagen regelmäßig automatisch in den Schmutzwasserkanal entleert. Die Philosophie dieser Anlagen folgt dabei dem Ansatz, dass bereits abgesetzte Sedimente durch „First-Flush-Effekte“ nachfolgender Regenabflüsse nicht remobilisiert werden sollen, um die Behandlungsanlage nicht zu überlasten, denn eine Austragung von Schmutzstoffen zum Gewässer sollte nicht erfolgen. Die Entleerung der Behälter erfolgt schließlich über Pumpen, die in Abhängigkeit von der zeitlichen Abfolge der Regenfälle, deren Gesamtintensität und dem Füllstand des Sedimentationsbehälters gesteuert werden. In einem separaten hinteren Teil des Beckens wird ein Teil des behandelten Wassers zwischengespeichert. Einige Zeit nach der Entleerung des Beckens über die Pumenanlage, wird eine Spülklappe, welche in der Trennwand eingebaut ist, zeitlich gesteuert geöffnet, um den Boden des geleerten Beckens mit einem Spülschwall zu reinigen. Im weiteren Verlauf werden der Beckenablauf und eventuell anfallendes Überlaufwasser zusammengeführt und kanalisiert durch den Straßendamm der Bundesstraße B 7 und weiter über das Gelände des bestehenden Rückhaltebeckens „Schachter Grund“ geleitet.

Neben den Bauwerken aus Betonfertigteilen wurden im Rahmen dieser Maßnahme über 1000 m Stahlbetonrohre in den Dimensionen DN 300 bis DN 1200, Einlaufbauwerke sowie Auslaufsteine in verschiedenen Dimensionen (DN 600 - DN 1200) der Finger-Beton Unternehmensgruppe verbaut. Die Montage der Behandlungsanlage dauerte nur 2 Tage, da die Anlage komplett vormontiert auf die Baustelle geliefert wurde. Mario Reidelbach zeigt sich zufrieden: „Diese Lösung bietet eine sehr kompakte Bauweise bei hoher hydraulischer Leistung. Dadurch hält sich der Aufwand für Erdarbeiten und Baustellenlogistik in Grenzen. Auch die Reinigungsleistung der Anlage ist wesentlich besser als bei herkömmlichen Anlagen.“
Geplant wurde die Maßnahme von der OPPERMANN GMBH - Ingenieurbüro Beratende Ingenieure - aus dem ortsansässigen Vellmar.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
ACO steuert Regenwasser smart
ACO steuert Regenwasser smart

Smarte Stadt – smartes Regenwassermanagement: Mit vernetzten Lösungen für Speicherung, Überwachung und Bewässerung unterstützt das WaterTech-Unternehmen ACO Stä[...]

18.09.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Baustelle an Nürnbergs Verkehrsknotenpunkt schreitet voran Unterwasser-Einsatz am Plärrer
Baustelle an Nürnbergs Verkehrsknotenpunkt schreitet voran Unterwasser-Einsatz am Plärrer

Abgetaucht mitten in Nürnberg: Auf dem zentralen Verkehrsknotenpunkt Am Plärrer waren am Mittwoch, 9. September 2026, Industrie-Taucher im Einsatz. Ihre Mission[...]

17.09.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Ionisation ersetzt 4. Reinigungsstufe
Ionisation ersetzt 4. Reinigungsstufe

Die Anforderungen an Gemeinden und Kommunen steigen drastisch, denn es soll eine vierte Ausbaustufe an Kläranlagen gebaut werden, die durch Investitions-, Energ[...]

17.09.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Resiliente Netze – Das Rückgrat unserer Gesellschaft
Resiliente Netze – Das Rückgrat unserer Gesellschaft

Das 39. Oldenburger Rohrleitungsforum findet am 4. und 5. Februar 2027 in den Weser-Ems-Hallen Oldenburg statt. Unter dem Leitthema „Resiliente Netze – Das Rück[...]

16.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Regenwasserbewirtschaftung digital planen
Regenwasserbewirtschaftung digital planen

Starkregenereignisse und zunehmende Flächenversiegelung erhöhen den Handlungsdruck für Städte und Gemeinden im Umgang mit Niederschlagswasser. Eine vorausschaue[...]

15.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
EU-Kommunalabwasserrichtlinie:
EU-Kommunalabwasserrichtlinie:

Die Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) setzen sich weiterhin für die Verknüpfung von Vierter Reinigungsstufe und erweiterte[...]

14.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Vierte Reinigungsstufe schützt Gewässer, Herstellerverantwortung sichert faire Finanzierung

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) bekräftigt vor dem Hintergrund des Schlussantrags der EU-Generalanwältin Juliane Kokott[...]

11.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
RAL-GZ 692: Zusätzliche Anforderungen für sichere und langlebige Kanalgussprodukte

Mehr Sicherheit im Kanalbau: Während die europäische Norm DIN EN 124 viele Fragen offenlässt, schließt die Güterichtlinie RAL-GZ 692 entscheidende Lücken, z.B. bei Kindersicherheit

11.09.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Melk: Mit Edelstahl für die Zukunft der Trinkwasserversorgung gerüstet
Melk: Mit Edelstahl für die Zukunft der Trinkwasserversorgung gerüstet

Mit zwei neuen Edelstahlbehältern von Forstenlechner und insgesamt 3.000 Kubikmetern Speichervolumen hat die Stadt Melk ihre Trinkwasserversorgung langfristig a[...]

10.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Urbanes Grün für besseres Mikroklima
Urbanes Grün für besseres Mikroklima

Mit einem Stadtklimakonzept geht die bayerische Stadt Memmingen die Herausforderungen des Klimawandels aktiv an. In der historischen Altstadt wurden jetzt neue [...]

10.09.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik