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Rubrik Wasser / Abwasser

Welche Gefahr von belasteten Wasserrohren ausgeht

Asbest aus dem Wasserhahn

27.12.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 73

Asbest aus dem Wasserhahn

Mikroskopisch klein und lebensgefährlich – Asbestfasern sind seit 1993 verboten, stecken aber laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) noch immer in über 9 Millionen Gebäuden. Doch nicht nur Wände, Spachtelmasse oder Fliesenkleber enthalten das krebserregende Material. Im 20. Jahrhundert verwendeten Handwerker vermehrt Asbestzement für die Verlegung von Trinkwasserrohren. Welche Gefahr geht von ihnen aus? Wie können Bewohner prüfen, ob ihre Wasserrohre betroffen sind? Diese Fragen klärt der folgende Text.

Asbest lauert überall

Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren statteten die Bundesländer Städte mit insgesamt 30.000 km Trinkwasserrohre aus Asbest aus. Besonders viele gefahrstoffhaltige Leitungen verbaute Schleswig-Holstein. Sind die Rohre intakt, besteht kein Risiko. Aggressives und kalklösendes Wasser vermag erst nach längerem Kontakt Calciumcarbonat in der Zementmischung aufzulösen. „Erst dann bröckelt Asbest von der Masse ab“, erläutert Dr. Stefan Pierdzig, Laborleiter des Asbest-Prüflabors CRB Analyse Service GmbH. Deshalb schreibt die Trinkwasserverordnung strenge Richtlinien vor: Die Calcitlösekapazität darf 5 mg/l CaCO3 nicht überschreiten.

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Fasern mit Folgen

Asbest gilt als eindeutig krebserregend, wenn es in das Atmungsorgan gelangt. Das Umweltbundesamt sieht eine besondere Gefahr darin, dass die kleinen Teilchen sich längs in noch kleinere, lungengängige Fasern zerspalten können. Die eingeatmeten Fasern verbleiben lange im Inneren, reizen die Organe und führen zu langfristiger Narbenbildung. Schwere gesundheitliche Probleme folgen: Im geschädigten Lungengewebe, Brust- oder Bauchfell treten noch bis zu 30 Jahre nach der erstmaligen Exposition Tumore des Lungen- oder Bauchfells, sogenannte Mesotheliome, auf.

Anders sieht die Wissenschaft die Aufnahme durch den Magen-Darm-Trakt, etwa durch asbesthaltiges Trinkwasser. Bis heute streiten sich Experten, ob oral aufgenommene Asbestfasern genauso viel Schaden anrichten wie inhalierte. Unklar ist, ob Teilchen vom Magen- und Darmtrakt aufgenommen oder ausgeschieden werden und ob sie von dort aus in andere Körperbereiche vordringen können. Einige Studien stellten eine Verbindung zwischen der Aufnahme von Asbest durch Trinkwasser und Magenkrebs oder andere Krebserkrankungen des Gastrointestinaltraktes fest. Gemäß dem aktuellen Stand stuft die World Health Organization (WHO) Asbest in Trinkwasser jedoch als ungefährlich ein.

Rohre selbst prüfen

Nützliches Vorwissen hilft, eine Asbestbelastung auszuschließen oder zu vermuten. Orientierung bieten Internetseiten wie Checknatura: Rohre, die Herstellern wie Eternit, Durit, Fulgurit oder anderen entstammen, enthalten möglicherweise Asbest. Ein gutes Ausschlussverfahren bieten Kennzeichnungen auf den Rohren; tragen diese Markierungen wie „NT“ (Neue Technologie) oder entsprechen bestimmten DIN-Normen, können Asbestsuchende den Gefahrstoff vollständig ausschließen. Weist das Rohr keinen Kreisquerschnitt auf, besitzt einen Fuß oder beträgt mehr als sechs Meter, enthält es das gesundheitsschädliche Material ebenfalls nicht.

Probenanalyse – der Prozess

Akkreditierte Labore wie CRB Analyse Service führen eine professionelle Asbestanalytik durch. CRB stellt eine Anleitung zur Probenahme zur Verfügung. Asbestsuchende entnehmen zunächst staubfrei Materialproben unter Zuhilfenahme geeigneter Mittel wie Schere, Messer, Zange oder Klebestreifen. Mit Hilfe von entsprechendem Atemschutz schützen sich Personen vor den gefährlichen Fasern. Anschließend verpacken sie das zu untersuchende Material staubdicht – am besten eignen sich hierfür kleine Beutel oder Filmdöschen. Eindeutig mit der richtigen Probenbezeichnung beschriftet und in einem gepolsterten Umschlag verpackt, schicken Asbestsuchende die Proben an das zertifizierte Prüflabor. CRB untersucht mit Hilfe hochauflösender Rasterelektronenmikroskope alle Arten von Material-, Staub- und Luftproben sowie Flüssigkeiten nach den jeweils aktuellen Richtlinien und Normen auf Asbest und künstliche Mineralfasern. Innerhalb weniger Werktage erhalten Auftraggeber das Ergebnis. Enthält die Probe Asbest, raten die Experten zur professionellen Unterstützung. Fachkundige Ingenieurbüros und Bausachverständige ordnen den Grad der Lage ein und entfernen den Gefahrstoff, wenn nötig.

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