Rubrik Wasser / Abwasser

Suche Mitarbeitende, biete Energiewende

04.01.2023 117

Suche Mitarbeitende, biete Energiewende

Thomas Schoy

In Deutschland warten Unternehmen Jahre auf alle Genehmigungen für Solar- und Windkraftprojekte und auch während des eigentlichen Bauvorhabens kann es zu längeren Verzögerungen kommen. Dies führt im Endeffekt zu stetiger Stagnation im Ausbau der erneuerbaren Energien. „Als eine der entscheidenden Hürden in diesem Zusammenhang erweist sich die aktuell hohe Auslastung des Handwerks und der Personalmangel“, weiß Thomas Schoy, Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut. Deutschland fehlen die Fachkräfte.1 Dabei beschränkt sich dies selbstverständlich nicht nur auf einen einzelnen Berufsstand. Neben dem vor allem in der Öffentlichkeit immer wieder diskutierten Handwerkermangel herrscht auch in deutschen Behörden ein beunruhigender Personalnotstand. Schon jetzt fehlen hier fast eine halbe Million Arbeitskräfte und die Zahl soll in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Bis 2030 könnte diese laut ersten Prognosen sogar schon bei einer Million liegen.2 Besonders vor dem Ziel der Bundesregierung, bis 2035 den Bruttostromverbrauch zu 100 Prozent durch Ökostrom zu decken, scheint dies noch dramatischer. Der Experte erklärt: „Im Zuge des weiteren geplanten Ausbaus der erneuerbaren Energien muss Deutschland diesen bestehenden Mangel und die daraus resultierenden Hürden schnellstmöglich beheben.“

Trotz Genehmigung kein Ausbau

Noch zu Beginn des Jahrzehnts herrschte bei Herstellern und Installationsbetrieben für erneuerbare Energien Hochstimmung. Handwerksunternehmen wuchsen immer weiter und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden neu ausgebildet. Seit diesem großen Höhepunkt der Photovoltaik vor circa zehn bis fünfzehn Jahren verschwand die komplette Branche jedoch immer weiter in der Versenkung und viele Arbeitskräfte wanderten beispielsweise in andere Gewerbe ab. Aus diesem Grund gibt es gerade bei vielen Installationsbetrieben einen eindeutigen Handwerkermangel und auch die Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien suchen händeringend nach neuem Personal.

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„Trotz optimistischer Zukunftsaussichten, guter Bezahlung und eines relativ sicheren Jobs sieht die Lage in dieser Branche aber aktuell eher schlecht aus. Dabei gehörte Deutschland vor einigen Jahren noch zu einem der führenden Länder in den Bereichen Photovoltaik beziehungsweise Windkraft“, verdeutlicht Schoy. Von der Politik blieb dieser im Wesentlichen durch sie verursachte Verfall lange unbeachtet und erst Anfang des Jahres gab es erste sichtbare Bemühungen, dieses immer weiter wachsende Problem in den Griff zu bekommen. Oster- und Sommerpaket sollen mit vielen Maßnahmen die Energiewende wieder vorantreiben und somit auch die Rückkehr zu einer deutschen Produktion ermöglichen. Selbstverständlich geht dies jedoch nicht von heute auf morgen und daher kommt es momentan immer wieder zu Verzögerungen beim Ausbau.

Lange Wartezeiten aufgrund von Unterbesetzung

Zwar scheint die Regierung das Personalproblem erkannt zu haben, aber für die Lösung braucht es noch einiges an Arbeits- und Zeitaufwand. Hier plant die Politik in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zum einen mehr Personal einzustellen und zum anderen die vorhandenen Mitarbeitenden effizienter einzusetzen. Obwohl der gegenwärtige Notstand eigentlich Grund genug sein müsste, die Digitalisierung voranzutreiben, die die Personalintensität erheblich reduzieren würde, ist das Faxgerät noch weit davon entfernt, in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Daher braucht es eindeutig zusätzliches Engagement, um den Fachkräftemangel in die Schranken zu weisen. Schoy bekräftigt: „In diesem Zusammenhang lässt sich nur hoffen, dass die kommenden Initiativen bei Jugendlichen und selbstverständlich auch Quereinsteigern das Bedürfnis wecken, sich in der Branche zu bewerben oder eine entsprechende Ausbildung beziehungsweise ein passendes Studium in Betracht zu ziehen. Ansonsten stehen das Handwerk, die öffentlichen Verwaltungen und in diesem Sinne auch ganz Deutschland vor einem großen Problem.“ Neben bürokratischen Hürden und dem Digitalisierungsstau erweist sich die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt als entscheidend für die Zukunft der grünen Energiewende. Ohne eine zügige Lösung verschiebt sich der Fokus vieler Verantwortlicher ansonsten schnell zurück zu den fossilen Energieträgern.

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