03.11.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 12
Städte und Gemeinden setzen Naturschutzziele vor Ort um, stoßen dabei aber an finanzielle Grenzen. Das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt fordert deshalb, beschlossene Ziele auf allen Ebenen auch zu finanzieren. Drei Mitgliedskommunen zeigen, was bereits gelingt und was fehlt.
Die Weltnaturkonferenz in Jerewan ist letzte Woche zu Ende gegangen. Die im Weltnaturabkommen ursprünglich vorgesehenen 200 Milliarden US-Dollar jährlich für den Schutz der Natur bleiben auch dieses Jahr bei weitem unerreicht. „Wir wissen um den Artenrückgang, und die Ziele sind klar. Was fehlt, ist die Umsetzung. Auf allen Ebenen muss gelten: Ziele müssen nicht nur beschlossen, sondern auch finanziert werden – weltweit wie in jeder deutschen Kommune, ob Großstadt oder ländlicher Raum. Wir müssen die biologische Vielfalt gezielt schützen und fördern“, sagt Robert Spreter, Geschäftsführer des Bündnisses.
Die EU hat 2024 beschlossen: Bis 2030 dürfen Städte keine Grünflächen und Baumkronen mehr verlieren. Danach sollen beide zunehmen. Der deutsche Wiederherstellungsplan setzt bei der Finanzierung vor allem auf bestehende Förderprogramme des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. Ein neues Programm zur Wiederherstellung der Natur ist nicht in Sicht. Und auch bei den bestehenden Förderprogrammen sind die Eigenanteile der Kommunen dieses Jahr deutlich gestiegen. Künftig zählt vor allem die CO₂-Einsparung. Das kann die Wiederherstellung der Natur ins Abseits drängen. Deshalb droht weniger Geld für Bäume, naturnahe Pflege und den Erhalt bestehender Natur. Die europäischen und nationalen Ziele zu Grünflächen und Bäumen im urbanen Raum wären dann nicht zu erreichen.
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Das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt fordert deshalb, dass beschlossene Ziele auf globaler, europäischer und nationaler Ebene auch umgesetzt werden. Der Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt sind nicht verhandelbar.
Das Bündnis hat drei Mitgliedskommunen gefragt, was gelingt und wo es Schwierigkeiten gibt.
In Erfurt entstehen Blühwiesen statt Rasenflächen, Totholz bleibt stehen, und dem Biber lässt die Stadt an den Gewässern fast freie Hand. „Die Finanzierung von Vorhaben ist immer herausfordernd. Hier hat aber der Stadtrat richtungsweisend entschieden und im Haushalt Geld zur Förderung der Biodiversität zur Verfügung gestellt“, sagt Jens Düring, der im Umwelt- und Naturschutzamt der Stadt die Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege leitet. Er fordert, biologische Vielfalt zur Pflichtaufgabe jeder Kommune zu machen – und mehr Unterstützung von Land und Bund.
Karlsruhe pflegt 44 Hektar naturnah – das entspricht etwa 60 Fußballfeldern, auf denen im Frühsommer Wildbienen und Schmetterlinge fliegen. Bei Rüppurr bewässert die Stadt die Salmenwiesen wieder wie früher und fördert so wertvolle Lebensräume. „Naturnahe Grünflächenpflege und die Erwartungen an ein gepflegtes Stadtbild lassen sich nicht immer konfliktfrei vereinbaren“, sagt Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach. Geschulte Pflegekräfte und der Dialog mit der Bevölkerung haben geholfen.
Die Gemeinde Kalletal im Kreis Lippe hat am Schulzentrum Hohenhausen 2.000 Quadratmeter entsiegelt und einen naturnahen Bachlauf angelegt, der Regenwasser zurückhält. „Die größte Herausforderung ist, ökologische Ziele, Flächenansprüche, knappe Ressourcen und langfristige Pflege in Einklang zu bringen. Geholfen haben engagierte Partner, Förderprogramme und der Austausch im Bündnis“, sagt Bürgermeister Mario Hecker.
Wie die drei Kommunen ihre Projekte umsetzen, welche Hürden sie überwinden und wo ihnen finanzielle Spielräume fehlen, erfahren Sie in den Interviews [1]