Rubrik Natur und Umwelt

Wiederansiedelung der vom Aussterben bedrohten Tierart

Knoblauchkröten finden neuen Lebensraum in der Lippeaue

31.07.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 46

Knoblauchkröten finden neuen Lebensraum in der Lippeaue

Die Beteiligten sind stolz auf die gelungene Freilassung der Knoblauchkröten (von links nach rechts): Dagmar Schlaberg (Bezirksregierung Arnsberg), Silke Bielefeld (Umweltamt Hamm), Norbert Menke (NABU-Naturschutzstation Münsterland), Anna Rodekirchen (Biostation Soest, ABU), Christian Härting (Biostation Soest, ABU), Gunnar Jacobs (Lippeverband), Katharina Teickner (Umweltamt Hamm), Patrick Hundorf (Biostation Soest, ABU). (Bild: Stadt Hamm)

Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) gilt in NRW als "vom Aussterben bedroht". Die Art ist als typischer grabender Froschlurch auf Lebensräume mit leichten, sandigen Böden angewiesen und braucht zur Fortpflanzung lange wasserhaltende, stehende Gewässer in enger Nachbarschaft. Durch den Verlust von Laichgewässern und die zunehmende Versiegelung der Landschaft sowie die Intensivierung der Flächennutzung gingen viele Lebensräume der Knoblauchkröte verloren. Im Zuge von Renaturierungen und der ökologischen Entwicklung der Lippeaue mit zwei LIFE-Projekten und dem jüngst fertiggestellten Erlebensraum Lippeaue wurden viele neue Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Die Besiedlung von Biber, Weißstorch und Schwanenblume sind Beispiele für den Erfolg dieser Projekte! Auch Amphibien finden hier neue, geeignete Lebensräume. Sie sind in der Regel nicht so mobil und schnell bei der Wiederbesiedlung und gerade bei sehr seltenen Arten wie der Knoblauchkröte braucht es Unterstützung.

Gute Lebensräume finden sich entlang der gesamten Lippeaue, wo die Art eines ihrer letzten Refugien bei Lippstadt im benachbarten Kreis Soest hatte. Von hier aus starteten vor einigen Jahren Schutzaktivitäten der Biologischen Station Soest, um die Art zu fördern. Im Rahmen des Integrierten LIFE-Projekts Atlantische Sandlandschaften wurden entlang der Lippe neue Trittsteinbiotope in Form von Teichen und Sanddünen geschaffen, so auch im Herbst 2022 in der Oberwerrieser Mersch. "In der Lippeaue gibt es verschiedene gut geeignete Lebensräume für die Knoblauchkröte, welche jetzt auch durch die Ausbringung besiedelt werden", wissen Christian Härting und Patrick Hundorf (ABU Biologische Station Soest), Gebietsbetreuer in der Lippeaue Hamm.

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In der geschützten Umgebung einer speziell ausgestatteten Zuchtstation der NABU Naturschutzstation Münsterland wurden junge Knoblauchkröten herangezogen, welche dann in die neuen Gewässer eingesetzt wurden und sich später als erwachsene Tiere wieder fortpflanzen. Norbert Menke von der NABU-Naturschutzstation: "Die Knoblauchkröte war früher in der gesamten Lippeaue verbreitet. Aufgrund der fehlenden Flussdynamik ist das heutzutage nicht mehr möglich, so dass wir jetzt diese Aufgabe zusammen mit den Kollegen der ABU Soest im Rahmen des LIFE-Projektes Atlantische Sandlandschaften und der Unterstützung der Behörden übernehmen können. Wir freuen uns, dass wir die Knoblauchkröte im Bereich Hamm wieder ansiedeln dürfen und dadurch weitere Verbreitungslücken geschlossen werden."

Weiterer Schritt zur Steigerung der Biodiversität in den Lippe-Gewässern Auch die Stadt Hamm freut sich über diese gelungene Aktion: "Wir sehen durch die Ansiedelung von Arten, wie dem Weißstorch oder dem Biber, dass die Renaturierungsmaßnahmen unmittelbar positive Effekte haben", so Peter Martin, Leiter des Umweltamtes.
"Die Rückkehr der Knoblauchkröte ist ein weiterer Schritt zur Steigerung der Biodiversität in den Lippe-Gewässern", sagt Gunnar Jacobs, Experte für Artenschutz beim Lippeverband.

Alle Beteiligten aus Umweltamt Stadt Hamm, Lippeverband, Bezirksregierung und Biologische Stationen Soest und Münsterland sind stolz auf die gelungene Zusammenarbeit und danken der Bezirksregierung Arnsberg, die die Bemühungen um die eingesetzten Knoblauchkröten mit Mitteln des Landes gefördert hat. Ende 2018 startete der Lippeverband gemeinsam mit der Stadt Hamm die bauliche Umsetzung des aktuell größten Umwelt- und Naturschutzprojektes in Hamm – den Erlebensraum Lippeaue. Das 195 Hektar große Projektgebiet umfasst einen rund fünf Kilometer langen Abschnitt der Lippe. Das gemeinsame Projekt der Stadt Hamm und des Lippeverbandes wurde gefördert durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und über die Wasserrahmenrichtlinie des Landes NRW. Mit einem großen Familienfest wurde im Juni 2023 der Erlebensraum Lippeaue von der Stadt Hamm und dem Lippeverband im Beisein von NRW-Umweltminister Oliver Krischer feierlich eröffnet.

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