Dieser Artikel wurde in der Ausgabe April 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Natur und Umwelt

Artenschutz: Kommunen ermuntern Bürger*innen zum naturnahen Gärtnern

03.04.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 40

Artenschutz: Kommunen ermuntern Bürger*innen zum naturnahen Gärtnern
  • Privatgärten in Deutschland könnten viel mehr für den Artenschutz erreichen als bisher, zeigt das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt gARTENreich.

  • Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen empfehlen: verschiedene Lebensräume schaffen, heimische Wildpflanzen nutzen, auf Pestizide verzichten.

  • Kommunen wie Gütersloh, Düren und Bad Salzuflen informieren Bürger*innen mit gARTENreich-Materialien über naturnahes Gärtnern. Alles Wichtige erfahren Interessierte auch bei einem Webinar am 22. Mai 2025.

  • Jeder Garten kann etwas für die Biodiversität tun – durch eine vielseitige Gestaltung, heimische Wildpflanzen und eine pestizidfreie Pflege. Die über 16 Millionen Privatgärten in Deutschland sind bereits jetzt wichtig für Insekten und Co. Doch die meisten von ihnen könnten noch deutlich mehr für den Artenschutz erreichen als bisher, wie das Projekt gARTENreich zeigt. Mit Förderung durch das Bundesforschungsministerium hat der Forschungsverbund unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) Materialien zu naturnahem Gärtnern erstellt, mit denen nun immer mehr Kommunen ihre Bürger*innen informieren.

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    Bad Salzuflen, Bad Dürkheim, Düren, Erfurt und Gütersloh zeigen, wie es geht: Auf ihren Internetseiten finden Bürger*innen Informationen zur insektenfreundlichen Gartengestaltung. Dort erfahren Interessierte zum Beispiel in einem Video, dass es in Deutschland etwa 560 Wildbienenarten gibt, von denen mehr als die Hälfte gefährdet ist. Wie rettende Lebensräume im Garten entstehen, zeigen die Kommunen unter anderem mithilfe des gARTENreich-Einsteigerpakets.

    „Egal wie klein ein Garten oder Vorgarten ist – für die Biodiversität in unserer Stadt sind diese Lebensräume wichtige Bausteine“, sagt Beate Gahlmann von der Stadt Gütersloh. „Wir freuen uns über alle, die naturnahes Gärtnern ausprobieren möchten.“

    Wie divers sind Deutschlands Gärten?

    Das Projekt gARTENreich hat 2024 2.000 Gartenbesitzer*innen befragt. Zugleich haben die Forschenden in 20 Projektgärten selbst nachgezählt, wie viele Pflanzenarten es je nach Gartengestaltung gibt.

    „Im Schnitt liegen die deutschen Gärten im Mittelfeld, was die Ausstattung mit biodiversitätsfördernden Elementen angeht. Es gibt also noch deutliches Verbesserungspotenzial“, so Projektleiterin Alexandra Dehnhardt vom IÖW. „Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, wie sie ihren Garten artenreich gestalten können.“ Der „Selbsttest zum Zustand der Biodiversität im Garten“ hilft bei einer ersten Einschätzung.

    Vielfalt durch Mini-Lebensräume

    Das Projekt gibt Tipps, wie mehr Natur im Garten möglich ist, ohne ihn vollständig umzugestalten. „Der beste Weg zu einer hohen Artenvielfalt ist ein bunter Mix aus Lebensräumen – etwa eine Hecke, etwas Totholz, sonnige sowie schattige Blumenbeete und ein kleiner Teich“, sagt Dehnhardt.

    Heimische Pflanzen

    Viele Tiere haben sich auf bestimmte Wildpflanzen spezialisiert. „Saatgut und Pflanzen mit dem Etikett ‚bienenfreundlich‘ sind nicht automatisch für Wildbienen geeignet“, erklärt Jessica Rusch vom NABU. „Wichtig für Insekten und Vögel sind heimische Wildpflanzen – und zwar nicht nur Wildblumen, sondern auch heimische Stauden und Sträucher.“ Die gARTENreich-Pflanzensteckbriefe helfen bei der Auswahl: Sie zeigen, welche Arten sich an welchem Standort eignen und für welche Tiere sie nützlich sind. Die wilde Malve etwa steht gern sonnig und ist gut für Wildbienen. Engelwurz gedeiht auch im Halbschatten und ist zusätzlich für Käfer- und Fliegenarten wichtig.

    Schonende Pflege

    Wie sieht eine naturnahe Gartenpflege aus? Mit einer Broschüre bietet das Projekt Orientierung: Erlaubt sind Kompost, organischer Dünger und torffreie Erde. Pestizide hingegen sind tabu: Sie schaden nicht nur Blattläusen und Co., sondern auch ihren Fressfeinden wie Marienkäfern und kleinen Singvögeln. Ebenso sollten Stängel von Stauden erst im Frühling zurückgeschnitten werden, weil darin Insekten überwintern.

    Im Projekt gARTENreich entwickelten Wissenschaftler*innen und Praxispartner*innen Strategien und Informationsmaterialien zur Gestaltung naturnaher Gärten. Zum interdisziplinären Team gehörten Fachleute vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) e. V., dem NaturGarten e.V., der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Stadt Gütersloh und der Gemeinde Aumühle. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

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