Rubrik Natur und Umwelt

Wie waldbesitzende Kommunen ihre „Grüne Lunge" noch attraktiver gestalten

Interessante Variante der PEFC-Zertifizierung des eigenen Kommunalwaldes

25.03.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 78

Interessante Variante der PEFC-Zertifizierung des eigenen Kommunalwaldes

Der Wald ist für viele Menschen der ideale Erholungsort zum Wandern oder auch Mountainbikefahren. (Foto: PEFC)

Kürzlich wurde das Waldgebiet am Brunnenberg im sächsischen Bad Elster als PEFC-Erholungs-, Kur- und Heilwald ausgezeichnet. Damit ist die Anzahl dieser Wälder mit Sonderzertifikat auf zehn gestiegen. Immer mehr Kommunen, die bereits ein PEFC-Zertifikat für nachhaltige Waldbewirtschaftung halten, entdecken die zusätzliche Erholungs-, Kur- und Heilwald-Zertifizierung ihres Waldes als attraktive Zusatzauszeichnung für sich.

In Mecklenburg-Vorpommern fiel 2017 der Startschuss: Auf Usedom wurde ein Waldgebiet unter Beteiligung mehrere Institutionen zum zertifizierten Kur- und Heilwald ausgezeichnet. Auf Bundesebene hat sich bereits vor vielen Jahren das Zertifizierungssystem PEFC Deutschland die Ausarbeitung von Standards für Erholungs-, Kur- und Heilwälder für PEFC-zertifizierte Kommunen zur Aufgabe gemacht. Das Thema Wald und Gesundheit bleibt aktuell: Immer mehr Waldbesucherinnen und Waldbesucher entdecken die vielseitige und wohltuende Auswirkung des Waldes auf Psyche und Körper für sich. Die Wissenschaft erkennt ebenfalls die positiven Wirkungen des Waldbesuchs auf die menschliche Gesundheit. Hiervon können Kommunen auf vielfältige Weise profitieren.

Vorteile für Städte, Gemeinden und Kommunen

Gemeinden und Städte profitieren von der Sonderauszeichnung als Erholungs-, Kur- oder Heilwald in vielfacher Weise: So zeigen sie der Bevölkerung, wie groß ihr Engagement für den eigenen Wald ist. Für Gäste oder Kurreisende bietet der Wald eine zusätzliche Attraktion, die Gesundheitsprävention an der frischen Luft. Nicht zuletzt wirkt sich die Zertifizierung durch den potenziellen Anstieg von Übernachtungsgästen wirtschaftlich positiv auf Stadt und Region aus. So generieren Kommunen neben der Holzvermarktung eine zusätzliche Einnahmequelle aus dem Wald.

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Der Erholungswald als stressabbauendes Ausflugsziel

Der Wald bietet per se den idealen Erholungsort. Ob während einer Wanderung, beim Walking, Joggen oder Mountainbiken, die wohltuende Wirkung ist oftmals gleich spürbar. Und doch können Kommunen diese durch gezielte Maßnahmen noch steigern: Für beste Erholung ist die Ausstattung sowie ein auf die verschiedenen Interessensgruppen abgestimmtes Konzept des Erholungswaldes grundlegend. Hierzu zählen das Aufstellen von Bänken, das Installieren von Sportgeräten, weitere Einrichtungen zur Förderung der Gesundheit, Grillstellen, Beschilderung allgemein, Schutzhütten, Rettungspunkte und Notrufmöglichkeiten. Daraus ergibt sich ein positiver Nebeneffekt für die Kommunen: Diese Maßnahmen, insbesondere die Beschilderung, können erheblich zur Auflösung von Konflikten rund um unterschiedliche Bedürfnisse im Wald beitragen. Beispielsweise ist durch eine geschickte Besucherlenkung eine Trennung zwischen Wanderwegen und geeigneten Strecken für Mountainbiker möglich. Hiervon profitieren zum Beispiel die Waldbesucherinnen und Waldbesucher des Augsburger Stadtwaldes, der 2015 als erster PEFC-zertifizierter Erholungswald in Deutschland ausgezeichnet wurde.

Der Kurwald dient zusätzlich der Gesundheitsförderung und Prävention

Ein Kurwaldgebiet zielt darauf ab, eine gesundheitsfördernde Breitenwirkung zu entfalten. Das Wiederauftreten oder Verfestigen eines Krankheitsbilds kann durch Aktivitäten im Kurwald vermieden werden. Dies wird auch als Sekundärprävention bezeichnet. Teile eines Kurwaldes können zudem als Heilwald ausgewiesen werden. Ergänzend zur Infrastruktur des Erholungswaldes ist bei den Kur- und auch Heilwäldern die Lage ein ausschlaggebender Punkt: Der Wald muss in einem verkehrsruhigen Gebiet liegen. Er sollte zudem so beschaffen sein, dass Rundwege unterschiedlicher Länge und Anforderungen möglich sind und neben befestigten Fahrwegen auch naturnahe Wege aufweisen. Ein abwechslungsreicher Baumbestand mit Anteilen von Nadelgehölz ist ein weiteres Merkmal des Kur- und Heilwaldes. Die ausströmenden ätherischen Öle von Nadelbäumen können sich positiv auf die oberen Atemwege auswirken, und sie regen die Sinne an. Als erster PEFC-zertifizierter Kur- und Heilwald wurde 2021 der Stadtwald Heidelberg ausgezeichnet. Die Zertifizierung Heilwald bezieht sich auf den Waldbereich rund um die Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl. Das Zertifikat Kurwald gilt für das gesamte Waldgebiet Heidelbergs, das bereits früher als Erholungswald ausgezeichnet wurde.

Der Heilwald als Bestandteil therapeutischer Maßnahmen

Der Heilwald bietet die höchste Stufe der medizinisch-therapeutischen Gesundheitsausrichtung einer Waldfläche. Als zertifizierter Heilwald werden Waldgebiete bezeichnet, die für die therapeutische Nutzung sowie für spezielle Indikationen gestaltet und ausgestattet sind. Behandlungen im Wald, die von geschultem Personal begleitet werden, sind geeignet, die Auswirkungen von Erkrankungen günstig zu beeinflussen (Tertiärprävention).

In Kooperation mit einem Partner vor Ort, beispielsweise einer Kurklinik oder medizinischen Einrichtung, ist es möglich, Waldflächen als Heilwald zertifizieren zu lassen. Auf diese Weise profitieren beide Partner vom Wald, vor allem aber Patientinnen und Patienten, für die therapeutische Maßnahmen im Wald geeignet und wirksam sind. Chronische Erkrankungen können in Heilwäldern lindernd behandelt werden. Ob Erholungs-, Kur- oder Heilwald – in jedem dieser Wälder können Besucher ihre Gesundheit stärken, dies gilt insbesondere für Lunge, Bewegungsapparat und Psyche.

Organisation und Standards

In Deutschland bieten fünf unabhängige Zertifizierungsstellen die Zusatzzertifizierung als PEFC-Erholungs-, Kur- und Heilwald an. Interessierte Kommunen mit bereits nach den PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifiziertem Wald können sich von diesen ein konkretes Angebot zur Zusatzzertifizierung erstellen lassen.


PEFC

PEFC ist die größte Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft.
PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet und entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt der Öffentlichkeit Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. PEFC ist in Deutschland das bedeutendste Waldzertifizierungssystem: Mit über acht Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche sind bereits rund drei Viertel der deutschen Wälder PEFC-zertifiziert.

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