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Rubrik Landschaftspflege

Wichtiger Baustein für Klimaanpassung der Städte

Dachbegrünung: Der Natur etwas zurückgeben

25.06.2024 – Lesezeit ca. 6 Minuten 39

Dachbegrünung: Der Natur etwas zurückgeben

Seit Kurzem ist das Dach von Gerrit Buckesfeld nicht mehr grau, sondern grün: Viele kleine Pflanzen, darunter Fette Hennen, zieren das Garagendach der Hernerin und speichern Regenwasser. Umgesetzt hat sie ihr Gründach mit einer Förderung der Emschergenossenschaft als Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk. Der Weg von der Antragstellung für den Zuschuss bis zum Bau hat sich gelohnt, denn nun ist ihr Garagendach nicht nur schön, sondern hat auch viele andere Vorteile.

"Das ist flauschig und federt wie eine Luftmatratze." Gerrit Buckesfeld sitzt ausnahmsweise auf ihrem Garagendach und streicht mit der Hand über das Grün. Die Sedum-Pflanzen, die in den vergangenen Wochen schon ein ganzes Stück gewachsen sind, nehmen die ungewohnte Inspektion nicht übel und richten sich anschließend brav wieder auf. "Einfach schön", findet die Hernerin ihre rund 26 Quadratmeter große Dachbegrünung, "mit der ich der Natur etwas zurückgeben kann".

Denn die Dozentin für Altenpflege weiß: Begrünte Dächer haben nicht nur einen ästhetischen Nutzen, sondern vor allem einen für Klimaanpassung und Biodiversität in der Stadt. Jede noch so kleine Fläche Dachgrün ist ein wichtiger Baustein, um Regenwasser zu speichern und damit aus der Kanalisation herauszuhalten. Über Verdunstung sorgt die grüne Oase auf dem Dach für Kühlung und die Pflanzen bieten Insekten Nahrung.

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Bis zu 10.000 Euro Zuschuss

10.000 (und mehr) Dächer in der Emscher-Region begrünen – das ist das Ziel des Gründach-Förderprogramms der Emschergenossenschaft als Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk. Es richtet sich an Eigentümer*innen, deren Immobilie im Einzugsgebiet des Wasserwirtschaftsverbandes liegt. 50 Euro Förderung pro Quadratmeter begrünter Dachfläche gibt es für förderberechtigte Bürger*innen für bis zu 200 Quadratmeter Dachbegrünung pro Grundstück. Den Antrag können Interessierte bequem digital auf einem Förderportal stellen, das sie über die Webseite www.klima-werk.de/gruendachfoerderung erreichen. Dort können sie auch prüfen, ob ihre Adresse im Fördergebiet liegt.

Frage nach der Statik

Das Förderangebot für die Dachbegrünung kam für Gerrit Buckesfeld genau zur rechten Zeit. Ihre Fertiggarage sollte nicht einfach als grauer Quader neben dem Haus stehen. "Beim Kauf habe ich schon darauf geachtet, dass eine Dachbegrünung möglich ist", sagt die Hernerin. So war klar, dass die Dachfläche den Gründachaufbau tragen kann. Aber auch Bestandsgebäude, bei deren Aufstellung oder Bau nicht von Vorneherein eine Dachbegrünung eingeplant wurde, können bepflanzt werden. Informationen zur Dachlast und Statik finden sich bei Fertiggaragen, Gartenhäuschen oder Carports in den Herstellerangaben oder können dort erfragt werden. Falls diese Angaben fehlen, sollte die Dachkonstruktion von einem Fachmann überprüft werden.

Förderung: Wie cool ist das denn

"Wie cool ist das denn", dachte Frau Buckesfeld, als sie auf das Förderangebot der Emschergenossenschaft aufmerksam wurde, "das machste jetzt einfach mal". Gesagt, getan. Sie registrierte sich auf dem digitalen Förderportal (erreichbar über www.klima-werk.de/gruendachfoerderung), konnte feststellen, dass ihre Adresse im Fördergebiet liegt (in Herne ist das das ganze Stadtgebiet) und lud die notwendigen Unterlagen inklusive eines Fotos vom noch nicht begrünten Dach hoch. Über das Benutzerkonto hat die Eigentümerin dann nach Prüfung durch die Mitarbeiter*innen der Serviceorganisation des Klima.Werks bei der Emschergenossenschaft ihre Förderzusage erhalten. Nach Fertigstellung der Arbeiten hat sie ein Foto vom Gründach hochgeladen und bekam den Zuschuss ausgezahlt. In ihrem Fall 1300 Euro. Förderanträge können übrigens jederzeit gestellt werden, es gibt keine Fristen.

Dachbegrünung in vier Stunden fertig

Ab der Förderzusage haben Dachbegrüner*innen zwei Jahre Zeit, um ihr Gründach zu realisieren. Dabei ist es egal, ob das Gründach in Eigenarbeit bepflanzt oder von einer beauftragten Firma angelegt wird. Im Fall von Gerrit Buckesfeld ging es ganz schnell: Gebaut wurde das Gründach von einer Firma im März 2024. "Innerhalb von vier Stunden war alles fertig", beschreibt die Hernerin, die im Internet nach Dachdeckerbetrieben, Garten- und Landschaftsbauern oder speziellen Betrieben gesucht hat, die eine Dachbegrünung machen.

Vorbepflanzte Matten mit Sedum-Arten

Sie hat sich für ein Gründach aus bereits bepflanzten Matten entschieden, die auf einem entsprechenden Untergrund auf dem Garagendach aufgebracht wurden. "Aussäen geht ja auch, aber dann dauert es länger, bis etwas wächst", sagt Gerrit Buckesfeld. Und in der Tat sind die Sedumpflanzen aus der Familie der Dickblattgewächse in den vergangenen Monaten gut gediehen und blühen jetzt wunderschön. Sedum-Arten wie Mauerpfeffer, Goldmoos oder eben Fette Henne werden häufig für Dachbegrünungen verwendet, es bieten sich aber auch heimische Kräuter an wie Schafsgras, Wilder Majoran, Spitzwegerich, Glockenblumen oder Schnittlauch.

Kein großer Pflegeaufwand

Bei der Art der Bepflanzung, die Gerrit Buckesfeld gewählt hat, "ist der Pflegeaufwand gleich null", erzählt die Hernerin. Das hat sie schon selbst festgestellt, hat ihr aber auch die Fachfirma bestätigt. "Einmal im Jahr düngen", sei die Empfehlung – und wenn mal sechs Wochen oder länger gar kein Tropfen Regenwasser fällt, könnte sie mit Gießen ein wenig nachhelfen. Aber generell gilt: Gerade die Sedumpflanzen speichern Wasser und werden zusätzlich über das im Gründach-Aufbau gespeicherte Niederschlagswasser (Drainage-Schicht) versorgt. Eine Extra-Bewässerung ist deshalb in der Regel nicht notwendig, auch nicht bei Staudengewächsen oder Kräutern.

Regenwasser geht nicht in die Kanalisation

Eine Voraussetzung, um die Förderung aus dem Programm der Emschergenossenschaft zu erhalten: Das Dach, das begrünt werden soll, ist an die Kanalisation angeschlossen. Denn im Anschluss an die Begrünung ist es das nicht mehr: Der Niederschlag wird dann in den Schichten und Pflanzen des Gründachs gespeichert, der Rest kann im Boden versickern. "Bei mir fließt das Regenwasser vom Spitzdach meines Hauses über die Dachrinne ebenfalls auf das begrünte Garagendach", erklärt die Herner Hausbesitzerin. "Das ist ein gutes Gefühl, Regenwasser nicht mehr zu verschwenden, indem es einfach in die Kanalisation fließt."

Mindestens die nächsten zwanzig Jahre hat Gerrit Buckesfeld Spaß an ihrem Gründach, das bestätigt ihr die Firma und das sagen Erfahrungswerte anderer Dachbegrüner. Schön, nützlich, gut fürs Stadtklima – einen anderen Gründach-Vorteil berichtet die 60-Jährige ganz zum Schluss: "In der Garage ist es seit der Begrünung deutlich kühler, bei direkter Sonneneinstrahlung hält man es da drin sonst nicht aus."


Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen" weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk. Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um.

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