Rubrik Müll / Entsorgung / Recycling

Nachhaltige Abfallwirtschaft

Schwedens Müllmanagement: Energie statt Deponie

12.08.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 1115

Schwedens Müllmanagement: Energie statt Deponie

Indem Mälarenergi sich um das kümmert, was die Gesellschaft wegwirft und nicht zu recyceln ist, kann das Unternehmen die Stadt beheizen und warme Duschen ermöglichen, Krankenhäuser und Industrie mit Kühlung versorgen – und gleichzeitig Schweden mit Strom beliefern.“ (Bild: Mälarenergi)

Nur 1 Prozent des schwedischen Abfalls landet auf Deponien – weltweit ein Spitzenwert, denn im Durchschnitt sind es 37 Prozent. Schweden verwertet 99 Prozent des Mülls, vor allem thermisch zu Strom und Wärme. So erfolgreich, dass das Land sogar Abfall importiert.

„Indem wir uns um das kümmern, was die Gesellschaft wegwirft und nicht recycelbar ist“, sagt Kristina Bäckstrand, Nachhaltigkeitsmanagerin beim schwedischen Versorgungsunternehmen Mälarenergi, „können wir die Stadt beheizen, warme Duschen ermöglichen, Kühlung für Krankenhäuser und Industrie bereitstellen – und gleichzeitig Schweden mit Strom versorgen.“ Der Schlüssel: Müll in Energie verwandeln, Stichwort Waste-to-Energy.

Minimierter Deponiemüll und reduzierte Umweltbelastung

Durch Waste-to-Energy und Recycling liegt Schwedens Deponierungsquote bei 1 %, eine Bestmarke. Zum Vergleich: In der EU wurden 2023 rund 22,4 % der Siedlungsabfälle deponiert, in Deutschland 2022 noch 16,3 %. Ziel der EU: Bis 2035 soll der Deponieanteil auf maximal 10 % sinken.

Deponien gelten als schädlichste Form der Müllentsorgung. Kristina Bäckstrand: „Deponierter Abfall erzeugt nicht nur Treibhausgase wie Methan, sondern führt auch zur Auswaschung giftiger Chemikalien in das Wasser und den Boden der Umgebung – oft über lange Zeiträume hinweg.“ Methan ist laut deutschem Umweltbundesamt über 20 Jahre 84-mal klimaschädlicher als CO₂.

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Effiziente Abfallverwertung und nachhaltige Energieproduktion

Waste-to-Energy ist entscheidend für die EU-Ziele. Mälarenergi zeigt, wie es geht: Das Versorgungsunternehmen betreibt in Västerås eine der größten Waste-to-Energy-Anlagen Schwedens mit modernster Rauchgasreinigung und bis zu 90 % Energieausnutzung – weit über dem Niveau herkömmlicher Heizkraftwerke. Kristina Bäckstrand: „Wir nutzen die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung, die im Vergleich zur traditionellen Fernwärme eine effizientere Energienutzung ermöglicht.“

Waste-to-Energy ist in Schweden zentral: 2022 erzeugte das Land damit 18 TWh1 Wärme und 3 TWh2 Strom – genug für 1,2 Mio3. Haushalte. Das Land betrachtet Müllverbrennung als nachhaltige Lösung. Anna-Carin Gripwall, Kommunikationsleiterin beim schwedischen Branchenverband für Abfallwirtschaft und Recycling „Avfall Sverige“: „Schweden hat fortschrittliche Waste-to-Energy-Technologien entwickelt, die eine maximale Energierückgewinnung bei minimaler Umweltbelastung ermöglichen.“

Und betont: „Moderne schwedische Waste-to-Energy-Anlagen unterliegen einigen der weltweit strengsten Umweltauflagen.“ Kristina Bäckstrand von Mälarenergi ergänzt: „Für uns geht es bei der Energierückgewinnung nicht nur um die Energieerzeugung – sondern auch darum, eine Umweltleistung so sauber, sicher und gesellschaftlich verantwortungsvoll wie möglich zu erbringen.“

Komplette Restenutzung und erfolgreicher Müllimport

Im Programm „Die Reise zu Null“ ergreift Malärenergi Maßnahmen, um die Umweltbelastung auf vielfältige Weise zu verringern. Nachhaltigkeitsmanagerin Kristina Bäckstrand: „Mälarenergi strebt danach, die Umweltbelastung durch Müllverbrennung zu verringern, indem Methoden zur Wiederverwertung von Asche entwickelt werden.“ Das Ziel: „Die Asche soll in eine Ressource umgewandelt werden, beispielsweise in Baustoffe, oder es sollen Salze aus der Asche gewonnen werden. Außerdem prüfen wir Investitionen im Bereich CO₂-Management sowie mehrere weitere Initiativen.“

Ein Erfolgsmodell: Schweden importiert jährlich 1,4 bis 1,6 Mio. Tonnen Müll zur Verwertung. Anna-Carin Gripwall von Avfall Sverige: „Der Import von Abfällen zur Energiegewinnung bringt sowohl Schweden als auch für die exportierenden Länder mehrere Vorteile mit sich. Die schwedischen Anlagen bieten eine Umweltdienstleistung an, für die sie bezahlt werden – sie zahlen nicht für den importierten Abfall.“ Kristina Bäckstrand betont: „Indem wir uns um Restmüll kümmern, der sonst auf Deponien in anderen Ländern landen würde, verringern wir die Umwelt- und Klimabelastung durch Abfall.“ Anna-Carin Gripwall: „Waste-to-Energy wird weiterhin eine zentrale Rolle in der nachhaltigen Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft einnehmen.“

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