Dieser Artikel wurde in der Ausgabe März 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Energie & Netze

Abwärmebörse verfügt seit 1. Januar über Abwärmedaten von Unternehmen

Den ungehobenen Schatz Abwärme für Gebäude nutzen

23.01.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 65

Den ungehobenen Schatz Abwärme für Gebäude nutzen

In Deutschland gehen jedes Jahr rund 125 Milliarden Kilowattstunden Abwärme aus Gewerbe und Industrie ungenutzt verloren. Mehrere Millionen Haushalte könnten damit beheizt werden. Künftig soll eine bundesweite Abwärmebörse dazu beitragen, dass dieses große Potenzial gehoben werden kann. Darauf weist die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) hin. Unternehmen mit einem hohen Energiebedarf müssen ihren Verbrauch jährlich der „Plattform für Abwärme” des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) melden. Abgabeschluss für die erste Meldung war der 1. Januar 2025. „Für Kommunen und Stadtwerke ist die gesetzliche Regelung äußerst sinnvoll“, sagt Matthias Neumeier, der Bereichsleiter Wärmewende der KEA-BW. „Sie können die Daten im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung nutzen.“ Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung erarbeiten Städte und Gemeinden ein Konzept für die künftige klimaneutrale Wärmeversorgung – etwa mit Wärmenetzen, die von Abwärme gespeist werden.

Rund 125 Milliarden Kilowattstunden Abwärme aus Gewerbe und Industrie verpuffen jährlich bundesweit. Das hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) ermittelt. Damit könnten theoretisch rund zehn Millionen Haushalte beheizt werden. Der Wert der in die Umwelt abgegebenen Wärme beziffert sich auf bis zu fünf Milliarden Euro, sofern die Wärme innerbetrieblich verwendet werden kann. Im Unternehmen nicht nutzbare Wärme lässt sich unter Umständen auch verkaufen. Ein Teil der nicht verwendeten Abwärme kann etwa in Wärmenetze eingespeist werden und damit fossile Energieträger ersetzen.

Allein in Baden-Württemberg liegt das theoretische Potenzial industrieller Abwärme bei bis zu 9,3 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Dies hat eine Studie zur Abwärmenutzung in Unternehmen im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg gezeigt. Bis zu 740.000 Haushalte im Südwesten könnten mit Raumwärme und Warmwasser aus Abwärme versorgt werden.

Erstmals Übersicht zu gewerblichen Abwärmepotenzialen in Deutschland

Um diesen derzeit noch verborgenen Schatz sichtbar zu machen und zu heben, gibt es die Plattform für Abwärme. Die Abwärmebörse ermöglicht erstmals eine Übersicht zu gewerblichen Abwärmepotenzialen in Deutschland. Ziel ist es, die Energie nutzbar zu machen und damit die Energieeffizienz in Deutschland weiter zu steigern. Verantwortlich für Aufbau und Betrieb der Plattform für Abwärme ist die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Gesetzliche Grundlage ist das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) von 2023.

Unternehmen mit einem Gesamt-Endenergieverbrauch von mehr als 2,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr müssen ihre Daten auf der Plattform hochladen. Potenzielle Abnehmer von Abwärme vor Ort können die Daten einsehen. Zu den Wärmedaten gehören unter anderem der Name des Unternehmens, der Standort, die jährliche Wärmemenge, die maximale thermische Leistung, die zeitliche Verfügbarkeit im Jahresverlauf sowie das durchschnittliche Temperaturniveau in Grad Celsius.

Für Kommunen und Stadtwerke sind die Daten Gold wert

„Für Kommunen und Stadtwerke, die derzeit an den Auf- oder Ausbau eines Wärmenetzes denken oder eine kommunale Wärmeplanung erstellen, ist die Abwärmebörse Gold wert“, erklärt Neumeier. „Hier können sie sehen, ob und in welchem Umfang vor Ort nutzbare Abwärme zur Verfügung steht, mit der etwa Wärmenetze gespeist werden können.“ Ist dies der Fall, wäre eine Versorgung mit dezentralen Einzelheizungen in einem Gebiet oder eine andere Wärmeversorgung der Wärmenetze, etwa mit Großwärmepumpen, deutlich teurer.

Für Stadtwerke, Unternehmen und Haushalte ist der Handel mit Abwärme eine Win-Win-Win-Situation. Die Stadtwerke müssen keine zusätzlichen Erzeugungskapazitäten errichten und finanzieren. Für sie fallen beim Wärmekauf auch keine zusätzlichen CO₂-Emissionen sowie nur ein geringer Verbrauch an Flächen an. Für die Unternehmen besteht in manchen Fällen die Möglichkeit, sich mit einem Wärmeverkauf eine neue Einnahmequelle zu erschließen – je nach Qualität und Verfügbarkeit der Abwärme. Außerdem können sie Kühlkosten einsparen. Denn in vielen Fällen muss die anfallende Abwärme aktiv weggekühlt werden, eine Abwärmenutzung kann dies zumindest zum Teil unnötig machen. Das Unternehmen kann darüber hinaus mit dem Angebot von CO₂-freier oder -armer Abwärme sein Image verbessern.

Auch die Haushalte profitieren: Heizen sie ihr Haus mit Abwärme aus einem Wärmenetz, nutzen sie Energie vor Ort und müssen sich um eine eigene Heizung keine Gedanken mehr machen. Eine vermehrte Nutzung von Abwärme stärkt außerdem die regionale Wirtschaft und trägt dazu bei, von Gas- und Ölimporten unabhängiger zu werden. Und für eine lebenswerte Umwelt lohnt sich dies aufgrund vermiedener CO₂-Emissionen auch.

Musterverträge für Unternehmen sollen Hürde für weitere Projekte senken

Um die Hürden für die Unternehmen zu senken, hat die KEA-BW Musterverträge für die Erschließung von Abwärme aus Gewerbe- und Industriebetrieben in Wärmenetzen erstellt. Die Landesenergieagentur bietet zum Thema auch eine kostenlose Beratung an.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen

Stadt Wolfsburg setzt auf intelligente Thermostate, um Energieverbrauch in Schulen zu senken Bonus: hydraulischer Abgleich digital und ohne weiteren Aufwand durchgeführt

03.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
VKU-Umfrage: Drei von vier Stadtwerken sehen Netzausbau finanziell gefährdet

Für viele Stadtwerke wird die Finanzierung des Stromnetzausbaus zunehmend zur Herausforderung. Das zeigt eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU):[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung

Die Dächer der neuen Sport- und Mehrzweckhalle ebenso wie der Mensa des Schulzentrums Nord im rheinischen Niederkassel-Lülsdorf wurden begrünt und mit großen PV[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität

Das Hybridkraftwerk Parndorf ist am Netz: Am vergangenen Samstag wurde die an den bestehenden Windpark angebundene Photovoltaikanlage im Burgenland feierlich in[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung

Die Gasspeicher haben Anfang 2026 einen historischen Tiefstand erreicht, gleichzeitig spielt bei Gasimporten immer öfter die Geopolitik eine Rolle. Der Iran-Kon[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe

Die mittlerweile in Deutschland installierten rund sechs Millionen Solarstromanlagen haben dem Land in den vergangenen sechs Jahren einen volkswirtschaftlichen [...]

23.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau

Offenlage des Wärmeplans ab Ende August geplant / Veröffentlichung für November vorgesehen

17.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt

280 Millionen Euro investert die RheinEnergie an ihrem Erzeugungsstandort Köln-Niehl in die Energie- und Wärmewende. Das Projekt von Europas größter Flusswasse[...]

16.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Windenergie vor Ort
Windenergie vor Ort

Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern können selbst Flächen für Windenergieanlagen ausweisen, ergänzend zur Planung der Regionalen Planungsverbände. Geregelt ist d[...]

15.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Umfrage: 84 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen auf Batteriespeicher

Der Ausbau von Großbatteriespeicherprojekten nimmt Fahrt auf: 11 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen bereits konkrete Projekte um. Weitere 27 Prozent[...]

12.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik