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Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.
Tag des Friedhofs 16./17.9.2023 / Totengedenktage 2023
Stammtischtreff auf dem Friedhof – warum nicht?
15.09.2023 – Lesezeit ca. 3 Minuten
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Zum Tag des Friedhofs thematisiert die Initiative „Raum für Trauer", Süßen, wie neueste Erkenntnisse der Trauerforschung in der zukünftigen Friedhofsentwicklung eingesetzt werden sollten. Demzufolge brauchen Friedhöfe Handlungsräume, die die Lebenssituationen von Menschen in unterschiedlichen emotionalen Zuständen berücksichtigen und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund rücken – nicht als Ort der Toten, sondern als Raum für die Lebenden. Die Beisetzungsorte selbst sollten – auch bei pflegefreien Grabformen – von Trauernden so in Anspruch genommen, gestaltet und gehandhabt werden dürfen, wie sie es für die Bewältigung ihrer Trauer wünschen. Als bedürfnisorientierte Trauerorte gestaltet, können sie vielen Hinterbliebenen eine wichtige psychologische Unterstützung sein. Zusätzlich sollten Friedhöfe auch öffentliche Räume beispielsweise für Begegnung, Austausch, Kinder, Naturerlebnisse oder kollektive Trauer bieten, so der Sprecher der Initiative Raum für Trauer, Günter Czasny.
Kurz nach dem Tod von Angehörigen sind Hinterbliebene oft überfordert. Sich für eine Grabform zu entscheiden, die den verschiedenen Phasen ihrer Trauer gerecht wird, erfordert aber Weitblick. Günter Czasny: „Jeden Verlust erleben wir anders, zudem verläuft Trauer sehr individuell und kaum vorhersehbar. Wir wissen vorher nicht, wie stark uns ein Verlust trifft, was er mit uns macht und welches Handlungsbedürfnis er in uns auslöst. An Beisetzungsorten, an denen persönliche Trauerhandlungen nicht erlaubt sind, entstehen sehr oft Konflikte. Das ist bei vielen pflegefreien Grabformen auf Friedhöfen zu beobachten, wie auch grundsätzlich in allen Beisetzungswäldern." Entscheidend sei, dass auf dem Friedhof der Zukunft pflegefreie Gräber angeboten werden, die den Trauernden immer ermöglichen, persönliche Grüße direkt am Beisetzungsort abzulegen.
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„Im Schockzustand des Verlustes treffen Hinterbliebene oft Entscheidungen, die sie später bereuen", so Czasny. Die Initiative schlägt daher beispielsweise vor, Hinterbliebenen für eine ausgewogene Entscheidung eines Beisetzungsortes einige Tage oder auch Wochen Zeit anzubieten. Ein „Andachtsraum für die Urne" als temporärer Trauerort könne beispielsweise Angehörigen die nötige Zeit für die Wahl der endgültigen Beisetzungsform geben.
Czasny wünscht sich für den Friedhof der Zukunft: „Es wäre schön, wenn wir uns vorstellen können, als Freundeskreis, Stammtisch oder Vereinskollegen uns auf dem Friedhof der Zukunft zusammenzufinden, um bei einem kleinen Picknick, Umtrunk und gemütlichen Plausch einen lieben verstorbenen Freund oder eine Freundin zu besuchen und in unsere Mitte zu nehmen."
Die Initiative Raum für Trauer tritt dafür ein, Friedhöfe zukünftig psychologisch wirksam und gesellschaftlich verbindend als lebendigen Teil der Stadt zu gestalten. Dies ist bereits modular in der Realität erprobt sowie ökonomisch und ökologisch nachhaltig umsetzbar. Als weltweit erstes Labor- und Experimentierfeld zur Friedhofsentwicklung hat die Initiative – zusammen mit internationalen Expertenteams über mehrere Jahre – den CAMPUS VIVORUM entwickelt und realisiert. Er wurde am 29. Juni 2023 in Süßen, Baden-Württemberg als Grundlage weiterer Forschung, und zur Vermittlung der Erkenntnisse eröffnet und ist nach Terminabsprache zu besichtigen.
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