21.04.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 202
Mit Blick auf den Earth Day am 22. April rückt ein Thema in den Fokus, das Umwelt, Gesundheit und Bildung unmittelbar verbindet: die Qualität des Schulmittagessens. Denn am 23. April sind es noch genau 100 Tage, bis der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule stufenweise greift. Damit wächst der Handlungsdruck auf die Kommunen deutlich: Ohne klare Entscheidungen drohen Qualitätsprobleme, geringe Akzeptanz und steigende Kosten.
Für Städte und Gemeinden ist jetzt der entscheidende Moment, die richtigen Weichen zu stellen. „Die Aufmerksamkeit für das Thema Ganztag wird weiter zunehmen – und damit auch die Fragen und Kritik an der bestehenden Versorgung“, sagt Ernährungsexperte Rainer Roehl (a’verdis) im Gespräch mit der Initiative BioBitte.
Was auf den Tellern der Kinder landet, ist keine rein organisatorische Frage, sondern eine strategische Entscheidung und somit auch eine zentrale kommunalpolitische Steuerungsfrage. Roehl betont: „Letztlich geht es darum, welchen Stellenwert eine Kommune dem Thema Ernährung einräumen will – ich sage bewusst will und nicht kann.“
Kommunen müssen jetzt zentrale Grundlagen klären: ob sie auf frisch gekochte Mahlzeiten oder angelieferte Systeme setzen, welche Qualitätsstandards sie definieren und wie sie Akzeptanz, Wirtschaftlichkeit und Organisation von Anfang an zusammen denken. Diese frühen Festlegungen entscheiden maßgeblich darüber, ob die Schulverpflegung langfristig tragfähig ist.
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Oft wird die Komplexität der Aufgabe unterschätzt. Zuständigkeiten sind unklar, Abstimmungen zwischen Verwaltung, Schulen und Anbietern fehlen. Gleichzeitig ist die Bedeutung hoch: „Kitas und Schulen sind heute der wichtigste, vielleicht sogar der einzige unmittelbare ernährungspolitische Gestaltungsort“, so Roehl.
Gerade im Kontext des Earth Day wird deutlich: Nachhaltige Umsetzung ist kein abstraktes Ziel, sondern beginnt konkret im Alltag, etwa in der Schulmensa.
Damit Schulmittagessen angenommen wird, braucht es mehr als gute Absichten. Entscheidend sind laut Roehl eine überzeugende sensorische Qualität, eine angenehme Essatmosphäre sowie klare und funktionierende Abläufe im Service. Denn geringe Akzeptanz hat direkte Folgen – wirtschaftlich, gesundheitlich und ökologisch.
Auch bei den inhaltlichen Qualitätskriterien zeichnen sich klare Leitlinien ab: Ein reduziertes, gut durchdachtes Speisenangebot mit überwiegend pflanzlicher Ausrichtung, die Orientierung an den DGE-Qualitätsstandards sowie ein Bio-Anteil von mindestens 20 Prozent können eine tragfähige Grundlage bilden. Ergänzt wird dies idealerweise durch eine saisonale und regionale Beschaffung.
Hier setzt die Initiative BioBitte gezielt an. Sie unterstützt Kommunen dabei, den Bio-Anteil in der öffentlichen Verpflegung schrittweise und wirtschaftlich sinnvoll zu erhöhen – mit konkreten Praxisbeispielen, Vernetzungsangeboten und fachlicher Begleitung. Ziel ist es, mindestens 30 % Bio in öffentlichen Küchen zu erreichen.
Denn: Öffentliche Verpflegung ist ein zentraler Hebel für nachhaltige Ernährungssysteme – gerade im Zuge des Ganztagsausbaus. Millionen Mahlzeiten täglich bieten die Chance, Umwelt- und Qualitätsziele konkret umzusetzen.
Für die kommenden Wochen formuliert Roehl einen klaren Handlungsrahmen: Zunächst braucht es eine kommunalpolitische Entscheidung darüber, welchen Stellenwert Schulverpflegung künftig einnehmen soll. Darauf aufbauend sollte ein funktionierendes Netzwerk aus allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren innerhalb der Verwaltung und darüber hinaus etabliert werden. Parallel dazu ist eine fundierte Markterkundung notwendig, um realistische und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die eigene Kommune zu entwickeln.
Der Countdown läuft. Auch wenn der Transformationsprozess Zeit braucht, dürfen zentrale Entscheidungen nicht weiter aufgeschoben werden. Der Earth Day macht deutlich: Nachhaltigkeit beginnt mit konkreten Entscheidungen im Alltag. Die Gestaltung des Schulmittagessens ist eine davon – mit nachhaltiger Wirkung für Gesundheit, Umwelt und die Zukunft der nächsten Generation.