11.08.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 19
Was kommt hinten heraus? Probenahme am Ablauf einer dezentralen Niederschlagswasserbehandlungsanlage bei einem früheren Prüfprojekt im IKT. (Bild: IKT)
Niederschlagswasser von Bahnanlagen stellt die Behandlungstechnik auf eine besondere Probe: Wo auf Gleisflächen chemische Vegetationskontrolle stattfindet, können neben abfiltrierbaren Stoffen und Schwermetallen auch Herbizide im Abfluss auftreten. Genau für diesen anspruchsvollen Einsatzbereich beschreibt das EBA nun einen klaren Prüfweg.
In seiner „Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen“ vom Juni 2026 nennt das Eisenbahn-Bundesamt EBA das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur ausdrücklich als Prüfstelle. Hersteller können damit die erforderliche Reinigungsleistung nach den vom EBA genannten Verfahren im IKT untersuchen und nachweisen lassen.
Wo Niederschlagswasser von belasteten Flächen in das Grundwasser oder in ein Oberflächengewässer eingeleitet wird, müssen Stoffeinträge wirksam begrenzt werden.
Die üblichen DIBt-Verfahren für Anlagen zur Behandlung von Niederschlagswasser aus Siedlungs- und Kfz-Verkehrsflächen erfassen den Rückhalt von Herbiziden bislang nicht. Die EBA-Fachinformation ergänzt deshalb die Vorgaben aus DWA-A 102-2 und DWA-A 138-1 um bahnspezifische Anforderungen.
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Je nach Stoffgruppe sieht das EBA unterschiedliche Verfahren vor:
Soll eine Anlage Herbizide zurückhalten, wird wegen möglicher Wechselwirkungen auch der Schwermetallrückhalt nach der VSA-Leistungsprüfung untersucht.
Im Fokus stehen insbesondere Kupfer und Zink sowie die Herbizide Diuron und Mecoprop. Standortspezifische Vorgaben und Regelungen für Wasserschutzgebiete bleiben unabhängig vom Leistungsnachweis zu beachten.
Im IKT lassen sich Niederschlagsereignisse, Durchflüsse und Stoffbelastungen reproduzierbar simulieren. Die Anlage wird unter definierten hydraulischen und stofflichen Bedingungen betrieben.
Prüfung im Originalmaßstab: Große Niederschlagswasserbehandlungsanlagen lassen sich in der IKT-Versuchshalle unter kontrollierten Bedingungen untersuchen. Das Foto stammt aus einem früheren Prüfprojekt. (Bild: IKT)
Proben aus Zu- und Ablauf zeigen, welche Stoffmengen zurückgehalten werden und wie stabil die Reinigungsleistung unter unterschiedlichen Belastungen bleibt.
Das IKT bündelt dafür die Kompetenz seiner staatlich anerkannten Prüfstelle für Durchflussmessung und seiner DIBt-benannten Prüfstelle für Regenwasserbehandlung.
Zur Laborausstattung des Instituts gehören mobile und stationäre Durchfluss- und Wasserstandsmessgeräte, Datenlogger, automatische Probenehmer sowie großmaßstäbliche Versuchsstände in der IKT-Versuchshalle.
„Eine belastbare Prüfung beginnt vor dem ersten Versuchslauf. Wir klären mit dem Hersteller Einsatzbereich, maßgebende Stoffgruppen und Anlagenkonfiguration. So entsteht ein passendes, transparentes Prüfprogramm“, sagt Marcel Goerke, Leiter der DIBt-benannten IKT-Prüfstelle.
Eine unabhängige Prüfung schafft eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Behörden, Planern und Betreibern. Sie liefert zugleich konkrete Erkenntnisse über hydraulische Funktion, Stoffrückhalt und mögliche Optimierungspunkte.
Nach bestandener Prüfung erhalten Hersteller einen fachlichen Prüfbericht zur Vorlage beim EBA und bei weiteren Auftraggebern sowie ein „IKT-Geprüft“-Siegel für ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Hersteller, die eine dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlage für den Einsatz an Bahnanlagen prüfen lassen wollen, sollten das Prüfprogramm frühzeitig mit dem IKT abstimmen. Das IKT berät zum passenden Verfahren, zu den erforderlichen Unterlagen und zum Ablauf des Prüfvorhabens.