Rubrik Verkehr / Mobilität

ACE-Schulweg-Index deckt Risiken für Grundschulkinder auf

167 Schulwege überprüft: Nur 5 Prozent als sicher eingestuft

17.10.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 118

167 Schulwege überprüft: Nur 5 Prozent als sicher eingestuft

Bild: ACE-Schulweg-Index 2025

Wie sicher ist der tägliche Schulweg wirklich? Dieser Frage ist der ACE Auto Club Europa im Rahmen seiner 20. Clubinitiative nachgegangen. Unter dem Motto „Easy Going“ wurde bundesweit die Schulwegsicherheit von rund 49.000 Grundschulkindern untersucht. Im Fokus standen bei der systematischen Analyse sowohl der morgendliche Bringverkehr als auch die Infrastruktur vor der Schule. Das Ergebnis ist alarmierend: Nur 5 Prozent der 167 überprüften Schulwege konnten als sicher bewertet werden. Knapp ein Drittel (30 Prozent) schnitt mangelhaft ab, sechs Prozent wurden sogar als gefährlich eingestuft. Der ACE-Schulweg-Index 2025 zeigt deutlich, dass noch immer viel zu viele Schulwege in Deutschland unsicher sind.

41 Prozent der Elterntaxis missachten Verkehrsregeln

Vor Schulbeginn steigt die Unfallgefahr durch Elterntaxis: Allein das erhöhte Verkehrsaufkommen führt regelmäßig zu chaotischen und unübersichtlichen Situationen vor den Schulen. Hinzu kommen riskante Wendemanöver, zugeparkte Gehwege und das Aussteigen von Kindern zur Fahrbahnseite hin. All diese Aspekte hat der ACE bei der Untersuchung der 6.422 beobachteten Elterntaxis bundesweit unter die Lupe genommen. Dabei wurde in 41 Prozent der Fälle gegen Verkehrsregeln verstoßen: am häufigsten durch Halten im Halteverbot (20 Prozent), in Einfahrten (8 Prozent) oder auf Gehwegen und in zweiter Reihe (je 6 Prozent).

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Komplett fehlerfrei verhielt sich der Bringverkehr nur an zwei Schulen: der Grundschule am Waldrand in Schwedt (Brandenburg) und an der Sebastianschule in Rosendahl (Nordrhein-Westfalen). Hier wurde nicht regelwidrig gehalten, alle Kinder sind zur sicheren Gehwegseite aus dem Auto gestiegen und auch beim Abfahren ist es zu keinen zusätzlichen Risiken durch Wendemanöver oder Rückwärtsfahrten gekommen. Ganz anders an der Nordstadtschule in Pforzheim (Baden-Württemberg), bei der die ACE-Testerinnen und -Tester im morgendlichen Bringverkehr die meisten Fehler bundesweit beobachteten: Im Schnitt fuhren nur 14 Prozent der Elterntaxis fehlerfrei.

Bei der Betrachtung der Bundesländer war der Bringverkehr in Sachsen mit 89 Prozent am sichersten. Am schlechtesten schnitten das Saarland (52 Prozent) und Rheinland-Pfalz (57 Prozent) ab. Während unserer Checks wurden wir vereinzelt von Schulen oder engagierten Eltern angesprochen, die sich ebenfalls eine Überprüfung wünschten. Diesem Wunsch sind wir, wenn möglich, nachgekommen. Besonders viele dieser angefragten Tests fanden in Rheinland-Pfalz statt.

Infrastruktur oft nur „befriedigend“

Auch beim Blick auf die Verkehrsinfrastruktur zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar ist erfreulicherweise vor 92 Prozent der Schulen das Tempo auf 30 km/h beschränkt, doch die sicherste Lösung – eine Spielstraße oder verkehrsberuhigte Zone – fand sich nur bei 6 Prozent der Schulen. In 8 Prozent der Fälle fehlte jegliche Querungshilfe, ob Ampel, Zebrastreifen oder Mittelinsel. Im Ländervergleich schneiden die nordöstlichen Bundesländer am besten ab: Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreichen durchschnittlich 9,6 von 14 möglichen Punkten, während Rheinland-Pfalz (7,7 Punkte) und das Saarland (7,5 Punkte) am schlechtesten bewertet wurden.

Mit 4,5 Punkten wurden bundesweit die wenigsten Punkte für die Infrastruktur der Ganztagesgrundschule in Stendal (Sachsen-Anhalt) vergeben. Gleich vier Schulen teilen sich mit je 12 Punkten den ersten Platz in Sachen Infrastruktur: Grundschule Passau-Grubweg in Passau (Bayern), Grundschule Grundschöttel in Wetter/Ruhr (NRW), GGS Herderstraße in Leverkusen (NRW) und Overbergschule in Lingen/Ems (Niedersachsen).

Die Gefahren sind da – wir müssen jetzt handeln

Der ACE-Schulweg-Index zeigt deutlich, dass es noch viel zu viele Risiken auf dem Schulweg gibt. Um sie zu beseitigen, müssen Akteure wie Landes- und Kommunalverwaltung, Schulen und Eltern gemeinsam Verantwortung übernehmen. Unser ACE-Handlungsdreieck zeigt, wie konsequente Kontrollen, verständliche Aufklärung und eine sichere Infrastruktur dafür ineinandergreifen müssen.

„Der ACE-Schulweg-Index 2025 zeigt alarmierende Zahlen: Nur 5 Prozent der untersuchten Schulwege sind sicher. Noch immer werden zu viele Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Schule verletzt – manche leider auch getötet. Es ist dringend notwendig, die Verkehrsinfrastruktur weiter systematisch zu verbessern und auch den Umgang mit Elterntaxis zu ändern. Bund, Länder, Kommunen, Eltern und alle Verkehrsteilnehmenden müssen jetzt gemeinsam handeln – jedes Kind zählt“, fordert Manfred Wirsch, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und Schirmherr der diesjährigen ACE-Clubinitiative.

„Unsere engagierten Ehrenamtlichen haben bundesweit ganz genau hingeschaut und damit ein realistisches Bild der Schulwegsicherheit geschaffen. Leider ist das Ergebnis ernüchternd: Noch immer starten viele Kinder ihren Tag in einem Umfeld, das für sie schlicht zu gefährlich ist. Damit dürfen wir uns nicht abfinden, sondern müssen den Umstand als Auftrag an uns alle verstehen: Infrastruktur verbessern, Elterntaxis vermeiden und Kinder besser schützen. Jeder Schulweg muss sicher sein“, ergänzt Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE Auto Club Europa.


Über die Erhebung

Seit 2005 führt der ACE mit seinem Ehrenamt jährlich bundesweite Clubinitiativen durch, die sich mit aktuellen Themen der Verkehrssicherheit befassen. In diesem Jahr wurden von April bis Ende Juli Infrastruktur und Bringverkehr vor 167 Grundschulen bundesweit durch die 700 ACE-Ehrenamtlichen vor Ort überprüft. Der Bringverkehr wurde jeweils 30 Minuten vor Schulbeginn beobachtet. Die schulnahe Infrastruktur wurde im Bereich von 200 Metern in beide Richtungen vom Schultor aus anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs begutachtet. Partner der diesjährigen Clubinitiative ist der DVR.

Mehr Tempo im Vergaberecht ja, zusätzliche Belastungen nein

Der Bundestag hat den Entwurf eines Vergabebeschleunigungsgesetzes verabschiedet. Vorgesehen ist unter anderem die Einführung zusätzlicher, verpflichtender Klim[...]

30.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Stadtwerke Solingen laden zu offenen Sicherheitstrainings im Busverkehr ein

Die Stadtwerke Solingen erweitern ihr Serviceangebot in der Sparte Mobil um offene Sicherheitstrainings für Fahrgäste, die im Alltag auf besondere Unterstützung[...]

23.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Schnieder startet neuen Förderaufruf für kommunale Mobilitätsplanung

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) unterstützt mit einem neuen Förderaufruf Kommunen bei der Erstellung oder Fortschreibung von nachhaltigen urbanen Mobili[...]

15.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Klimatour 2026: Jugendkampagne „FahrRad!“ startet auf der VELOBerlin
Klimatour 2026: Jugendkampagne „FahrRad!“ startet auf der VELOBerlin

Am 11. April 2026 feierte die bundesweite Kampagne „FahrRad! Fürs Klima auf Tour“ des ökologischen Verkehrsclubs VCD und der AKTIONfahrRAD ihren Auftakt auf der[...]

14.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Nationale Verkehrssicherheitskonferenz: Bund setzt richtigen Schwerpunkt – Gefahr auf Landstraßen entschärfen
Nationale Verkehrssicherheitskonferenz: Bund setzt richtigen Schwerpunkt – Gefahr auf Landstraßen entschärfen

Im Rahmen des „Pakts für Verkehrssicherheit“ haben sich das Bundesverkehrsministerium (BMV), Länder, Kommunen und über 400 nichtstaatliche Akteure im Jahr 2021 [...]

09.04.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

verkehr
Autonome Shuttles können Nahverkehr verbessern
Autonome Shuttles können Nahverkehr verbessern

Autonome Kleinbusse können den öffentlichen Nahverkehr in Baden-Württemberg verbessern und Autofahrten ersetzen. Das hat eine Studie des Karlsruher Instituts fü[...]

16.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Kostenloser ÖPNV innerhalb der Hanauer Innenstadt: „Gratis-Bussi für dich“
Kostenloser ÖPNV innerhalb der Hanauer Innenstadt: „Gratis-Bussi für dich“

Start am Samstag, 14. Februar / Kostenfreie HSB-Busse in der Cityzone

11.03.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

verkehr
Erfolg der ABC-Klassen nur mit verbindlicher Beteiligung der Kommunen möglich

Am 13. Januar 2026 gab die Landesregierung im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt, landesweit sogenannte ABC-Klassen einführen zu wollen. Ziel sei es, die Spra[...]

05.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Erster E-Gelenkbus überzeugt – sechs weitere sollen folgen
Erster E-Gelenkbus überzeugt – sechs weitere sollen folgen

Vor knapp einem Jahr hat die ESWE Verkehrsgesellschaft ihren Fuhrpark um den ersten vollelektrisch angetriebenen Gelenkbus erweitert. Seitdem hat das Fahrzeug m[...]

05.03.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr: Städte- und Gemeindebund NRW begrüßt neue Möglichkeiten zur Verkehrsüberwachung
Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr: Städte- und Gemeindebund NRW begrüßt neue Möglichkeiten zur Verkehrsüberwachung

Das Präsidium des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB NRW) hat sich auf seiner Sitzung am 26.2.2026 in Duisburg geschlossen für die von den Regierungsfraktione[...]

03.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr

Weitere Artikel in dieser Rubrik