Rubrik Verkehr / Mobilität

VDV-Leistungskostengutachten zeigt, wie die Zukunft des ÖPNV in Sachsen-Anhalt aussehen kann

Bessere Qualität, mehr Angebot, mehr Teilhabe bis 2040

02.10.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 56

Mit dem aktuellen Leistungskostengutachten legt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erstmals eine detaillierte Prognose zum Finanzierungsbedarf des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bis 2040 für jedes Bundesland vor – auch für Sachsen-Anhalt. Dabei zeigt sich: Nicht nur der Investitionsbedarf ist hoch, sondern auch der Nutzen. Beide im Gutachten untersuchten Szenarien – „Modernisierung 2040“ und „Deutschlandangebot 2040“ – ermöglichen deutliche Verbesserungen für die Menschen im Land: eine neue Qualität der öffentlichen Mobilität und – je nach Szenario - zusätzliche Angebote sowie eine bessere Erreichbarkeit.

Im Szenario „Modernisierung 2040“ wird das bestehende ÖPNV-System in Sachsen-Anhalt grundlegend erneuert: Der Sanierungsstau wird abgebaut, die Bus- und Bahnflotten werden auf emissionsfreie Antriebe umgestellt, Betriebshöfe und Werkstätten modernisiert und digitale Steuerungssysteme eingeführt. Einzelne Angebotsausweitungen – bei der Stadtbahn Halle und der Straßenbahn Magdeburg – kommen dazu. So bleibt das Angebot nicht nur erhalten, sondern wird qualitativ aufgewertet.

Das Szenario „Deutschlandangebot 2040“ geht noch einige Schritte weiter: Das Angebot mit Bussen wird verdichtet – insbesondere im ländlichen Raum. Flexible Kleinbusse auf Abruf (On-Demand) ergänzen den Linienverkehr. Das Angebot in den Straßen- und Stadtbahnnetzen der Städte wird um 40 Prozent erweitert, die Fahrpläne beschleunigt. Im Schienenverkehr wird der Deutschlandtakt vollständig umgesetzt – inklusive Ausbau der SPNV-Knoten Dessau und Magdeburg, kürzerer Fahrzeiten und verlässlicher Anschlüsse.

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Klar ist: Das kostet Geld. Der jährliche Finanzierungsbedarf in Sachsen-Anhalt steigt bis zum Jahr 2040 – je nach Szenario – auf 1,46 bis 2,02 Milliarden Euro. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber heute. Doch schon allein durch die Inflation wird sich der Bedarf bis 2040 um 300 Millionen Euro erhöhen. Ohne gezielte Ausweitungen im Angebot droht ein Rückgang bei der Nachfrage – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Für Sachsen-Anhalt heißt das vor allem: Das Land muss dauerhaft zusätzliche und zweckgebundene Mittel bereitstellen. Denn im Jahr 2025 liegt der landeseigene Anteil an den ÖPNV-Ausgaben in Sachsen-Anhalt bei nur rund 6 Prozent – der Rest stammt überwiegend aus den Regionalisierungsmitteln des Bundes.

Die Menschen im ganzen Land profitieren

Die Berechnungen im Gutachten zeigen: Für rund ein Drittel der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt verbessert sich im Szenario Deutschlandangebot die ÖPNV-Erschließung um zwei Güteklassen, für fast die Hälfte um eine Güteklasse. Die durchschnittliche Angebotsqualität im Land steigt von der Schulnote 4,1 auf 2,9 – ein echter Quantensprung für ein Flächenland. „Unsere Verkehrsunternehmen sind bereit, diese Transformation mit aller Kraft mitzugestalten“, so Birgit Münster-Rendel, Vorsitzende der VDV-Landesgruppe Ost. „Aber dafür braucht es einen klaren politischen Willen und Mut. Sachsen-Anhalt muss beim ÖPNV jetzt die Weichen richtig stellen – für mehr Lebensqualität, Klimaschutz und gleichwertige Lebensverhältnisse.“

„Wir können mit der Umsetzung des Deutschlandangebots für Sachsen-Anhalt einen ÖPNV schaffen, der alle Menschen in allen Teilen des Landes bestmöglich mit öffentlicher Mobilität versorgt“, sagt Alexander Möller, Geschäftsführer des VDV. „Es geht um bessere Qualität, mehr Verbindungen und Flexibilität für die Menschen in der Region.“

VDV fordert gemeinsamen Finanzierungspakt

Das Leistungskostengutachten zeigt deutlich: Der ÖPNV in Sachsen-Anhalt kann zukunftsfest aufgestellt werden – aber nur, wenn Bund, Länder und Kommunen gemeinsam handeln. Der VDV fordert deshalb die schnelle Umsetzung des im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beschlossenen Modernisierungspakts mit klaren Zusagen und klarer Aufgabenteilung.

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