Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 3 - Mai / Juni 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Energie & Netze

Aktuelle Berechnungen von ZSW und BDEW

Erneuerbare decken 53 Prozent des Stromverbrauchs im 1. Quartal 2026

07.04.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 707

Erneuerbare decken 53 Prozent des Stromverbrauchs im 1. Quartal 2026

Erneuerbare Energien deckten im ersten Quartal 2026 rund 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland – ein Plus von fast sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Insgesamt erzeugten Erneuerbare-Energien-Anlagen von Januar bis März 73,4 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom.

Der Anstieg gegenüber dem windschwachen Vorjahresquartal ist insbesondere auf die höhere Stromerzeugung aus Windenergie an Land (+27,5 Prozent) und auf See (+44,4 Prozent) zurückzuführen.

Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lag dagegen rund fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Ursächlich hierfür waren ungünstige Witterungsbedingungen sowie der etwas sonnigere Jahresbeginn 2025.

Die Stromproduktion aus Wasserkraft verringerte sich aufgrund geringer Niederschlagsmengen in den vergangenen drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr um rund 21 Prozent. Die Erzeugung aus Biomasse blieb mit einem Rückgang von 1,5 Prozent nahezu unverändert.

„Die Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen: Erneuerbare Energien sichern mehr als die Hälfte unserer Stromversorgung. Das ist gut für den Klimaschutz, doch mindestens genauso wichtig ist in der derzeitigen geopolitischen Lage, dass Erneuerbare Energien die Versorgungssicherheit, Resilienz und strategische Souveränität Deutschlands stärken. In Zeiten internationaler Krisen zeigt sich noch einmal sehr deutlich: Erneuerbare leisten einen wichtigen Beitrag gegenüber fossilen Importabhängigkeiten“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Jetzt kommt es darauf an, die positive Dynamik mit den Reformen bei Netzen und dem EEG konsequent zu verstärken. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netze müssen im Sinne volkswirtschaftlicher Resilienz und Leistungsfähigkeit konsequent und effizient vorangetrieben werden. Wirtschaftliche Planbarkeit und Bankability müssen sowohl für Betreiber Erneuerbarer-Energien-Anlagen als auch für Netzbetreiber gewährleistet sein. Entscheidend ist vor diesem Hintergrund ein stimmiges Gesamtkonzept, das die Ausbauziele im Blick behält, den weiteren Netzausbau ermöglicht und Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimaziele verlässlich zusammenführt.“

„Nur eine auf Erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung schafft auch die notwendige Resilienz für die Industrie, eröffnet vielfältige Chancen für Innovationen und trägt langfristig zum Erhalt des Wohlstands bei“, betont Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. „Deshalb müssen nicht nur auf Bundesebene die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine weitere Beschleunigung der Energiewende geschaffen, sondern auch gezielt die Hebel der EU wie der Net Zero Industry Act und der Industrial Accelerator Act genutzt werden. Die Stärkung deutscher Unternehmen in den Zukunftsfeldern Erneuerbare Energien-, Batterie-, Wasserstoff und Direct Air Capture- Technologien sowie im Recycling zur Rohstoffsicherung ist unerlässlich, um den Industriestandort Deutschland zu sichern und krisenfest aufzustellen.“


Die Erzeugungszahlen im Einzelnen

Im ersten Quartal 2026 lag die Bruttostromerzeugung bei 140,6 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) – 5,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (1. Quartal 2025: 133,2 Mrd. kWh). Dem stand ein Bruttoinlandsstromverbrauch von 137,6 Mrd. kWh gegenüber (1. Quartal 2025: 136,0 Mrd. kWh). Insgesamt wurden 73,4 Mrd. kWh Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt (1. Quartal 2025: 64,7 Mrd. kWh). Davon stammten 24,5 Prozent (34,4 Mrd. kWh) aus Wind an Land, 7,0 Prozent (9,8 Mrd. kWh) aus Wind auf See, 9,6 Prozent (13,5 Mrd. kWh) aus Photovoltaik, 7,8 Prozent (11,0 Mrd. kWh) aus Biomasse und 2,4 Prozent (3,3 Mrd. kWh) aus Wasserkraft. Aus konventionellen Energieträgern wurden 67,2 Mrd. kWh erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es 68,5 Mrd. kWh.

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Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten

Der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im ersten Quartal 2026 beträgt 53 Prozent. Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und steht im Einklang mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab und setzt sich zusammen aus der Summe der Bruttostromerzeugung eines Landes und dem Saldo seines Stromaustausches über die Landesgrenzen. Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Diese umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge. Der Anteil Erneuerbarer Energien im ersten Quartal 2026 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt 52,2 Prozent.

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