Rubrik Energie & Netze

Mit neuem Werkzeug Schritt für Schritt zur treibhausgasneutralen Kommunalverwaltung

Kom.EMS zero: Die ersten drei Kommunen erreichen erste Zertifizierungsstufe

23.10.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 14

Neben Bund und Ländern haben sich viele der 10.747 Kommunen in Deutschland auf den Weg zur Treibhausgasneutralität gemacht. Das gilt auch für die Verwaltungen der Städte, Gemeinden und Landkreise. Doch wie lässt sich dieses Ziel für die Kommunalverwaltung erreichen? Eine systematische Unterstützung bietet das kostenfreie Werkzeug Kom.EMS zero. Es hilft Kommunen, ihre Liegenschaften und weitere Energieverbrauchsstellen Schritt für Schritt treibhausgasneutral zu gestalten. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) und die Sächsische Energieagentur (SAENA) haben das Werkzeug gemeinsam mit den Landesenergieagenturen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen entwickelt. Nun haben die ersten drei Städte in Deutschland die Zertifizierungsstufe „Start“ erreicht: Donaueschingen und Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg sowie Pirna in Sachsen. Zertifiziert wurden sie von der jeweiligen Landesenergieagentur.

Der Handlungsbedarf ist groß. Viele Kommunen beheizen Schulen und Rathäuser noch mit Heizöl oder Erdgas. Hinzu kommen unsanierte Gebäudehüllen und eine Gebäudetechnik, die häufig nicht optimal eingestellt ist. Das verursacht hohe Treibhausgasemissionen und Energiekosten. Umzusteuern hilft den Kommunen, ihren Haushalt zu entlasten. Erforderlich ist ein langfristiger Plan: Welche Gebäude sollten zuerst saniert werden? Wo lässt sich Energie kurzfristig einsparen? Wann ist der Umstieg auf erneuerbare Energien sinnvoll?

Systematisch vorgehen lohnt sich

Kom.EMS zero schafft dafür eine strukturierte Grundlage. Das Werkzeug führt Kommunen Schritt für Schritt auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Verwaltung. Es hilft ihnen, Energieverbräuche systematisch zu erfassen, Einsparpotenziale zu erkennen, Sanierungen zu planen und erneuerbare Energien einzubeziehen. Zugleich unterstützt es bei der Investitionsplanung sowie beim Monitoring und Berichtswesen.

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„Treibhausgasneutralität ist ein langfristiges Ziel, das Kommunen nur mit einem klaren und systematischen Vorgehen erreichen können“, sagt Jan Münster, Mitglied der Geschäftsführung der KEA-BW. „Daher ist Kom.EMS zero so wichtig. Es macht sichtbar, wo eine Verwaltung steht, welche Schritte als Nächstes anstehen und welche Fortschritte sie bereits erzielt hat.“

Drei Stufen bis zum Ziel

Das System sieht drei Zertifizierungsstufen vor: „Start“, „Auf dem Weg“ und „Ziel“. Für jede Stufe sind konkrete Anforderungen festgelegt. Donaueschingen, Villingen-Schwenningen und Pirna haben nun als erste Städte die Stufe „Start“ erreicht. In der ersten Stufe von Kom.EMS zero ermitteln Kommunen, wie viel Energie sie verbrauchen und welche Treibhausgasemissionen dabei entstehen. Auf dieser Grundlage folgen die Stufen zwei und drei.

„Kom.EMS zero hilft uns, die notwendigen Schritte klar zu strukturieren“, sagt Erik Pauly, Oberbürgermeister der Stadt Donaueschingen. „Wir haben damit eine verlässliche Grundlage, um Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen im Blick zu behalten, Maßnahmen zu planen und Fortschritte zu überprüfen. Die Zertifizierung in der Stufe ‚Start‘ freut uns. Jetzt geht es darum, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.“

„Die Kom.EMS-zero-Zertifizierung ist ein starkes Zeichen dafür, dass wir Klimaschutz in Villingen-Schwenningen systematisch und verbindlich umsetzen“, sagt Jürgen Roth, der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen. „Als eine der ersten drei Kommunen Deutschlands und gemeinsam mit Donaueschingen als Vorreiter in Baden-Württemberg und in der Region im Schwarzwald-Baar-Heuberg freuen wir uns sehr über diese Auszeichnung. Sie bestätigt unseren bisherigen Weg und motiviert uns, unser Ziel einer klimaneutralen Stadtverwaltung bis 2040 konsequent weiterzuverfolgen. Mein Dank gilt allen Beteiligten der Stadt und der Klimaschutz- und Energieagentur Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.“

Vom Energiesparen zur treibhausgasneutralen Verwaltung

Kom.EMS zero baut auf dem bereits etablierten Werkzeug Kom.EMS auf. Kom.EMS steht für Kommunales Energiemanagement-System. Mehr als 1.800 Kommunen nutzen das Energieeffizienz-Werkzeug. Die bisherige Variante Kom.EMS classic setzt beim laufenden Betrieb kommunaler Gebäude an. Ein systematisches Energiemanagement erschließt dort kontinuierlich Einsparpotenziale, die keine oder nur geringe Investitionen erfordern. Dazu gehören beispielsweise eine optimierte Betriebsführung der Gebäude und technischen Anlagen sowie geringere Investitionen. Auf diese Weise lassen sich bis zu 30 Prozent der Energie- und Wasserkosten einsparen, so die Erfahrungen der KEA-BW und der SAENA.

Kom.EMS zero geht einen Schritt weiter. Das Werkzeug betrachtet nicht nur einzelne Gebäude, sondern alle relevanten Energieverbrauchsstellen einer Kommunalverwaltung. Neben Rathäusern, Schulen oder Sporthallen gehören dazu beispielsweise die Straßenbeleuchtung und der kommunale Fuhrpark. Für diese Bereiche erarbeiten die Verwaltungen Maßnahmenpakete zur Senkung ihrer Treibhausgasemissionen.

Klimaschutz planbar machen

„Die Teilnahme am Pilotprojekt Kom.EMS zero hat uns geholfen, auf Grundlage eines strukturierten Vorgehens unsere kommunale Modernisierungsagenda weiter auszubauen“, sagt Markus Dreßler, Bürgermeister von Pirna. "Für die folgenden Jahre konnten eine Vielzahl wirtschaftlich tragfähiger Maßnahmen der Energiewende identifiziert und geplant werden, von welchen wir als Kommune langfristig profitieren. Die Zertifizierung als eine der ersten Kommunen Deutschlands bestätigt den Erfolg unseres pragmatischen und umsetzungsorientierten Ansatzes.“

Die Entwicklung des Werkzeugs ist ein Gemeinschaftsprojekt: Die Landesenergieagenturen aus Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben ihre Erfahrungen im kommunalen Energiemanagement gebündelt. Dadurch können Städte, Gemeinden und Landkreise auf ein einheitliches System zurückgreifen, statt jeweils eigene Prozesse entwickeln zu müssen.

„Kom.EMS zero unterstützt Kommunen dabei, sinnvolle Maßnahmen für die Energiewende vor Ort zu identifizieren“, sagt Martin Weiß, Berater Energiemanagement und Prozessorganisation bei der SAENA. „Die damit verbundenen Investitionen in die Modernisierung werden anhand ihres konkreten Nutzens sowie ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet und können direkt in die nächste Haushaltsplanung einfließen. Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Pirna diese Zukunftsagenda erfolgreich aufgestellt hat und als erste Kommune in Sachsen eine entsprechende Zertifizierung erhält.“

Kom.EMS zero steht bislang allen Kommunen in Baden-Württemberg zur Verfügung, in Sachsen im Rahmen eines Pilotprojekts. Geplant ist, dass Kom.EMS zero allen Kommunen in Deutschland zur Verfügung gestellt wird. Unterstützung erhalten Städte, Gemeinden und Landkreise von den jeweiligen Landesenergieagenturen sowie den regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen.

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