Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 3 - Mai / Juni 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Wie digitale Wassertechnik Quartiere klimaresilient stärkt

11.05.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 305

Wie digitale Wassertechnik Quartiere klimaresilient stärkt

Im niederländischen Dinxperlo zeigt ein neu gestaltetes Stadtzentrum, wie Regenwasser smart genutzt und Quartiere widerstandsfähiger werden können. Unter der Oberfläche steuert eine digital vernetzte ACO-Technologie die Speicherung, Reinigung und bedarfsgerechte Nutzung des Niederschlags.

Ganzheitliche Stadtentwicklung mit klarer Vision

In Dinxperlo, einem niederländischen Grenzort in der Gemeinde Aalten, entsteht ein neues Zentrum, das beispielhaft zeigt, wie moderne Stadtentwicklung auf Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und soziale Teilhabe einzahlt. Aus dem Ortskern Dinxperlo soll ein identitätsstiftender, lebendiger Mittelpunkt werden, der Menschen zusammenführt und dem Ort ein neues gemeinschaftliches Selbstverständnis verleiht.

OKRA Landschaftsarchitekten entwickelten dafür ein Freiraumkonzept, das Funktionalität, Ökologie und Gestaltung verbindet und sich an den UN‑Nachhaltigkeitszielen orientiert. Flächen werden entsiegelt, neue Wegebeziehungen geschaffen und vielfältige Aufenthaltsbereiche integriert. Sitzgelegenheiten entlang der Hauptachsen sorgen dafür, dass auch ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen den Raum gut nutzen können.

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Grünräume stärken Aufenthaltsqualität und Identität

Was früher ein versiegelter Parkplatz war, wird heute zu einem grünen, klimaresilienten Zentrum umgestaltet. Neue Bäume und Pflanzflächen sorgen für Schatten und natürliche Kühlung, während gestaltete Plätze und Wegeverbindungen zum Verweilen einladen.

Gleichzeitig spielt der Grenzraum eine wichtige Rolle: Eine durchgehende Linienmarkierung führt Besucher vom Grenzpunkt bis zur Kirche und zum Grenzlandmuseum. Historische Spuren werden bewusst sichtbar gemacht, sodass die Geschichte des Ortes im öffentlichen Raum erlebbar bleibt.

Regenwasser als wertvolle Ressource

Der Kern des Projekts liegt jedoch nicht sichtbar an der Oberfläche, sondern im Aufbau eines dezentralen Regenwassermanagements. Statt Niederschläge schnell abzuleiten, bleibt das Wasser im System: Es wird lokal erfasst, gereinigt, gespeichert und anschließend gezielt genutzt oder zeitverzögert versickert.

Entlang der Allee wird Regenwasser sowohl über Straßenabläufe als auch über begrünte Mulden aufgenommen. Dadurch verteilt sich der Zufluss gleichmäßig und wird anschließend in unterirdischen Speicheranlagen zurückgehalten.

Digitale ACO‑Technik schafft einen intelligenten Wasserkreislauf

Unterhalb der neu gestalteten Flächen sorgt eine digital vernetzte ACO‑Technologie dafür, dass Regenwasser effizient im System verbleibt. Das über Straßenabläufe erfasste Niederschlagswasser wird zunächst durch den Stormsed Vortex vorgereinigt und anschließend in modular aufgebauten Stormbrixx‑Rigolenspeichern zurückgehalten. Gleichzeitig überwachen Sensoren des ACO Smart‑Control‑IoT‑Systems kontinuierlich die Bodenfeuchte und steuern die Bewässerung präzise und bedarfsgerecht – bevorzugt nachts oder unterirdisch, um Verdunstungsverluste zu minimieren. Dadurch entsteht ein lokaler, intelligenter Wasserkreislauf, der Vegetation auch in Trockenperioden zuverlässig versorgt, die Kanalisation entlastet und flexibel auf unterschiedliche klimatische Bedingungen reagiert.

Soziale, ökologische und technische Wirkung im Zusammenspiel

Die Umgestaltung stärkt nicht nur die Klimaanpassung, sondern fördert zugleich die Lebensqualität: neue Aufenthaltsinseln, barrierearme Wege und klare Sichtachsen schaffen Orientierung und Sicherheit. Kulturelle Identität, Grünraumgestaltung und Wassertechnik werden zu einem stimmigen, zukunftsfähigen Ensemble verbunden.

Ausblick: Ein Prozess mit Strahlkraft über den Ort hinaus

Die Neugestaltung des Zentrums ist Teil eines langfristigen Entwicklungsprozesses. Weitere Straßenräume – darunter Aaltenseweg und Europastraat – sind bereits in Planung. Hier sollen ebenfalls Grünanteil, Verkehrsqualität und Sicherheit erhöht werden.

Dinxperlo zeigt damit im kleinen Maßstab, wie digitale Wassertechnik und integrierte Stadtplanung gemeinsam wirken können. Die Prinzipien des Projekts – lokale Wasserspeicherung, intelligente Steuerung, entsiegelte Flächen und grüne Infrastruktur – sind auf viele Städte und Quartiere übertragbar.

So entsteht aus einem funktionalen Ortskern ein klimaresilienter Lebensraum, der als Modell für zukunftsfähige Stadt- und Quartiersentwicklung weit über die Region hinaus wirkt.

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