Rubrik Wasser / Abwasser

Baumrigolen als eine Lösung für die Klimakrise im städtischen Raum

Straßenbäume brauchen Regenwasserspeicher unter der Erde

18.09.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 1

Straßenbäume brauchen Regenwasserspeicher unter der Erde

Wasserspeicher für Straßenbäume (Bild: Michael Jeskulke/EGLV)

Regen im Bereich von städtischen Straßen oder anderen versiegelten Flächen fließt in die Kanalisation. Das ist immer noch der Normalfall. Für Bäume entlang der Straße ist das kostbare Nass damit verloren. Baumrigolen sind unterirdische Einbauten, die den Niederschlag speichern können. Die Zukunftsinitiative Klima.Werk von Emschergenossenschaft/Lippeverband und Kommunen in der Region setzt sich für die Anwendung der technischen Lösung ein und hatte zum Expert*innentreffen nach Bochum eingeladen.

Im Durchschnitt zu trocken, zu wenig Regen – so fällt die Niederschlagsbilanz von Emschergenossenschaft/Lippeverband für die Region mit Blick auf den Sommer 2025 aus. Für viele Straßenbäume und anderes Grün im öffentlichen Raum bedeutet das Stress: Frühzeitig braunes Laub zeigt an, dass den Pflanzen Wasser fehlt. Kommunen können Bäume und Grünflächen nur bedingt bewässern. Es braucht also andere Lösungen, um die so wichtigen Straßenbäume in Zeiten der Klimakrise zu erhalten und gleichzeitig für mehr Grün im städtischen Raum zu sorgen.

Entlastung bei Starkregen und Versorgung in Dürreperioden

Mit der Baumrigole hat eine besondere technische Lösung bei einem Expert*innentreffen in der KoFabrik in Bochum im Mittelpunkt gestanden, zu dem die Zukunftsinitiative Klima.Werk Fachleute aus der Region und ganz Deutschland eingeladen hatte. Die Baumrigole ist eine von mehreren Maßnahmen, mit der das Schwammstadt-Prinzip umgesetzt werden kann. Dabei wird Regenwasser vor Ort gespeichert, es kann versickern und verdunsten und fließt eben nicht in die Kanalisation – was diese auch im Starkregenfall entlastet. Denn beide Wetterextreme – viel Niederschlag in kurzer Zeit oder längere Trockenphasen – kommen bedingt durch die Klimakrise häufiger vor.

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Bochum setzt auf Baumrigolen

Bei einer Baumrigole befindet sich der künstlich angelegte Speicherraum, befüllt z.B. mit Kies in einem Kunststoffgerüst, unter oder in der Nähe des Baumes. Das Regenwasser wird hier gespeichert, kann nach und nach versickern und es versorgt das Wurzelwerk des Baumes mit dem Wasser. Baumrigolen sind immer noch keine technischen Standard-Lösungen in der städtischen Infrastruktur, deshalb war der kollegiale Erfahrungsaustausch für die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Tiefbau, Straßenbau, Grünflächen oder Stadtentwässerung verschiedener Städte so wichtig. Das Treffen hat in Bochum stattgefunden, weil die Stadt zur Zukunftsinitiative Klima.Werk gehört, aber vor allem, weil Bochum schon an einigen Straßen im Stadtgebiet (Wasserstraße, Castroper Straße etc.) Baumrigolen verbaut hat und dies auch aktuell an der Alleestraße macht.

Baustellenbesichtigung an der Alleestraße

Eine Exkursion zur Baustelle an der Alleestraße stand deshalb ebenfalls auf dem Programm. Hier werden auf einem zusätzlichen Grünstreifen in der Mitte der Alleestraße hundert neue Bäume gepflanzt, die mit einem unterirdischen Rigolensystem verbunden werden. Die neuen Bäume bewirken über Verschattung und Verdunstung eine Kühlung in dem stark versiegelten Bereich nahe der Innenstadt.

Treffen soll Mut machen, neue Weg zu gehen

Hilfreich waren für die Teilnehmer*innen auch die Erfahrungsberichte aus Hagen, Düsseldorf, Recklinghausen, Duisburg oder Dortmund. "Der kollegiale Austausch steht bei unseren Netzwerktreffen im Vordergrund. Da es bisher kein Regelwerk gibt, besteht unter den Mitgliedern ein großes Interesse, sich über Erfahrungen anderer zu informieren, voneinander zu lernen, sich auszutauschen und gemeinsam schneller zu sein", berichten Henrike Walther und Michael Jeskulke, Projektleiter*innen in der Serviceorganisation des Klima.Werks bei EGLV und Organisatoren des Treffens. "Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute spürbar und erhöhen den Handlungsdruck, unsere Städte an die Folgen anzupassen. Hier gilt es auch neue Wege zu gehen und innovative Konzepte wie die Baumrigole zu verfolgen – die gemeinsame Arbeit im Netzwerk motiviert und sorgt für die nötige Portion Mut, die es hierzu braucht."

Die Überlastung der Kanalisation im Starkregenfall vermeiden und das Vertrocknen von Straßenbäumen verhindern, ist das Ziel eines verbesserten Regenwassermanagements. Die städtische Infrastruktur muss an den Klimawandel angepasst werden, da sind sich die Fachleute einig. Baumrigolen könnten ein Baustein dafür sein, die Ressource Regenwasser besser zu nutzen und nicht mit Schmutzwasser zusammen Richtung Kläranlage abzuleiten.


Die Zukunftsinitiative Klima.Werk

In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen" weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zu Förderung von Projekten)

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