Rubrik Wasser / Abwasser

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Klärwerke als Dienstleister: Projekt „FlexAqua“ will mit KI die Energieflexibilität steigern

08.08.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 66

Klärwerke als Dienstleister: Projekt „FlexAqua“ will mit KI die Energieflexibilität steigern

Kläranlagen und ihr Potenzial für die Energiewende stehen im Fokus des nun an der Bergischen Universität gestarteten Forschungsprojekts „FlexAqua“.Bild: Istockphoto/ Marco_Bonfanti

Mit dem neu gestarteten Projekt „FlexAqua“ wollen Forschende der Bergischen Universität Wuppertal das für ein nachhaltiges und flexibles Energiesystem bislang ungenutzte Potenzial der Abwasserwirtschaft nutzbar machen. Sie setzen dabei auf die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz. Das Vorhaben soll einen wichtigen Beitrag bei der Erreichung der Klimaneutralitätsziele bis 2045 leisten.

Städtische Abwasserbetriebe benötigen zur Aufbereitung von Schmutzwasser viel Energie – häufig gehören die Kläranlagen zu den größten kommunalen Einzelverbrauchern. Sie sind aber ebenso Orte der nachhaltigen Strom- und Wärmeerzeugung: Das in den sogenannten Faulbehältern der Anlage entstehende Klärgas beispielsweise gilt als äußerst ergiebiger und erneuerbarer Energieträger mit großem Potenzial, entscheidend zur Energiewende beizutragen. Zudem lässt sich durch innovative Betriebsweisen der Energiebezug zeitlich verschieben und immer häufiger gehen Betreibende dazu über, Kläranlagen als Standorte für Windkraft- und Photovoltaikanlagen zu nutzen. All diese Potenziale machen es möglich, die Kläranlage energieflexibel als Dienstleistung für das Energiesystem zu betreiben. Heißt: Die Anlage würde damit zum Herzstück des im Zuge der Energiewende angestrebten Auf- und Ausbaus eines flexiblen städtischen Energieversorgungssystems. Durch eine gezielte zeitliche Verschiebung von Energiebezug und -verbrauch kann beispielsweise Strom vermehrt bezogen werden, wenn viel Energie aus Wind und Sonne zur Verfügung steht. In Zeiten mit wenig Wind und Sonne kann weniger Energie bezogen werden oder gar überschüssige Energie ins System eingespeist werden.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Zu hoher Aufwand

Allerdings: Um diese Potenziale auch nutzen zu können, müssen die Betreibenden der Anlage in der Lage sein, Verbrauch und Erzeugung besser einschätzen zu können, um sie auf die prognostizierte Situation des Energiesystems und des Stromnetzes abstimmen zu können. Aktuell sind solche Flexibilitäten nur unter erheblichem Zeit- und Ingenieursaufwand prognostizierbar“, erklärt Prof. Markus Zdrallek, Leiter des Lehrstuhls für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität und Projektkoordinator. Gemeinsam mit den Stadtentwässerungsbetrieben Köln AöR, dem IT-Dienstleister EnFlex.IT und der Universität Duisburg-Essen untersucht das Team um den Wissenschaftler daher nun Lösungsansätze, mit denen sich die Energieeinsatzplanung in den Betrieben optimieren lässt. Dabei setzen die Beteiligten auf die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz: Unter Anwendung von Methoden des Machine Learnings ist es das Ziel, Prognosen für relevante Einflussgrößen zu generieren, mit denen sich die Flexibilitätspotenziale von Abwasseranlagen erkennen, analysieren und bestmöglich ausnutzen lassen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Prognosen, zu welchen Zeitpunkten welche Mengen an zu klärendem Wasser am Klärwerk eintreffen, die abhängig sind von Regenmengen, Verbrauchsverhalten der Haushalte und Verhalten der Industrie.

Praxistests und Prüfung der Übertragbarkeit

Durch einen optimierten Betrieb erhielten die Abwasserbetriebe also nicht nur die Möglichkeit, CO₂-Emissionen und die eigenen Energiekosten zu senken, sondern selbst zusätzliche Einnahmen aus der Vermarktung der Energieflexibilität zu erzielen. In FlexAqua werden wir mit unseren Partnern zunächst verschiedene Lösungsansätze simulieren und testen. In einem späteren Schritt gehen wir in die Praxis, um die gefundenen Lösungen auch unter realen Bedingungen anzuwenden“, erklärt Zdrallek das Vorgehen. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, prototypische Lösungsansätze zu entwickeln, die für einen produktiven Einsatz im Regelbetrieb weiterentwickelt werden können. Die Erkenntnisse aus dem Praxistest sollen insbesondere hinsichtlich der Übertragbarkeit auf weitere Wasserwirtschafts- und auch Industriebetriebe analysiert werden.

Gefördert wird das Vorhaben „FlexAqua“ in den kommenden drei Jahren vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. Der Anteil der Bergischen Universität beträgt rund 270.000 Euro.

Rundschächte ohne aufwendigen Umbau nachrüsten
Rundschächte ohne aufwendigen Umbau nachrüsten

Bestehende Rundschächte nachträglich mit Rückstauklappen oder Absperrschiebern auszustatten, kann aufwendige Anpassungen am Bauwerk erfordern. Auf der GaLaBau N[...]

28.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Vom Abwasser zur Ressource: Neue Wege für eine effiziente Wassernutzung
Vom Abwasser zur Ressource: Neue Wege für eine effiziente Wassernutzung

Die Wiederverwendung von Wasser gewinnt angesichts zunehmender Wasserknappheit und steigender Klimarisiken an Bedeutung. Im europäischen Forschungsprojekt DECIR[...]

27.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Passgenaue Lösung dank Funke-Systemvielfalt
Passgenaue Lösung dank Funke-Systemvielfalt

Der Systemcharakter der Funke-Produktpalette kam den Beteiligten einer Kanalerneuerung in Bexbach gelegen. Notwendig war hier eine Nennweitenreduzierung. Der Ku[...]

24.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Grabenloser Einbau und Wirtschaftlichkeit
Grabenloser Einbau und Wirtschaftlichkeit

Duktile Gussrohre mit äußerer Zementmörtelumhüllung nach EN 15542 mit dem Gütezeichen RAL-GZ 699 können grabenlos eingebaut werden und bieten eine hohe mechanische Belastbarkeit.

23.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Erfolgreiche Kanalsanierung – Darauf kommt es an!
Erfolgreiche Kanalsanierung – Darauf kommt es an!

Der Erfolg einer Kanalsanierungsmaßnahme entscheidet sich nicht allein an der Auswahl einzelner Verfahren. Entscheidend ist, ob Planung, Technik und Bauausführu[...]

23.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Hochleistungspumpen für Berliner Infrastrukturprojekt
Hochleistungspumpen für Berliner Infrastrukturprojekt

Beim Neubau eines rund 30 Meter tiefen Regenüberlaufbeckens in Berlin kommt der Baustellenentwässerung eine Schlüsselrolle zu. Während der gesamten Bauzeit müss[...]

21.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Mehr als den 52-fachen täglichen Trinkwassergebrauch einer Person…
Mehr als den 52-fachen täglichen Trinkwassergebrauch einer Person…

BDEW-Zahlencheck

20.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
„Goldener Kanaldeckel 2026“ – Jetzt herausragende Projekte einreichen
„Goldener Kanaldeckel 2026“ – Jetzt herausragende Projekte einreichen

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur schreibt zum 19. Mal den Preis „Goldener Kanaldeckel“ aus. Ausgezeichnet werden Mitarbeiterinnen und Mitarbei[...]

20.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Maßgefertigtes Schachtsystem in Großdimension
Maßgefertigtes Schachtsystem in Großdimension

Das stark geschädigte Bestandsbauwerk und der sensible Standort in Gewässernähe machten die Sanierung eines großdimensionierten Abwasserschachts im nordrhein-we[...]

15.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Präzise Technik für sichere Versorgung
Präzise Technik für sichere Versorgung

Der neue Mengenmessschacht VodaCheck von Mall wurde speziell für den Einsatz in kommunalen und industriellen Trinkwassernetzen mit Durchflussleistungen von DN 5[...]

14.07.2026, Lesezeit ca. 1 Minute

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik