Der demografische Wandel ist keine ferne Zukunftsmusik – er passiert jetzt. Der neunte Altersbericht der Bundesregierung zeigt: Wir werden älter, vielfältiger und bleiben länger aktiv. Doch mit dem Alter verändern sich auch unsere Bedürfnisse – vor allem in Bezug auf Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe. Bis 2055 wird die Zahl der Pflegebedürftigen um über 30 % auf 7,6 Millionen Menschen wachsen. Schon heute fehlen laut Pestel Institut rund zwei Millionen altersgerechte Wohnungen in Deutschland, bis 2040 könnte der Bedarf auf über drei Millionen steigen. „Altwerden in Deutschland muss neu gedacht werden. Wir brauchen moderne Konzepte und neue Wohnformen, damit Seniorinnen und Senioren bis in ihre letzte Lebensphase Teil der Gemeinschaft bleiben. Dafür müssen Politik, Sozial- und Immobilienwirtschaft jedoch enger zusammenarbeiten – und zwar schnell. Dabei kommt dem privaten Kapital eine entscheidende Rolle zu, denn ohne gezielte Investitionen lassen sich die dringend benötigten Wohn- und Pflegeangebote nicht realisieren“, sagt Ralf Licht, Chief Development Officer der Carestone Gruppe und stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss Gesundheitsimmobilien des ZIA (Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.).
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Der Altersbericht der Bundesregierung untersucht die Lebenssituation älterer Menschen in der Bundesrepublik. Unter anderem werden die Aspekte Einkommen, mögliche Armutsgefährdung, Wohnsituation, Gesundheitsversorgung und die Einbindung in die Gesellschaft dargestellt. Schwerpunkte im neunten Bericht sind die Vielfalt der Lebenssituationen älterer Menschen und deren gesellschaftliche Teilhabe. Zugleich verdeutlicht er den Handlungsdruck infolge des demographischen Wandels.
Mehr altersgerechter Wohnraum – gesetzlich verankert
Die Herausforderungen sind klar: Neben dem massiven Mangel an altersgerechten Wohnungen fehlen auch Pflegeplätze. Laut RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung werden bis 2040 rund 300.000 zusätzliche stationäre Pflegeplätze benötigt. „Wir arbeiten derzeit an über 90 Immobilienprojekten, die knapp 8.500 Pflegeplätze schaffen beziehungsweise erhalten“, unterstreicht Licht die Dimension der Aufgabe. Doch der Bau neuer Wohn- und Pflegeimmobilien wird durch hohe Baukosten, knappe Grundstücke und eine oft unzureichende Berücksichtigung in der kommunalen Planung erschwert. Licht fordert daher gezielte Förderungen für altersgerechten Wohnraum sowie eine bessere Nutzung vorhandener Flächen. „Senioren- und Pflegeimmobilien könnten innerhalb der Sozialquote dem staatlich geförderten Wohnungsbau gleichgestellt werden. Das würde den Wettbewerb um Baugrundstücke entschärfen und den dringend benötigten Bau von altersgerechtem Wohnraum beschleunigen. Außerdem erhielte das Thema die notwendige politische Priorität“, so Licht.
Neunter Altersbericht der Bundesregierung: Die Deutschen werden so alt wie nie zuvor.
Zahl der pflegebedürftigen Menschen wächst bis 2055 um über 30 Prozent.
Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und sozialer Teilhabe für Senioren wächst, während geeignete Flächen und Immobilien zunehmend knapp werden.
Auch in den im letzten Jahr beschlossenen KfW-Mitteln für klimafreundliche Neubauten sieht Licht ein effektives Mittel für die Schaffung neuer Wohnkapazitäten bei gleichzeitiger Einhaltung der Klimaziele. „Wir haben unseren Systemansatz und unsere Qualitätsstandards für Seniorenwohn- und Pflegeimmobilien mit viel Kraft auf klimafreundliche Bauweisen und ein nachhaltiges Produktportfolio umgestellt. Heute entwickeln, bauen und sanieren wir zertifiziert klimafreundlich“, führt der Geschäftsführer der Carestone aus und wünscht sich von der neuen Bundesregierung Verlässlichkeit und Weiterführung hinsichtlich beschlossener KfW-Programme. „Wir erschließen unseren privaten Investoren so direkt den Zugang zu den KfW-Förderungen. Die Immobilien punkten unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten also maximal.“
Durchmischte Quartiere als Teil der Lösung
Neben ausreichendem Wohnraum spielen die sich wandelnden Bedürfnisse der älteren Generation und die Standortwahl eine entscheidende Rolle. „Viele Seniorinnen und Senioren wünschen sich eine Wohnform, die ihnen Selbstständigkeit ermöglicht, gleichzeitig aber auch Betreuung und soziale Teilhabe bietet“, erklärt Licht. Seniorinnen und Senioren setzen eine fürsorgliche Betreuung voraus und möchten Teil einer lebendigen Nachbarschaft sein, wie aus Carestones Trendstudie in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IPSOS hervorgeht.
Im Spannungsverhältnis dieser Anforderungen fällt der Fokus insbesondere auch auf Standorte in zentraler Lage und mit guter Infrastruktur. Diese bieten nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch den Kommunen und Investoren langfristige Vorteile. Studien zeigen, dass altersgemischte Quartiere die soziale Integration fördern und langfristig stabile Wohn- und Pflegestrukturen schaffen. Integrierte Konzepte, die Service-Wohnen, Pflegeeinrichtungen und ambulante Angebote kombinieren, ermöglichen nicht nur ein selbstbestimmtes Leben im Alter, sondern auch eine nachhaltige wirtschaftliche Grundlage für Betreiber und Investoren. „Aus der Erfahrung von fast 20.000 realisierten Pflegeapartments und mehr als 21.000 geschaffenen Pflegeplätzen wissen wir um die Stärke dieser Projekte“, so Licht.
Auch der Altersbericht der Bundesregierung betont, wie wichtig die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen ist. Sie fördert nicht nur das Wohlbefinden der Senioren, sondern sorgt auch für resiliente, zukunftsfähige Wohn- und Pflegekonzepte. „Fehlender altersgerechter Wohnraum, mangelnde barrierefreie Mobilitätsangebote oder soziale Isolation sind wesentliche Hürden für eine aktive Teilhabe im Alter“, fasst Licht zusammen. „Deshalb müssen Seniorenwohn- und Pflegeheime von Anfang an in die kommunale Stadtplanung integriert werden, um langfristige Sicherheit und Attraktivität für Bewohner, Betreiber und Investoren zu gewährleisten.“
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