Rubrik Wasser / Abwasser

Rohre der BRUGG Pipes treiben Fernwärmeprojekt in Frankreich voran

Energie aus Meerwasser

15.05.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 135

Energie aus Meerwasser

Quelle: © ECOPLAGE

Vor Kurzem hat die BRUGG Pipes mit einem Spezialtransport sechs Rohrtrommeln nach Les Sables d'Olonne, Frankreich, geliefert. Das Rohrsystem mit dem weltweit niedrigsten Wärmeverlust wird an der französischen Küste für ein innovatives Fernwärmenetz mit Energie aus dem Meer eingesetzt. Dabei legte ein 25 Jahre altes Entwässerungssystem den Grundstein für das heutige Fernwärmenetz.

Laut einer Studie der Universität Aalborg sollen Fernwärmenetze bis 2050 rund 48 Prozent des Wärmebedarfs der EU decken, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.1 Als Wärmelieferanten in Fernwärmenetzen dienen häufig befeuerte Heizkraftwerke und Blockheizkraftwerke. Was viele nicht wissen: Auch See- oder Meerwasser könnte in Zukunft eine wichtige Energiequelle sein, denn das Potenzial für saubere, lokale und unerschöpfliche Energie ist enorm.

Innovatives Projekt in Les Sables d'Olonne mit Rohren aus der Schweiz

In Les Sables d'Olonne, rund 100 Kilometer südlich von Nantes, sind Baumaschinen am Werk, vor allem Bagger, die unter den staunenden Blicken der Bevölkerung mehrere hundert Meter lange Gräben ausheben. Ähnliche Arbeiten wurden bereits vor 25 Jahren durchgeführt: Damals ging es darum, ein System von Drainagerohren zu vergraben, um den Wiederaufbau des Strandes zu erleichtern und seine Erosion zu begrenzen. Bevor dieses abgelassene Wasser ins Meer eingeleitet wird, wird es nun zur Speisung eines Wärmepumpensystems verwendet, ein Prozess, der als Thalassothermie bezeichnet wird. Das französische Unternehmen ECOPLAGE2 hat das Projekt unter der Marke Enerplage® als Hauptauftragnehmer von Anfang an konzipiert und getragen. Das erwärmte Süsswasser wird in einem vom Meerwasser getrennten Netz transportiert und in die Innenstadt umverteilt.3
„Mit 7 °C heißem Wasser produzieren wir 80 °C warmes Wasser und stellen uns daher vor, 1.000 Tonnen CO₂ pro Jahr in die Atmosphäre abgeben zu können", erklärt der Bürgermeister und Präsident der Agglomeration Les Sables d'Olonne, Yannick Moreau gegenüber France Bleu4. „Unter dem Strand von Les Sables d'Olonne gab es bereits Drainagerohre, die jahrzehntelang Meerwasser gepumpt hatten, um den Sand am Strand zu halten. Wir nutzen das Wasser aus der Entwässerung und die Pumpen, die bereits an der Küste vorhanden sind, um mit einer Wärmepumpe Energie zu erzeugen, die diese Gebäude heizt."

Die BRUGG Pipes ist beim pionierhaften Projekt ebenfalls beteiligt. Bis 2027 soll das Fernwärmenetz in der französischen Küstenstadt fertiggestellt sein.

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Spezialtransport

„Anfangs Februar wurden sechs Trommeln mit je 205 Meter CALPEX PUR-KING- Fernwärmerohren nach Frankreich geliefert. Für die 3.8 Meter hohen Rohrtrommeln mit je einem Gewicht von 910 kg wurde ein Spezialtransport benötigt", sagt Martin Rigaud, Leiter Fernwärme bei der BRUGG Pipes. Der gelieferte Rohrtyp wurde Mitte Januar vom Danish Technological Institute (DTI) zum 7. Mal in Serie zum Rohr mit dem weltweit niedrigsten Wärmeverlust ausgezeichnet.5 „Auch die Länge der am Stück gelieferten Rohrsysteme sowie die kundenspezifischen Abzweigstücke waren ausschlaggebend für die Auftragsvergabe an die BRUGG Pipes" ergänzt Rigaud. Die Rohre wurden vom französischen Unternehmen Atlantique Travaux Publics (ATP) verlegt und montiert.

Ungenutztes Potenzial in Deutschland

Obwohl in Deutschland das Potenzial für die Nutzung von See-, Fluss- oder Meerwasser gross ist, ist dieses meist ungenutzt. Eine systematische Auswertung des Bundesverbands Wärmepumpe zeigt, dass neben möglichen Problemen mit der Wirtschaftlichkeit und neben dem geringen Bekanntheitsgrad auch das deutsche Wasserrecht den Einsatz von seewasserbetriebenen Wärmepumpen erschwert6. „Mit der Potentialanalyse wurde in einem Umkreis von 1000 m um alle Seen > 50 ha ein jährlicher Wärmebedarf von insgesamt 58,73 TWh ermittelt; dies entspricht 4,6% des gesamten Wärmebedarfs in Deutschland. Würde diese Wärme nun mittels seewasserbetriebener Wärmepumpen (WPSee) bereitgestellt, könnten auf diese Weise 8,58 Mio. t CO₂-Äquivalente vermieden werden. Dies wiederum entspricht 1,13% der gesamten Treibhausgasemissionen der Energiewirtschaft in Deutschland", hält die Studie fest. Wie gross der Anteil von See-, Fluss- und Meerwasser für den Ausbau der Fernwärmenetze in Europa sein wird, bleibt also weiterhin offen. Sicher hingegen ist, dass bereits 2026 in les Sables d'Olonne 17 Gebäude – darunter das Schwimmbad, das Kongresszentrum, das Rathaus, das Collège Pierre Mauger, die Gartenschule und das Museum der Abtei Sainte-Croix – mit Meerwasser beheizt werden.

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