Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Oktober 2024 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Mehrjähriges Großprojekt im laufenden Betrieb umgesetzt

Kläranlage Hetlingen: Umbau der mechanischen Abwasserreinigung abgeschlossen

23.09.2024 – Lesezeit ca. 4 Minuten 140

Kläranlage Hetlingen: Umbau der mechanischen Abwasserreinigung abgeschlossen

Die neuen Anlagen der mechanischen Reinigungsstufe in der Kläranlage Hetlingen sind nach rund zehnjähriger Bauzeit fertiggestellt und in Betrieb. Am 11.9.2024 wurden sie vom Abwasser-Zweckverband (AZV) Südholstein offiziell eingeweiht. Mit dabei waren die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses des Verbands, die Geschäftsleitung sowie das Projektteam.

In dem groß angelegten Projekt sind alle Anlagenteile modernisiert oder neu gebaut worden, in denen Schmutzstoffe mechanisch aus dem Abwasser geholt und weiterverarbeitet werden: Die Rechen und das Rechengebäude, der Sand- und Fettfang, die Vorklärung, verschiedene Verbindungsgerinne sowie eine neue Containerverladehalle für Rechen- und Sandfanggut. Der Umbau in der größten Kläranlage in Schleswig-Holstein war seit 2008 geplant und seit 2015 ausgeführt worden.

In dem mehrjährigen Projekt ging es meist um meterhohe Bauten, zuweilen aber auch um Zentimeterarbeit. Zahlreiche Ingenieure, Mitarbeitende des Kläranlagenbetriebs und beteiligte Baufirmen haben ganze Arbeit geleistet, um die Betonbauwerke und die Maschinentechnik zukunftsfähig zu gestalten. Besondere Herausforderung: Die Modernisierung musste im laufenden Betrieb und inmitten der bestehenden Bauwerke geschehen. Das bedeutet, dass immer nur an einem Teil der Anlagen gebaut werden konnte, während durch den anderen das zu reinigende Abwasser floss. Und das ist eine Menge: Durchschnittlich ein Kubikmeter, also 1.000 Liter Abwasser kommt pro Sekunde in der Kläranlage Hetlingen an.

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„Mit der Modernisierung haben wir die Leistungsfähigkeit unserer mechanischen Reinigungsanlagen deutlich gesteigert. Das entlastet die Elbe und ist insgesamt nachhaltiger: Durch neue, effiziente Technik und flach abgedeckte Becken werden der Energieverbrauch und damit auch die CO₂-Emissionen reduziert. Außerdem haben wir die Geruchsemissionen weiter verringert“, so Dr. Julia Weilbeer, Geschäftsbereichsleiterin Planung und Bau beim AZV Südholstein. Aufgrund einer optimierten Vorbehandlung ist nun eine kleinere Menge an Rechen- und Sandfanggut zu entsorgen, so dass weniger LKW-Transporte notwendig sind. Zudem verringert sich in den erneuerten Anlagen der Aufwand für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Arbeitssicherheits- und Hygienebedingungen sind – im Gegensatz zu den vorher offenen Anlagen unter Zelten – verbessert.

„Im Bereich der mechanischen Reinigung sind wir jetzt fit für die nächsten Jahrzehnte. Die alten, sanierungsbedürftigen Anlagen stammten aus der Anfangszeit: Im Sommer 1973 floss das erste Mal Abwasser in die Kläranlage Hetlingen. Die Reinigungsleistung entsprach nicht mehr dem Stand der Technik und auch nicht den heutigen Anforderungen“, so Christine Mesek, Verbandsvorsteherin des AZV Südholstein.

Die Gesamtkosten des Projekts betragen rund 34,5 Millionen Euro. Davon entfielen 10 Millionen Euro für den 1. Bauabschnitt, in dem 2015 bis 2017 die Vorklärung und das Verbindungsgerinne zum Rechengebäude umgebaut wurden. Weitere 20 Millionen Euro fielen für die Bauten des 2. Bauabschnitts an, in dem ab 2019 die neue Containerverladehalle bis 2022 sowie der neue Sand- und Fettfang inklusive Zu- und Ablaufgerinne bis 2024 errichtet wurden. Im 3. Bauabschnitt werden momentan noch der alte Sandfang und die alte Verladung zurückgebaut. Insgesamt wurden rund 13.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, 600 Tonnen Stahl verbaut, 5.500 Kubikmeter Beton gegossen und 60 Kilometer Kabel verlegt.

Während der Bauzeit begleiteten das Projekt einige unerwartete, teils große Herausforderungen. So wurde bald nach Beginn klar, dass die alten Anlagen aus den 60er und 70er Jahren Asbestbeschichtungen aufwiesen, die unter besonderen Schutzmaßnahmen entfernt werden mussten. Auf dem Kläranlagengelände standen dem Projekt zudem einige unerwartete Zustände der jahrzehntealten Infrastruktur buchstäblich im Weg. Hinzu kamen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und des Krieges in der Ukraine, die zu knapperen Ressourcen, unterbrochenen Lieferketten und höheren Kosten führten.

„Wir haben es geschafft und blicken heute stolz auf das Ergebnis jahrelanger Arbeit! Allerdings: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. In absehbarer Zeit werden wir weitere größere Vorhaben umsetzen, um künftigen Anforderungen gerecht zu werden“, so Christine Mesek. Auf dem Plan steht unter anderem die weitere Modernisierung der Klärschlammbehandlung. Zudem erfordert die Umsetzung der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie eine Erweiterung der Kläranlage Hetlingen um eine 4. Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikropartikeln, gelösten Schadstoffen und Spurenstoffen.

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