Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Kommunale Abwasserrichtlinie

Verursacherprinzip wird endlich rechtskräftig umgesetzt

12.04.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 209

Verursacherprinzip wird endlich rechtskräftig umgesetzt

Am 10. April hat das Europäische Parlament die EU-Richtlinie über kommunales Abwasser angenommen. Im nächsten Schritt muss noch der Ministerrat der Richtlinie zustimmen.
Die Novellierung war kein leichtes Nachbessern der bisherigen Richtlinie aus dem Jahr 1991, sondern eine komplette Neuaufstellung. Folgende Punkte kann man als die wichtigsten Meilensteine sehen:

Weitergehende Abwasserbehandlung / vierte Reinigungsstufe
In Deutschland müssen rund 1.700 Kläranlagen (von 9.000) über eine weitergehende Abwasserbehandlung zum Abbau von Spurenstoffen (in erster Linie Arzneimittelrückstände) ausgebaut werden. Dies erfolgt über Ozon und/oder Aktivkohle, insgesamt Investitionen in Milliardenhöhe und höherer Energieverbrauch, aber auch ein Meilenstein für den Gewässerschutz.

Erweiterte Herstellerverantwortung
Die Kosten für die vierte Reinigungsstufe sollen zu 80 Prozent von der Industrie (Humanarzneimittelhersteller und Kosmetikindustrie) übernommen werden, den Rest soll der Staat übernehmen. Für die Abwasserwirtschaft und somit auch für den Bürger (Gebühren) theoretisch kostenneutral. Die Nationalstaaten müssen die erweiterte Herstellerverantwortung umsetzen. Die EU macht hier keine Vorgaben zur sehr komplexen Ausgestaltung. Wichtig für die Wasserwirtschaft ist, dass es Planungs- und Rechtssicherheit gibt.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Energieneutralität der Branche
Die Abwasserbranche als Ganzes muss energieneutral werden - nicht anlagenscharf. Insbesondere aufgrund der weitergehenden Abwasserbehandlung nur mit energetischer Optimierung und Klärgasverwertung ist dies nicht möglich. Notwendig sind weitere erneuerbare Energien – Photovoltaik, Co-Fermentation, Windkraft, Abwasserwärmenutzung. Hierfür muss aber der Rechtsrahmen angepasst werden, ansonsten ist es wirtschaftlich kaum darstellbar.

Dazu kommen noch viele weitere Änderungen, beispielsweise die Verschärfung der Vorgaben für Phosphor und Stickstoff.

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) begrüßt die neue Kommunalabwasserrichtlinie: „Die neue Kommunalabwasserrichtlinie ist definitiv ein Meilenstein für den Gewässerschutz. Die Umsetzung der novellierten Kommunalabwasserrichtlinie wird aber allein in Deutschland in den nächsten 20 Jahren Investitionen von 20 bis 25 Mrd. € auslösen. Etwa die Hälfte dieser Summe entfällt auf die weitergehende Abwasserbehandlung, die mit der Erweiterten Herstellerverantwortung von der Humanarzneimittelindustrie und Kosmetikherstellern übernommen werden soll. Sobald der EU-Ministerrat die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie final verabschiedet hat, dies ist für den Herbst dieses Jahres vorgesehen, muss Deutschland die Richtlinie pragmatisch umsetzen, dies gilt vor allem für die Erweiterte Herstellerverantwortung. Die Deutsche Abwasserwirtschaft braucht Planungs- und Rechtssicherheit, um die für den Gewässerschutz absolut sinnvollen Maßnahmen umfassend und fristgerecht umsetzen zu können“, betont Prof. Uli Paetzel, Präsident der DWA, anlässlich der Verabschiedung der Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie am 10. April im EU-Parlament.
„Besonders wichtig ist für die deutsche Abwasserwirtschaft zudem eine Anpassung der Überwachungsmethodik für Stickstoff und Phosphor im Kläranlagenablauf an die europäischen Vorgaben. Wenn die derzeit bestehende erheblich strengere Überwachungsmethodik fortgesetzt wird, werden die deutlich strengeren neuen Grenzwerte kaum eingehalten werden können. Zudem fehlt dann weiter jegliche europaweite Vergleichbarkeit. Der deutsche Sonderweg bei der Überwachungsmethodik muss beendet werden. Die DWA steht bereit, diesen Prozess zielorientiert zu begleiten.“

Nach der Verabschiedung im Parlament und der Vorlage aller notwendigen Übersetzungen sollte auch der EU-Ministerrat den Rechtsakt zügig annehmen. Dann kann umgehend mit der nationalen Umsetzung begonnen werden. Hierbei sollte auf eine 1:1 Umsetzung der europäischen Vorgaben und vor allem die funktionsfähige Umsetzung der neuen Herstellerverantwortung vor Eintritt der Fristen für die Einführung der 4. Reinigungsstufe geachtet werden.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Dresdner Abwassertagung 2026 setzt neue Maßstäbe
Dresdner Abwassertagung 2026 setzt neue Maßstäbe

Die Dresdner Abwassertagung (DAT) hat sich auch 2026 eindrucksvoll als eines der wichtigsten Branchentreffen der deutschen Wasser- und Abwasserwirtschaft bestät[...]

05.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Smarte Baumbewässerung für klimaresiliente Quartiere
Smarte Baumbewässerung für klimaresiliente Quartiere

Reallabor Morgenstadt: Hauraton plant Regenwassermanagement

30.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Nanofiltration: Wasser wirksam von Glyphosat befreien

Membranen mit nanometerkleinen Poren können das Herbizid Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA aus dem Wasser filtern. Wie gut das gelingt, hängt nicht nur von d[...]

29.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft
130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft

Der 29. April steht für ein besonderes Ereignis, das das Wuppergebiet nachhaltig geprägt hat: Vor 130 Jahren wurde die „Genossenschaft zur Errichtung von Talspe[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Moderne Gebäudetechnik im Altenheim Příbor
Moderne Gebäudetechnik im Altenheim Příbor

Zuverlässige Wärme- und Kälteversorgung ist in Pflegeeinrichtungen ein entscheidender Faktor für Komfort und Betriebssicherheit. In einem Altenheim in Tschechie[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Berstverfahren mit mehr Zugkraft
Berstverfahren mit mehr Zugkraft

Im Oldenburger Münsterland wurde ein 430 Meter langer Schmutzwasserkanal erneuert. Die Sanierung erfolgte im Berstverfahren, bei dem das bestehende Steinzeugroh[...]

27.04.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau
39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau

Am 17. April fand die 39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau in der Historischen Stadthalle in Wuppertal statt. Nach dem traditi[...]

24.04.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
DWA-Papiertheater „Aufregung im Abwasserrohr“
DWA-Papiertheater „Aufregung im Abwasserrohr“

Aufregung im Abwasserrohr, Aufregung in der Spielgruppe. Zum Tag des Kindergartens am 21. April präsentiert die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwas[...]

23.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Damit Wasser bergauf fließt – eine neue Druckanlage fürs Wassernetz
Damit Wasser bergauf fließt – eine neue Druckanlage fürs Wassernetz

Solingen ist topografisch anspruchsvoll – das gilt auch für das Trinkwassernetz. Damit das Wasser in Haushalten mit passendem Druck aus dem Wasserhahn kommt, br[...]

22.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Widrigkeiten vor Ort mit Funke-Produkten gemeistert
Widrigkeiten vor Ort mit Funke-Produkten gemeistert

Stellenweise hohe Überdeckungen, schwierige Bodenverhältnisse und eine aufgrund der Waldlage schlechte Erreichbarkeit – unter diesen Rahmenbedingungen wurde jet[...]

16.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik