Rubrik Verkehr / Mobilität

Account-based Ticketing: Diese Best Practices sollten Verkehrsunternehmen kennen

30.06.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 2

Account-based Ticketing: Diese Best Practices sollten Verkehrsunternehmen kennen

Im ÖPNV ganz ohne Ticket unterwegs: Mit Account-based Ticketing werden Smartphone, Chipkarte oder Kreditkarte beim Ein- und Aussteigen einfach ans Lesegerät gehalten. (Quelle: HanseCom; Mann: milorad kravic/ iStockphoto.com; Frau: praetorianphoto/Getty Images)

Account-based Ticketing (ABT) setzt sich zunehmend auch in Deutschland durch. Doch bei der Einführung gibt es unterschiedliche technische und organisatorische Ansätze. HanseCom erläutert, welche Best Practices sich in internationalen ABT-Projekten bereits bewährt haben und worauf deutsche Verkehrsunternehmen bei der Einführung achten sollten.

Gelegenheitsfahrenden sowie Touristinnen und Touristen bietet Account-based Ticketing einen einfachen Zugang zum ÖPNV, während Verkehrsunternehmen von einem modernen Vertriebssystem profitieren. Anstatt einzelner Tickets fungiert ein Kundenkonto im Hintergrund als zentrale Grundlage für die Fahrtberechtigung. Dadurch haben Verkehrsunternehmen deutlich mehr Flexibilität bei Tarifen und Produkten.

International ist ABT bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz, während entsprechende Lösungen in Deutschland bislang nur vereinzelt zu finden sind. Doch das ändert sich: Immer mehr Verkehrsunternehmen starten auch hierzulande Pilotprojekte zur Einführung von ABT. Dabei können sie sich an einigen Best Practices orientieren, die sich international bereits bewährt haben.

1. ABT schrittweise einführen.

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Viele Verkehrsunternehmen weltweit führen Account-based Ticketing nicht in einem einzigen großen Projekt ein, sondern bauen ihre Systeme schrittweise aus. Häufig starten sie mit einer überschaubaren Lösung, beispielsweise Tap-in/Tap-off mit einem einfachen Tarifmodell, und ergänzen anschließend weitere Funktionen wie Fare Capping oder Best-Price-Berechnung. Anschließend integrieren sie ihr ABT-System in eine mobile App oder eine MaaS-Plattform. Dieses Vorgehen reduziert Projektrisiken, verteilt Investitionen über einen längeren Zeitraum und bietet die Möglichkeit, frühzeitig Erfahrungen im laufenden Betrieb zu sammeln und das ABT-System gezielt weiterzuentwickeln.

2. Auf offene Schnittstellen setzen. Verkehrsunternehmen haben in der Regel bereits branchenspezifische Systeme im Einsatz, mit denen sie ihre komplexen Vertriebsprozesse abbilden, etwa ein Vertriebshintergrundsystem, in dem Produkt- und Tariflogik hinterlegt sind. Zukunftsorientierte ABT-Projekte werden so konzipiert, dass neue Komponenten über offene Schnittstellen nahtlos in die bestehenden Systemlandschaften integriert werden. So lässt sich vorhandene Software weiter nutzen und neue Komponenten können flexibel ergänzt werden, ohne bestehende Strukturen grundlegend zu verändern. Gleichzeitig wird die Grundlage geschaffen, um die ABT-Architektur langfristig erweiterbar und technologisch anschlussfähig zu halten.

3. Klare Systemverantwortung sicherstellen. Internationale ABT-Projekte setzen in der Regel auf eine klare Aufgabenteilung zwischen den beteiligten Systemen. Produkt- und Tarifinformationen für ABT verbleiben dabei im Vertriebshintergrundsystem, während Bezahltransaktionen von den Systemen eines spezialisierten Payment Service Provider (PSP) abgewickelt werden. Von Architekturen, in die ein sogenannter Transit PSP integriert ist, sollten Verkehrsunternehmen absehen. Dieser übernimmt neben der Zahlungsabwicklung auch Teile der Abrechnung, was zu mehr Komplexität und höheren Kosten führt. Die Tarif- und Produktlogiken aus dem Vertriebshintergrundsystem müssen im System des Transit PSP zusätzlich nachgebildet werden. Kurzfristige Sonderaktionen wie etwa kostenfreie ÖPNV-Tickets an Feiertagen sind gar nicht oder nur mit zusätzlichem Zeit- und Kostenaufwand möglich. Zudem müssen Verkehrsunternehmen an einen Transit PSP Kundenprofile, Fahrthistorien und andere vertriebliche Informationen übertragen, damit dieser die Abrechnung durchführen kann. Bei Architekturen mit klassischem PSP ist dagegen lediglich die Übermittlung von anonymisierten Kartendaten und Beträgen erforderlich.

„Account-based Ticketing wird auch in Deutschland den Ticketvertrieb im öffentlichen Nahverkehr nachhaltig verändern“, erklärt HanseCom-Geschäftsführer Sebastian Neil Hölken. „Verkehrsunternehmen sollten bei der Umsetzung alle Optionen sorgfältig prüfen. Expertinnen und Experten, die über jahrelange Erfahrung mit internationalen ABT-Systemen verfügen, können ihnen dabei helfen, denn Best Practices aus aller Welt weisen den Weg zu einer erfolgreichen Implementierung.“

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