14.01.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 1
Mit einem Appell an die Bundesregierung, die Investitionsmittel aus dem Sondervermögen zusätzlich bereitzustellen und reguläre Investitionen nicht zu kürzen, hat NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer am Dienstag die 7. Infrastrukturmesse InfraTech in Essen eröffnet. 270 Unternehmen aus über 20 Ländern präsentieren auf der Messe Innovationen für die Sanierung von Verkehrswegen, Kanälen, Versorgungs- und Energienetzen. Die InfraTech gilt als zentrale Plattform für den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und öffentlicher Hand.
Krischer betonte auf der Messe, dass die Infrastruktur endlich in den Blickpunkt gerückt ist. „Noch vor wenigen Jahren spielte das Thema in der Öffentlichkeit keine Rolle. Das hat sich dramatisch geändert. Leider nicht aus gutem Grund“, so der Minister. „Wir haben gelernt: Eine funktionierende Infrastruktur ist nicht selbstverständlich.“ Krischer lobte zwar, dass der Bund 500 Milliarden Euro für die Sanierung der Infrastruktur bereit stellt. Er kritisierte aber, dass teilweise reguläre Investitionen, etwa im Bereich der Wasserwege, durch das Sondervermögen ersetzt werden, so dass gar nicht mehr Mittel zur Verfügung stehen, etwa für die notwendige Sanierung von Schleusen. „Wir sind das Land der Binnenschifffahrt. Wir haben mit dieser Entscheidung ein Problem“, so Krischer. „Das ist nicht gut.“
Krischer forderte zudem, dass der Bund die Investitionsmittel nach Bedarf zur Verfügung stellen soll. „Es darf nicht danach gehen, wer am lautesten schreit.“ Deshalb müssten erhebliche Investitionsmittel nach Nordrhein-Westfalen fließen. „Wir erwarten, dass Bund seine Zusagen einhält und das Sondervermögen für den Erhalt der Infrastruktur dort einsetzt, wo der Bedarf am größten ist, nämlich in Nordrhein-Westfalen.”
Tim-Oliver Müller, Chef des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, forderte auf der Messe die öffentlichen Auftraggeber auf, flexibler zu werden. „Wir brauchen mehr Funktionsausschreibungen, in denen nicht mehr jeder Handgriff vorgeschrieben wird“, so Müller. „Wir müssen zudem resilienter bauen, also langlebiger. Die Auftraggeber sollten deshalb nicht das billigste Angebot auswählen, sondern das wirtschaftlichste.“
Auf seinem ersten offiziellen Termin in seiner neuen Funktion als Chef von Straßen.NRW gab Christoph Jansen das Ziel vor, dass die öffentliche Hand in Sachen Genehmigungsverfahren „viel schneller“ werden müsse. „Wir müssen auch den Mut haben, neue Möglichkeiten auszuprobieren.“ Dazu zählt Jansen wie Müller die Funktionsausschreibungen, die Bauunternehmen mehr Freiheiten geben, wie eine Aufgabe etwa zum Bau einer Straße oder eines Weges umgesetzt wird. „Funktionsausschreibungen werden für Straßen.NRW in zwei Jahren der Standard sein“, kündigte Jansen an.
Innovationen, neue Techniken und Herausforderungen zur Sanierung der Infrastruktur in Deutschland stehen im Mittelpunkt der bis Donnerstag andauernden Messe. Vorgestellt werden beispielsweise neue Technologien für modulare Vorfertigung für schnelleres Bauen, neue und emissionsärmere Baustoffe, Automatisierung und besseres Asset-Management. Aber auch Bauwerkserhalt ist ein Thema, um anstelle teurer Neubauten durch Erhalt und Modernisierung vorhandener Bauten Kosten, Zeit und Energie zu sparen. Es geht zudem um schnellere Beschaffungsprozesse, industrielle Abläufe in Planung und Betrieb sowie neue technische Lösungen. Weitere Themen sind klimagerechte Oberflächengestaltung in Städten, die das Aufheizen im Sommer begrenzen und neue Vermessungstechniken zur Beschleunigung des Bauens. Auch Regenwasserbewirtschaftung und neue Systeme zur Steuerung des Verkehrsflusses werden auf der Messe diskutiert.