Dieser Artikel wurde in der Ausgabe September 2024 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Natur und Umwelt

Wie der Klimawandel europäische Städte verändern wird

18.09.2024 – Lesezeit ca. 4 Minuten 200

Wie der Klimawandel europäische Städte verändern wird

Europäische Städte befinden sich im Wandel, um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und sich somit vor den Folgen von Extremwetterereignissen zu schützen. In Europa ist eine deutliche Tendenz zu beobachten: im Vergleich zum globalen Durchschnitt steigen hier die Temperaturen doppelt so schnell. Dazu treten immer häufigere und heftigere Niederschläge und Starkregenereignisse auf. Trotz dieser Herausforderungen werden hitze- und niederschlagsbedingte Herausforderungen in den Klimaplänen von Städten nicht immer berücksichtigt.

Resilienz gegen Hitzewellen

Der städtische Wärmeinseleffekt verschärft die Auswirkungen von Hitze zusätzlich, was dazu führt, dass die Temperaturen in Städten noch höher sind als in ländlichen Gebieten. Vegetation, die zur Kühlung beitragen könnte, fehlt in städtischen Gebieten oft. Dies birgt Risiken für Gesundheit, Infrastruktur und Wirtschaft. Ziel sollte es daher sein, resiliente Städte zu entwickeln.

Sweco hat kürzlich in einer Studie1 die Vorkehrungen für Hitzewellen in 24 europäischen Städten untersucht. Dabei wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaresilienz und Daten zu Hitzewellen analysiert. Obwohl Prognosen zeigen, dass sich die Zahl der Hitzetage bis zum Jahr 2100 verdoppeln wird, verfügen nur wenige Städte über entsprechende Konzepte. Ein besonderer Mangel ist in Nordeuropa festzustellen, wo Hitzewellen ein relativ neues Phänomen darstellen.

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Zwar erkennen die Städte die Gesundheitsrisiken von Hitzewellen an, versäumen es aber oft, eine gerechte Verteilung der Ressourcen und den Schutz marginalisierter Bevölkerungsgruppen in die Planung einzubeziehen. Außerdem mangelt es häufig an präzisen Daten und einer stadtweiten Kartierung der Schwachstellen, was die Überwachung und Bewertung bestehender Maßnahmen erschweren. Die Klimapläne europäischer Städte müssen sich stärker auf den Schutz gefährdeter Gruppen konzentrieren, indem sie die Kühlung beispielsweise von Einrichtungen wie Kindergärten oder Pflegeheimen verbessern. Zur wirksamen Eindämmung von Hitzewellen sind eine klare Führung, Innovation und Mitgestaltung sowie langfristige Visionen und anpassungsfähige Strategien entscheidend. Die Zusammenarbeit in der Verwaltung unter Berücksichtigung von fachübergreifenden Expert*innen, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Einbeziehung der Bevölkerung sind der Schlüssel zu einer wirksamen Anpassung.

Überschwemmungen und kritische Infrastruktur

Neben den Auswirkungen von Hitzewellen sind auch die Folgen von Extremniederschlägen eine Herausforderung für Städte. Prognosen deuten darauf hin, dass extreme Regenfälle bis 2050 etwa 25 % mehr Niederschlag bringen könnten als heute. Das Versagen kritischer Infrastrukturen aufgrund von niederschlagsinduzierten Überschwemmungen stellt eine enorme Gefährdung für Gesellschaft, öffentliche Gesundheit, Wirtschaft und Umwelt dar. Die schweren Überschwemmungen der jüngeren Vergangenheit in Europa belegen, dass Niederschlag das Potenzial besitzt, Städte lahmzulegen und enorme Schäden und Kosten zu verursachen. Laut Studien müssen europäische Städte mit intensiveren und häufigeren schweren Niederschlägen rechnen. Dies verdeutlicht, wie wichtig umfassende Risikobewertungen und ebensolches Risikomanagement auch im Hinblick auf kritische Infrastruktur sind. Die Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen (CER) der Europäischen Union schreibt Maßnahmen vor, welche die unterbrechungsfreie Verfügbarkeit grundlegender Dienste in elf kritischen Bereichen gewährleisten sollen.

Die Gefährdung kritischer Infrastrukturen durch niederschlagsinduzierte Überschwemmungen in europäischen Städten wurde in einer Studie2 untersucht, die zeigt, dass Städte nicht für das sich wandelnde Klima ausgelegt sind. Darüber hinaus beeinflussen Faktoren wie Urbanisierung, veraltete Infrastruktur und eine bestimmte geografische Lage die Gefährdung erheblich. Die Planung unter Berücksichtigung solcher Niederschlagsereignisse ist eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe für die Behörden vor Ort und deren Partner*innen. Entscheidend ist dabei, kritische Infrastrukturen sowohl auf Ebene von Landstrichen als auch auf Ebene von Vermögenswerten zu untersuchen.

Kommunalverwaltungen räumen der technischen Infrastruktur (wie Verkehrssystemen und Elektrizitätsnetzen) mehrheitlich Vorrang vor sozialen Infrastrukturen wie Krankenhäusern, Kindertagesstätten und Altenpflegeeinrichtungen ein. Überraschenderweise werden kritische Elemente wie Banken, Rechen- und Krisenzentren häufig ganz übersehen, obwohl sie das Rückgrat des Finanzsystems bilden. Auch psychologische Folgen von Infrastrukturausfällen in der betroffenen Bevölkerung, wie Stress und Angst, werden oft nicht berücksichtigt.

Infrastruktursysteme sind voneinander abhängig, sodass der Ausfall eines Systems auch andere Systeme in Mitleidenschaft ziehen kann. Diese Kaskadeneffekte können unerwartete und schwerwiegende gesellschaftliche Folgen haben. Daher hat Sweco einige umsetzbare Empfehlungen formuliert:

Der Weg zu widerstandsfähigen Städten

Der Aufbau von Resilienzen ist ein kontinuierlicher Prozess, der eine ganzheitliche, interdisziplinäre Herangehensweise erfordert. Städte befinden sich in konstantem Wandel – und mit ihnen ändern sich auch die entsprechenden Risiken. Zudem verstehen wir den Klimawandel immer besser. All dies sind gute Gründe, Risiken regelmäßig neu zu bewerten und auch die Maßnahmen immer wieder anzupassen. Politische Entscheidungsträger*innen und die Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen zusammenarbeiten, um das Klimarisiko umfassend zu bewerten und einzudämmen. Es braucht mehr Daten und Erkenntnisse für bessere Investitionsentscheidungen in resiliente kritische Infrastrukturen. Entscheidend ist, mit der Analyse zu beginnen. Wir müssen jetzt handeln und schon heute die widerstandsfähigen Städte von morgen aufbauen.

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