Rubrik Natur und Umwelt

Große Defizite in der Widerstandsfähigkeit europäischer Städte gegenüber extremer Hitze - Risikogruppen in der Sommersaison besonders gefährdet

Neue Studie: Resilienz europäischer Städte bei Hitzewellen

10.07.2024 – Lesezeit ca. 4 Minuten 256

Neue Studie: Resilienz europäischer Städte bei Hitzewellen

Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent und sieht sich mit steigenden Temperaturen und hitzebedingten Todesfällen konfrontiert. 2023 erreichten extreme Hitzetage ein Rekordhoch. Swecos Analyse von 24 europäischen Städten* unterstreicht den dringenden Bedarf an Hitzewellenschutz und Widerstandsfähigkeit — durch digitale Innovation, naturbasierte Lösungen und grün-blaue Infrastrukturen sowie die Gestaltung hochleistungsfähiger Gebäude.

In Europa steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt, und die hitzebedingte Sterblichkeit ist in den letzten 20 Jahren um etwa 30 % gestiegen. Hitzewellen stellen ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit dar und haben negative Auswirkungen auf die Infrastruktur und die wirtschaftliche Produktivität in städtischen Gebieten.

„Europa wird immer heißer und urbaner zugleich, um dem entgegenzuwirken, müssen sich die Städte anpassen – dieses Problem wird nicht verschwinden. Swecos neuer Bericht, in dem 24 europäische Städte untersucht wurden, zeigt, dass hitzebedingte Aspekte in den Klimaplänen oft übersehen werden. Insbesondere nordeuropäische Städte müssen sich besser vorbereiten, da sie immer noch darauf ausgelegt sind, die Bevölkerung vor Kälte und nicht vor Hitze zu schützen. Behörden und politische Entscheidungsträger*innen müssen sich mit Vorschriften befassen und handeln, um Hitzewellen zu begegnen. Dies muss ein Kernstück des grünen Wandels unserer städtischen Gebiete sein“, sagt Dr. Katherine Maxwell, Technische Direktorin, Net Zero Cities, Asset Management bei Sweco, und eine der Hauptautor*innen des Berichts.

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Hitzewellen in europäischen Städten

Heute leben über 70 % der Europäer*innen in Städten. Durch die fortschreitende Urbanisierung wird diese Zahl im Jahr 2050 voraussichtlich auf 84 % ansteigen. Urbane Gebiete erleben aufgrund des Klimawandels und des „urbanen Wärmeinseleffekts“ (urban heat island effect, UHI) zunehmend höhere Temperaturen im Vergleich zu ländlichen Gebieten. Der Bericht von Sweco zeigt, dass einige europäische Städte bereits Schritte in die richtige Richtung unternehmen, um die Hitze zu bekämpfen, aber es müssen noch große Lücken geschlossen werden.

„Die Klimapläne europäischer Städte müssen sich stärker auf den Schutz gefährdeter Gruppen konzentrieren, indem sie die Kühlung von Einrichtungen wie Schulen, Wohn- und Pflegeheimen verbessern. 680 Mrd. EUR des EU-Haushalts sind im Zeitraum 2021-2027 für klimarelevante Maßnahmen vorgesehen, es sind also Mittel vorhanden. Jetzt ist es an der Zeit, dass europäische Städte neue Methoden implementieren, die zur Abkühlung beitragen. Es ist möglich und es gibt auch eine Reihe von Lösungen dafür”, sagt Séverine Hermand, Expertin für Klimaresilienzplanung bei Sweco und eine der Hauptautor*innen des neuen Berichts.

Swecos wichtigste Empfehlungen für mehr Resilienz gegen Hitzewellen:

  • In detaillierte Daten investieren: Verbesserte Schwachstellen-Kartierung in allen Städten, mit genauerer Überwachung und Bewertung. Dies kann durch die Erstellung "digitaler Zwillinge" mittels GIS-Raumkartierung und anderer digitaler Lösungen für eine optimierte Hitzebewertung und -bewältigung erreicht werden.
  • Innovation und Co-Kreation ermöglichen: Designlösungen auf Gebäude- und Quartiersebene zur Anpassung städtischer Räume. Mehr naturbasierte Lösungen, mehr grün-blaue Infrastruktur und Aktualisierung der Vorschriften für neue und bestehende Gebäude.
  • Transparente und kooperative Steuerung verfolgen: Städte müssen stärker zusammenarbeiten, um Hitzewellen wirksam zu bekämpfen. Dies erfordert Investitionen in Wissen, datengestütztes Wärmemanagement und gemeinsame Planung für die Organisation spezieller Teamstrukturen in Hitzewellenkrisen.
  • Für langfristige Vision entscheiden: Behörden und politische Entscheidungsträger*innen müssen effizientere, moderne Strategien zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen vor extremer Hitze entwickeln, um die öffentliche Gesundheit im Allgemeinen und eine größere Klimagleichheit zwischen den Gruppen im Besonderen zu gewährleisten.


* Sweco hat 24 Städte untersucht: Brüssel, Kopenhagen, Helsinki, Oslo, Rotterdam, Stockholm, Amsterdam, Edinburgh, Madrid, Glasgow, Sevilla, London, Rom, Lissabon, Paris, Wien, Barcelona, Genf, Prag, Istanbul, Toulouse, Danzig, Warschau und Athen.

Quellen: ERA5, European State of the Climate 2023/Copernicus, the Lancet Planetary Health, Provide Climate Risk Dashboard, Sweco. Eine vollständige Liste der Referenzen finden Sie im Bericht.

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