Dieser Artikel wurde in der Ausgabe September 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Attraktive Arbeitsplätze und Orte der Begegnung

Von Andreas Becker, M. A. – 01.09.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 65

Attraktive Arbeitsplätze und Orte der Begegnung

Die WASGAU Produktions & Handels AG feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Der börsen­notierte Lebensmittelkonzern erwirtschaftete 2024 mit über 3.800 Beschäftigten rund 646 Mio. Euro. Seit Gründung 1925 befindet sich der Sitz in Pirmasens. Für die rheinland-pfälzische Mittelstadt und die Region ist dies ein Glücksfall.

Im deutschen Südwesten und nur unweit der französischen Grenze ins Elsass gelegen, gehört Pirmasens zu den strukturschwächeren Kommunen. Die Verlagerung der produzierenden Schuhindustrie in Billiglohnländer und der Abzug einer großen US-Garnison hatten im späten 20. Jahrhundert die Situation verschärft. Dessen ungeachtet ist es der lokalen Unternehmerschaft teils über Diversifikation, teils mit der Entwicklung neuer Geschäftsfelder gelungen, sich neu zu erfinden und zukunfts­sicher aufzustellen. Ein Blick in die Statistik mag überraschen: Mehr als 20.500 sozial­versicherungspflichtige Arbeitsplätze bietet die inklusive Kinder und Senioren rund 42.000 Einwohner zählende Stadt*.

Hinter diesem breiten Beschäftigungsangebot stehen neben kleineren, oft familiengeführten Betrieben aller Couleur zahlreiche mittelständische Unternehmen, die in ihren Segmenten als Zulieferer für die seinerzeit florierende Schuhproduktion groß wurden und ihr Spezialwissen diversifiziert haben. Hinzu kommen einige Großbetriebe mit Beschäftigtenzahlen im vierstelligen Bereich, zu denen auch WASGAU zählt.

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Anhaltende Erfolgsgeschichte

Die nunmehr 100-jährige Historie des in Pirmasens gegründeten und dort noch immer ansässigen Lebensmittel-Handelsunternehmens spiegelt eine anhaltende Erfolgs­story wider, deren Startpunkt konkret auf den 24. September 1925 datiert. An diesem Tag hatten sich 19 Kaufleute zur EKO zusammengeschlossen, der „Einkaufsgenos­senschaft der Kolonialwarenhändler“. Aus diesem Verbund entstand nach einigen Umbenennungen 2001 die heutige WASGAU Produktions & Handels AG mit ihren gegenwärtig mehr als 70 Frische- und sechs Cash+Carry-Märkten in der Region Rheinland-Pfalz/Saarland sowie einem Interimsmarkt im baden-württembergischen Mannheim. Hinzu kommen eigene Produktionsbetriebe für Metzgerei sowie Bäckerei und Konditorei, fünf eigenständige Bäckerei-Cafés und ein als Pilot geführtes Restaurant namens „Himmel & Herd“. Mit dem WASGAU WeinShop und Kaffee24 gibt es zudem zwei Onlineshops. Eine weitere Besonderheit ist das Beliefern von Einkaufsmärkten des regional verorteten US-Militärs mit Obst und Gemüse.

Arbeitsplatz, Kaderschmiede und vieles mehr

Unter den 3.800 Mitarbeitern des Unternehmens (davon 1.104 am Pirmasenser Firmen­­sitz) befinden sich 157 Auszubildende in insgesamt dreizehn Lehrberufen sowie vier Dualen Studiengängen – damit gehört das Unternehmen zu den größten Arbeit­gebern und Ausbildungsbetrieben der Region. In die Personalentwicklung wird viel investiert und das mit großem Erfolg. Davon sprechen regelmäßig hohe Übernahme­quoten: Im letzten Jahr wurden 84 Prozent der Absolventen übernommen. „Wer will, kann es bei uns weit schaffen“, sagt Vorstandssprecher Thomas Bings und betont, dass Führungsnachwuchs wo immer möglich aus eigenen Reihen rekrutiert wird.

Die Stadtgesellschaft profitiert auch indirekt, indem die Kaufkraft steigt und die lokale Wirtschaft so angekurbelt wird. Hinzu kommt das soziale Engagement: WASGAU fördert regelmäßig mit Geld- und Sachspenden vor Ort ansässige gemein­nützige Organisationen und Initiativen, die sozial benachteiligte Menschen direkt und unbürokratisch unterstützen. Dazu zählen beispielsweise die Tafelverbände oder der Kinderschutzbund. Ihnen kommen auch Erlöse aus zahlreichen Spendenaktionen in den Märkten zugute. Ebenso sponsert WASGAU diverse lokale Sport- und Kultur­veranstaltungen und kooperiert mit den Schulen.

Außerdem transportiert der Handelskonzern den Namen der Stadt, präsentiert in seinen Angebotsblättchen auch immer wieder regionale Wander- und Ausflugstipps und sorgt so für mehr Bekanntheit. Das große Zentrallager stellt darüber hinaus einen wichtigen Baustein der Notversorgung im Rahmen des Katastrophenschutzes dar.

Was oft in Vergessenheit gerät: In Pirmasens befinden sich nicht nur Firmen­zentrale, Logistikzentrum mit Zentrallager, das Ausbildungszentrum wie auch die Produktionsstandorte der Metzgerei und Bäckerei – hier gibt es darüber hinaus drei WASGAU Supermärkte mit einladenden Cafés (sowie einen Cash+Carry-Markt) als bedeutende Orte regelmäßiger Zusammenkunft. Dort trifft man sich beim täglichen Einkauf und hat dabei en passant die Gelegenheit zu plaudern, sich auszutauschen und kennen zu lernen. Schon bald eröffnet mit „WASGAU24/7“ im Übrigen auch der erste Laden, in dem man rund um die Uhr autonom einkaufen kann.

Feste Größe der Stadtgesellschaft

„Als Stadt schätzen wir uns glücklich, mit WASGAU ein Unternehmen dieser wirt­schaftlichen Stärke und Reichweite in unseren Reihen zu wissen, mit dem wir einen partnerschaftlichen Umgang pflegen“, sagt Oberbürgermeister Markus Zwick. Dazu gehöre etwa auch, dass Stadtspitze und Vorstand sich regelmäßig über Sachthemen austauschen. „Gerade auch bei anstehenden städtischen Großveranstaltungen steht uns WASGAU regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite“, nennt Zwick ein ganz konkretes Beispiel unter vielen der gelebten Zusammenarbeit.

Thomas Bings, Sprecher des WASGAU-Vorstands, betont die „über Jahrzehnte hinweg gewachsene große Verbundenheit“ seines Unternehmens zur Stadt und ihren Einwohnern: „Die Stadtverwaltung hat alles möglich gemacht, damit wir hier mit unserer Verwaltungszentrale, den beiden Produktionsbetrieben, Lager und Logistik räumlich wachsen konnten.“ Dazu gehöre nicht zuletzt auch das hohe Engagement für die wichtige Realisierung der L600 als verkehrstechnische Anbindung des Gewerbegebiets Erlenteich an die A8 und die A62. „WASGAU ist in Pirmasens zuhause und ihren Menschen eng verbunden“, sagt Bings. Und das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, wie die erst vor Kurzem durchgeführte Ehrung von zahlreichen Jubilaren mit 25, 30, 35, 40 und 45 Jahren Betriebszugehörigkeit zeigte – auf stolze 52 Jahre gar bringt es derzeit der „WASGAUianer“ mit der längsten Beschäftigungsdauer.


*Davon profitieren auch zahlreiche Einpendler etwa aus dem umgebenden Landkreis Südwestpfalz, der in puncto Arbeitsplätze zu den landesweiten Schlusslichtern gehört – siehe hierzu „Kreisfreie Städte und Landkreise in Rheinland-Pfalz – Ein Vergleich in Zahlen“, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, 2024

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