Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Mai 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Innovationen in historischer Hülle

Von Gabriela Pantring, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der NRW.Bank – 13.05.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 37

Innovationen in historischer Hülle

Wer durch die Altstädte unserer Städte und Dörfer schlendert, spürt schnell: Baudenkmäler sind weit mehr als Steine vergangener Zeiten. Sie sind gebaute Erinnerung, Identitätsanker und Ausdruck gelebter Kultur. Baudenkmäler sind stille Chronisten unserer Geschichte. Ob barockes Rathaus, Gründerzeitvilla oder Industriehalle aus dem 19. Jahrhundert – sie erzählen vom wirtschaftlichen Aufstieg, von Wandel, von Alltagsleben und Umbrüchen.

Doch viele dieser Gebäude stehen leer, verfallen oder sind wirtschaftlich kaum tragbar. Die kreative und nachhaltige Umnutzung historischer Bausubstanz gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. Für Kommunen und Wirtschaft können sich daraus nicht nur kulturelle, sondern auch handfeste strukturelle und wirtschaftliche Vorteile ergeben.

Potenzial für Stadtentwicklung

Wer denkmalgeschützte Bauten erhält und neu nutzt, schafft Orte der Begegnung und Innovation in historischer Hülle. Stillgelegte Bahnhöfe können zu Co-Working-Spaces werden, ehemalige Schulen zu Mehrgenerationenhäusern. Ein anderes Beispiel ist die Umnutzung ehemaliger Industrieanlagen – etwa stillgelegter Zechen oder Brauereien – zu Veranstaltungsorten oder Technologiezentren. Solche Projekte schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft und fördern den Strukturwandel.

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Viele Vorteile für Kommunen

Gerade in ländlichen Räumen oder strukturschwachen Regionen liegt hierin ein Potenzial und bietet Kommunen viele Vorteile: Denn durch neue Nutzungskonzepte entstehen Arbeitsplätze, touristische Anziehungspunkte oder neue Wohnformen. Das stärkt nicht nur die Wirtschaftskraft, sondern auch das Selbstbewusstsein einer Region. Neben dem Erhalt des kulturellen Erbes können Leerstände beseitigt, Brachflächen revitalisiert und soziale Treffpunkte geschaffen werden. Gerade in strukturschwachen Regionen kann dies zur Belebung des Stadtkerns beitragen und langfristig den demografischen Wandel abfedern.

Hinzu kommt: Baudenkmäler steigern den touristischen Wert einer Region. Neu genutzt können sie auch für Gastronomie, Einzelhandel oder das Beherbergungsgewerbe interessant sein. Darüber hinaus wirken Denkmäler als „weiche Standortfaktoren“ für Unternehmen. Kreative Arbeitsorte in außergewöhnlichem Ambiente steigern die Attraktivität für qualifizierte Fachkräfte und fördern eine innovative Unternehmenskultur. Sie können kreative Milieus anziehen und das Profil einer Stadt oder Gemeinde stärken. Nicht zuletzt wirken sich Sanierungsmaßnahmen oft positiv auf das gesamte Umfeld aus: Investitionen in benachbarte Immobilien nehmen zu, das Quartier erfährt eine Aufwertung.

Aus Brennerei wird ein Wohnhaus

Die Wertschätzung alter Gebäude in der Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch Privatleute engagierten sich immer mehr für den Erhalt von Gebäuden. Zum Beispiel in Beckum, wo eine ehemalige Schnapsbrennerei in ein Einfamilienhaus umgewandelt wurde. Die ehemalige Brennerei stammt aus dem Jahr 1881 und ist Teil einer Hofanlage. Sie hatte Ende der 1980er-Jahre ihren Betrieb eingestellt und war seitdem ungenutzt. Die Nutzungsmöglichkeiten waren wegen des Zuschnitts der Innenräume begrenzt.

2015 entschieden sich die Eigentümer aus der alten Brennerei ein Wohnhaus zu machen. An die frühere Nutzung erinnert noch die Deckenhöhe – 5,50 Meter, ein für heutige Standards eher ungewöhnliches Maß. Die Eigentümer wollten das Objekt, so wie es ist – auch mit seinen Eigenheiten – erhalten und das Gebäude sollte so authentisch wie möglich erhalten bleiben.

Gefördert wurde die Umnutzung von der NRW.BANK. Ebenso wie eine alte Feuerwehrschule in Ahlen, die jetzt Angebote der Kinder- und Jugendpsychotherapie beherbergt. Neben sozialen und psychologischen Angeboten, die sich an Heranwachsende richten, ist dort auch eine Ausbildungsakademie für Kinder- und Jugendpsychotherapie untergebracht. Die neue Nutzung fördert die sozialen Lebensbedingungen in der Region und darüber hinaus und wirkt gleichzeitig dem Therapeutenmangel im ländlichen Raum entgegen. Und ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für eine energetische Sanierung: Das energetisch ertüchtigte Haus hat einen Energieverbrauch von rund 70 Prozent im Vergleich zu einem Referenzgebäude, mit Geothermie wird das Gebäude im Winter geheizt und im Sommer gekühlt. Für den elektrischen Strom sorgt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Förderbanken unterstützen

Der Erhalt von Baudenkmälern ist kein Selbstläufer und lebt vom Engagement vieler: von Kommunalverwaltungen, Heimatvereinen, Architektinnen und Handwerkern, und wie man in Beckum sehen kann von Bürgerinnen und Bürgern, die das Besondere erhalten wollen. Für sie bedeutet es allerdings zunächst: Genehmigungsprozesse, ein erhöhter Planungsaufwand und vor allem ein finanzieller Aufwand.

Förderbanken wie die NRW.BANK unterstützen Kommunen, private Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Initiativen mit günstigen Finanzierungslösungen und Beratung. Sie fördern gezielt, was die Menschen vor Ort brauchen – Wirtschaft, die Transformation und moderne Infrastrukturen. Das Programm NRW.BANK.Baudenkmäler gilt dabei nicht nur für Gebäude, die explizit unter Denkmalschutz stehen, sondern auch für die Kulturlandschaft prägende Gebäude und weitere Bauwerke, deren besonders erhaltenswerte Substanz anerkannt ist. Besonders vorteilhaft an dem Programm sind der feste Zinssatz und die lange Laufzeit.

Gelungene Denkmalpflege ist ein Gemeinschaftswerk. Sie gelingt, wenn aus Respekt vor dem Alten Neues entsteht. Die kreative und nachhaltige Nutzung eröffnet Kommunen vielfältige Chancen – kulturell, ökonomisch und sozial. Wer sie nicht nur erhält, sondern weiterdenkt, gestaltet nicht nur Stadt – sondern auch Zukunft. Als Förderbank setzen wir uns dafür ein, dass dieses Potenzial genutzt wird.

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