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Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Nach Olympia ist vor Olympia - Hohe Anforderungen an Sportstätten

Von Andreas Michel, Geschäftsführer und Mitgründer von Locaboo – 24.09.2024 – Lesezeit ca. 4 Minuten 76

Nach Olympia ist vor Olympia - Hohe Anforderungen an Sportstätten

Die Olympischen Spiele in Paris waren ein atmosphärisches Spektakel, zeigen aber auch, dass Deutschlands sportliche Konkurrenzfähigkeit weiter abnimmt. Während 2016 noch 42 Medaillen für das deutsche Team möglich waren, waren es 2021 37 und dieses Jahr nur noch 33. Diskussionen über den Zustand der deutschen Sportförderung und den Zustand der Sportstätten sind da vorprogrammiert und das zu Recht. Dass Deutschland in Zukunft wieder die Olympischen Spiele ausrichten möchte, verstärkt den Handlungsdruck nur. Der erhebliche Modernisierungsbedarf vieler Anlagen bereitet Sorgen, denn Sportstätten sind weit mehr als Orte für sportliche Höchstleistungen – im Breitensport dienen sie als soziale Treffpunkte und stärken den Zusammenhalt in den Gemeinden.

Um den vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen Sportstätten zukünftig stärker an den Bedürfnissen ihrer Nutzer:innen ausgerichtet werden. Diese können je nach Standort stark variieren, weshalb eine bedarfsgerechte Planung unerlässlich ist. Wie können Kommunen dem nachkommen und Deutschland so langfristig wieder auf Medaillenkurs bringen?

Sportstätten zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Sportliche Höchstleistungen werden immer schwieriger. Natürlich sind die Gründe hierfür vielfältig. Zum Beispiel die unzureichende finanzielle Unterstützung von Sportlerinnen und Sportlern sowie die schlechte Vereinbarkeit von Beruf oder Ausbildung und dem Sport. Auf kommunaler Ebene sind es allerdings besonders Sportstätten, die sowohl guten Trainingsbedingungen als auch Sportunterricht im Weg stehen.

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Sportstätten sind für den Profisport, Schulen und Breitensportvereine gleichermaßen wichtig. Die Realität zeigt jedoch ein ernüchterndes Bild: Viele Anlagen sind veraltet und erfüllen die Anforderungen ihrer Nutzenden längst nicht mehr. Ein massiver Modernisierungsstau betrifft sowohl Sport- als auch Schwimmhallen.

Zwei zentrale Probleme treten dabei hervor: Erstens der dringende Verbesserungsbedarf der Anlagen, um den Ansprüchen des Spitzen- und Breitensports gerecht zu werden, und zweitens eine ineffiziente Auslastung, da vorhandene Potenziale nicht vollständig genutzt werden. Dazu kommt, dass die Sportstätten häufig nicht auf die aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen der unterschiedlichen Alters- und Interessensgruppen ausgerichtet sind

Breitensport als Fundament des Spitzensports

Was bei dem Fokus auf den Profisport nicht vergessen werden darf: Eine erfolgreiche Spitzenleistung und die Förderung von Talenten sind ohne eine solide Basis im Breitensport nicht möglich. Der Breitensport spielt eine zentrale Rolle für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen: Den Olympioniken der Zukunft. Er fördert nicht nur die sportliche Leistung, sondern weckt auch den Spaß an Bewegung und Sport. Daher ist es unerlässlich, dass Sportstätten so gestaltet und genutzt werden, dass sie auch den Bedürfnissen des Breitensports gerecht werden.

Planungslücken digital schließen

Ein zentrales Problem in der Sportstättenplanung ist das fehlende Wissen über die tatsächliche Nutzung der Anlagen. Nur durch eine systematische Erfassung lokaler Nutzungsdaten können fundierte Entscheidungen getroffen werden. Diese datenbasierte Herangehensweise ermöglicht es, Engpässe zu identifizieren, die Auslastung zu optimieren und eine sinnvolle Sportentwicklungsplanung zu erstellen. Mithilfe von Online-Belegungssystemen und Echtzeitdaten lassen sich Nutzungszeiten effizienter planen und Engpässe vermeiden. Diese Technologien können auch die Kommunikation zwischen Verwaltung und Nutzern verbessern, wodurch die tatsächlichen Bedürfnisse besser ermittelt und Bauvorhaben zielgerichtet geplant werden können. Im deutschen Fördersystem profitieren zudem häufig Städte und Gemeinden, die bereits ausgearbeitete Konzepte vorlegen können. Eine datenbasierte Sportentwicklungsplanung erlaubt es, den Bedarf klar zu dokumentieren und sicherzustellen, dass Fördermittel effizient und zielgerichtet eingesetzt werden.

Beispiel Straubing

Für Kommunen bedeutet dies, dass Sport- und Bewegungsräume ein erhebliches Potenzial für Konzepte der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung und Stadtplanung bieten. So bietet beispielsweise die Stadt Straubing in Bayern den Vereinen ein benutzerfreundliches digitales Buchungssystem, um die Nutzung der Eis-, Hockey- und Mehrzweckhallen effizient zu koordinieren. So werden alle Trainingszeiten und Spieltage aller Vereine sowie die Belegung der einzelnen Hallenbereiche sichtbar. Die Kapazitäten der Sportstätten werden optimal ausgeschöpft und der Verwaltungsaufwand für die Vereine deutlich reduziert. Durch die Einbindung aller relevanten Stakeholder können Sportstätten so gestaltet werden, dass sie sowohl den hohen Ansprüchen des Profisports als auch den Bedürfnissen der breiten Öffentlichkeit gerecht werden.

Deutschland als sportliches Vorbild

Deutschlands potenzielle Olympia-Bewerbung sollte als Impuls für eine umfassende Modernisierung und strategische, datenbasierte Planung der Sportstätten genutzt werden. Um sowohl im Spitzen- als auch im Breitensport ein Vorbild zu sein und für den Sport zu begeistern, muss Deutschland seine Sportstätten auf höchstem Niveau weiterentwickeln – im Sinne der Athlet:innen, der Gemeinden und des Landes insgesamt. Die Devise lautet: höher, schneller, weiter und vor allem digitaler.

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