Dieser Artikel wurde in der Ausgabe November/Dezember 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Veranstaltungen

Der Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur

Investieren, modernisieren, gestalten

10.11.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 219

Deutschlands Infrastruktur steht vor einem Jahrzehnt der Erneuerung – mit 500 Milliarden Euro für Verkehr, Wärme und soziale Einrichtungen. Kommunen und ihre Unternehmen stehen dabei an vorderster Front. Denn wie aus Geld Wirkung wird, entscheidet sich vor Ort. Der Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2026 gibt Impulse zur Steuerung.

Die Herausforderungen sind enorm, und sie treffen Städte, Gemeinden und kommunale Unternehmen mit voller Wucht: marode Schulen, sanierungsbedürftige Brücken, überlastete Verkehrsnetze, Fachkräftemangel in Planung und Bau sowie steigende Anforderungen an Energie-, Wasser- und soziale Infrastruktur. Mit dem Sondervermögen der Bundesregierung sollen bis 2038 rund 500 Milliarden Euro investiert werden – eine historische Chance, aber auch ein Stresstest für kommunale Verwaltungen und Betriebe. Denn ob diese Mittel zu sichtbarer Modernisierung führen, hängt von der Umsetzung vor Ort ab.
Am 21. und 22. Januar 2026 bringt der Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur in Berlin deshalb jene Akteure zusammen, die den Wandel gestalten: Kommunalverwaltungen, Landes- und Bundespolitik, Wirtschaft, Förder- und Fachinstitutionen, Verbände und Wissenschaft. Die Veranstaltung will Orientierung bieten, aber vor allem Raum für Austausch schaffen – praxisnah und lösungsorientiert.

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Praxis statt Papiertiger

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich das Investitionsjahrzehnt so gestalten lässt, dass Kommunen und ihre Unternehmen nicht von Bürokratie, fehlenden Kapazitäten oder widersprüchlichen Förderlogiken ausgebremst werden. Deutschland kennt ambitionierte Programme – und auch ihre Fallstricke: langwierige Genehmigungen, überfrachtete Antragsanforderungen, zu enge Förderrichtlinien und Verfahrenslogiken, die häufig nicht zur Realität kommunaler Unternehmen passen. Der Kongress will genau dafür Antworten liefern, indem er jene zu Wort kommen lässt, die täglich zwischen politischem Anspruch, Unternehmenssteuerung und praktischer Umsetzung vermitteln.
Bereits der Auftakt setzt den Ton: Eine prominent besetzten Eröffnungsdiskussion behandelt die drängendsten Fragen: Welche Akteure entscheiden mit? Wie werden Prioritäten gesetzt? Welche Rolle bleibt den Ländern und welche Handlungsspielräume brauchen Kommunen und ihre Unternehmen, um Projekte flexibel planen und umsetzen zu können? Wissenschaftliche Impuls skizzieren parallel, welche Strukturen notwendig sind, damit aus Milliardenbeträgen nutzerorientierte, beständige Infrastruktur entsteht.
Der zweite Kongresstag rückt die kommunale Praxis noch stärker in den Vordergrund. Vertreterinnen und Vertreter aus Städten, Landesministerien, Förderinstitutionen und kommunalen Unternehmen beleuchten entlang der gesamten Umsetzungskette, wo Prozesse vereinfacht, Zuständigkeiten klarer verteilt und Ressourcen gebündelt werden können. Erfahrungsberichte aus Stadtwerken, Verkehrsbetrieben, kommunalen Wohnungsunternehmen oder Abfall- und Wasserbetrieben zeigen, wo neue Formen von Kooperation funktionieren – etwa interkommunale Projekte, gemeinsame Beschaffungen, Beteiligungsmodelle oder öffentlich-private Partnerschaften.

Infrastruktur als Gemeinschaftsaufgabe

Ganz oben auf der Agenda stehen Bereiche, in denen Kommunalverwaltungen und kommunale Unternehmen seit Jahren gefordert sind: die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur samt ÖPNV- und Mobilitätswende, der Aufbau einer zukunftsfähigen Energie- und Wärmeversorgung sowie die Modernisierung von Bildungs-, Kultur- und Begegnungsorten. Ob klimaneutrale Wärmenetze, Sanierung von Schulen im laufenden Betrieb oder Investitionen in Versorgungs-, Entsorgungs- und Wasserinfrastruktur – die Fachforen geben praktische Einblicke. Statt abstrakter Strategie liefern sie konkrete Lösungsansätze: Was funktioniert im ländlichen Raum? Wie stemmen urbane Zentren komplexe Umbauprogramme? Wie lassen sich Bau- und Sanierungsprozesse trotz knapper Ressourcen voranbringen?
Neben den operativen Aspekten nimmt der Kongress auch die gesellschaftliche Dimension öffentlicher Infrastruktur in den Blick. Denn Investitionen entscheiden über Lebensqualität, Teilhabe und Vertrauen in staatliches und kommunales Handeln. Die abschließende Diskussionsrunde richtet deshalb den Blick über das Sondervermögen hinaus: Braucht Deutschland eine neue Investitionskultur, die Infrastruktur als Gemeinschaftsaufgabe versteht – generationengerecht, resilient und mit einem klaren Rollenverständnis für Kommunen und ihre Unternehmen?

Hier entscheidet sich die Zukunft

Für die kommunale Familie bietet die Teilnahme erheblichen Mehrwert. Zunächst ermöglicht sie einen frühen Überblick über Förderlogiken, Rahmenbedingungen und politische Prioritäten, die das operative Geschäft in den kommenden Jahren prägen werden. Weiterhin eröffnet sie Vernetzung mit jenen, die ähnliche Herausforderungen zu bewältigen haben: von Stadtwerken über Verkehrsbetriebe bis zu kommunalen Wohnungs- und Gesundheitsunternehmen. Nicht zuletzt schafft der Kongress einen Raum, um kommunalwirtschaftliche Perspektiven einzubringen und aktiv mitzugestalten, wie das Investitionsjahrzehnt umgesetzt wird – nicht nur im Sinne der Daseinsvorsorge, sondern auch wirtschaftlich tragfähiger Betriebsmodelle. Deutschland verfügt nun über die finanziellen Mittel, um seine Infrastruktur zu erneuern. Doch ob daraus Aufbruch oder Enttäuschung entsteht, entscheidet sich im Zusammenspiel der Ebenen und in der kommunalen Praxis – mit ihren Unternehmen an vorderster Linie. Der Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2026 will dazu beitragen: mit klaren Debatten, ehrlichem Erfahrungsaustausch und dem Fokus auf das, was vor Ort zählt. Mit dieser Zielsetzung dürfte er zu einem der wichtigsten Branchentermine des kommenden Jahres werden.

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