Rubrik Energie & Netze

Baden-Württemberg: Der Windenergieausbau geht zu langsam voran

16.01.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 294

Baden-Württemberg: Der Windenergieausbau geht zu langsam voran

Der Windenergieausbau im Land geht voran, aber zu langsam. (Bild: BWE / Sandra Majer)

Plattform Erneuerbare Energien Baden Württemberg legt vorläufige Auswertung vor. Das Fazit: Es gehen noch zu wenige Anlagen in Betrieb, aber die hohe Zahl der Genehmigungen ist positiv.

Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg kommt in Fahrt, aber zu langsam. Im Jahr 2025 wuchs der Bestand um 24 Windenergieanlagen. Das sind sechs Anlagen mehr, als 2024 zugebaut wurden. Bei den Genehmigungen sieht es dagegen deutlich besser aus. Von Januar bis Dezember wurden 98 Windräder genehmigt. Insgesamt sind derzeit 1.400 Anträge in Bearbeitung. Auf die neuen Zahlen weist die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und der BWE Landesverband Baden-Württemberg hin. Trotz der kleinen Fortschritte ist der Windenergieausbau aber noch nicht dort angekommen, wo er sein sollte, betont Jürgen Scheurer, der Geschäftsführer der PEE BW. Das Vierfache an neuen Anlagen sei pro Jahr nötig. Um die Ausbauziele zu erreichen, braucht das Bundesland mehr als 100 neue Windenergieanlagen jährlich.

Im Jahr 2025 ist der Bestand um 24 Anlagen gewachsen, die installierte Leistung wuchs um insgesamt 171 Megawatt. Diese Zahl ergibt sich aus 36 neu errichteten Anlagen abzüglich von zwölf Anlagen, die im selben Zeitraum zurückgebaut wurden. Durch Nachmeldungen bis Ende Januar können sich die Zahlen noch geringfügig verändern. Genehmigt wurden bis Ende Dezember 98 Anlagen. Im Vergleich zum Jahr 2024, dort gab es insgesamt 52 Genehmigungen, ist das ein Zuwachs um 88 Prozent. Die vorläufigen Zahlen basieren auf Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, Stand 14. Januar 2026.

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Branche investiert rund 100 Millionen in den Bau neuer Anlagen

Ein Lichtblick sind auch die Zahlen der in Planung befindlichen Windenergieanlagen. Rund 1.400 Anlagen liegen bei den Landratsämtern zur Genehmigung, so der Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Derzeit drehen sich im Südwesten rund 820 Windräder mit einer installierten Leistung von 2.050 Megawatt.

Ein Genehmigungsantrag hat eine Vorlaufzeit von mindestens sechs bis zwölf Monaten und erfordert hohen Planungs- und Gutachteraufwand. In diesem Zeitraum entstehen je nach Komplexität des Standorts Kosten von bis zu 100.000 Euro pro Windenergieanlage. „Die Projektierungsunternehmen haben somit die bemerkenswerte Summe von rund 100 Millionen Euro auf eigenes Risiko in ihre baden-württembergischen Projekte investiert“, erklärt Jürgen Scheurer

Bis zum Jahr 2040 sind rund 3.000 Windräder mit einer installierten Leistung von insgesamt 12.000 Megawatt erforderlich. Pro Jahr muss in den kommenden 16 Jahren eine zusätzliche Leistung von über 600 Megawatt dazukommen, um Haushalte und Industrie günstig und sicher mit Strom zu versorgen. Das entspricht mehr als 100 modernen Windrädern jährlich.

Land hat seine Hausaufgaben gemacht, jetzt sind andere am Zug

Die Zahl der neu errichteten und beantragten Anlagen ist eine positive Folge der politischen Weichenstellungen im Südwesten. Die systematische Beschleunigung der Genehmigungsprozesse durch das Land zeigt langsam Wirkung. Damit die Ausbauzahlen im Südwesten weiter steigen können, dürfe der Bund der Windenergie jedoch keine neuen Steine in den Weg legen, fordert PEE-BW-Geschäftsführer Jürgen Scheurer. Der Ausbau dürfe im Wirtschaftsland Baden-Württemberg nicht gebremst werden, sondern weitere Hürden wie der schleppende Netzausbau genommen werden. Die zuletzt im Jahr 2025 deutlich gesunkenen Ausschreibungsvergütungen stellen eine zusätzliche Herausforderung dar.

Energieministerin Thekla Walker kommentiert: „Die Maßnahmen der Landesregierung zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren zeigen Wirkung. Projektierer sehen Baden-Württemberg als konkurrenzfähiges Windland, die hohe Zahl von Anträgen für neue Anlagen belegt das. Wir wollen, dass sie diese zügig bauen können. Dafür muss der Bund endlich die unsägliche Diskussion über das Referenzertragsmodell beenden, das die Standortnachteile eines Schwarzwaldgipfels gegenüber der norddeutschen Tiefebene bei den EEG-Ausschreibungen ausgleicht. Für geringe Netz- und Stromkosten brauchen wir Windenergie im Süden.“

Die Regionalverbände müssten nun alle so rasch wie möglich ihre Windenergie-Vorrangflächen finalisieren und beschließen, so die PEE BW. Bislang haben nicht alle der zwölf Regionalverbände ihre dazu erforderliche Windenergieregionalplanung abgeschlossen – eigentlich sollte dies bis zum 30. September 2025 der Fall sein. Erst mit dem Planungsabschluss ist klar, ob beantragte Anlagen in einem ausgewiesenen oder absehbaren Windenergiegebiet liegen und damit genehmigt werden können. Wichtig sei auch, dass in dem Zuge alle beteiligten Behörden personell und organisatorisch in die Lage versetzt werden, die Genehmigungsanträge abzuarbeiten.

Fazit

Das Fazit der beiden Verbände: Der Ausbau der Windenergie geht in Baden-Württemberg voran, muss aber noch um den Faktor drei beschleunigt werden. Nur so werde es künftig eine krisensichere Energieversorgung für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg geben. Das sichere auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Land, trage zu einer bezahlbaren Energieversorgung der Haushalte bei und wirke den bedrohlichen negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegen.

Damit die Stromnetze den Erneuerbaren-Ausbau nicht behindern, arbeiten Branche und Netzbetreiber derzeit an der Synchronisation von erneuerbaren Energien mit den Netzen. Sie müssen in Einklang gebracht werden, um das Energiesystem mit einem hohem Ökostromanteil effizient und stabil zu betreiben. Ein Beispiel: Solar- und Windparks sollen künftig an einem gemeinsamen Einspeisepunkt mit einer höheren Leistung als die des Trafos angeschlossen werden können. Da selten beide Parks gleichzeitig die volle Leistung erbringen, könnten sie problemlos an derselben Stelle Strom ins Netz einspeisen und durch intelligente Steuerung eine Überlastung vermeiden. Das reduziert den erforderlichen Netzausbau. Vor allem im Zusammenspiel mit Batteriespeichern entstehen so leistungsfähige Hybridkraftwerke.

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