Rubrik Energie & Netze

Effiziente Wärme immer dann und dort, wo sie gebraucht wird

Infrarotheizung im Feuerwehr-Neubau

21.01.2026 – Lesezeit ca. 6 Minuten 404

Infrarotheizung im Feuerwehr-Neubau

Außenansichten des Feuerwehr-Neubaus in Feuchtwangen-Krapfenau. (Foto: Vitramo GmbH, Tauberbischofsheim)

In Feuchtwangen-Krapfenau wurde Ende 2024 ein neues Feuerwehrhaus inklusive Gemeinschaftsräumen für die Evangelische Landjugend eingeweiht. Der zweigeschossige Holzständer-Neubau erfüllt den KfW-Effizienzhaus-40-Standard. Herzstück der Wärmeversorgung ist ein elektrisches Infrarotheizsystem von Vitramo. Das Gebäude ist ein Musterbeispiel dafür, wie kommunale Gebäude heute nachhaltig, wartungsarm und zugleich wirtschaftlich beheizt werden können.

Energieeffizienz ohne Komplexität

Der Neubau bietet auf einer Nutzfläche von rund 487 m² Platz für die Freiwillige Feuerwehr Krapfenau-Wehlmäusel und die Landjugend. Neben der Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen sind Schulungs- und Aufenthaltsräume, eine Teeküche sowie Sanitäreinrichtungen vorhanden. Der Entwurf folgt dem Prinzip des energieeffizienten, technisch reduzierten Bauens: Statt wassergeführter Zentralheizung entschied sich das Planungsteam des Kommunalunternehmens Stadtentwicklung Feuchtwangen für ein elektrisches Direktheizkonzept. Die PV-Anlage auf dem Dach liefert bis zu 25 kWp Leistung und deckt damit über das Jahr hinweg bilanziell einen Großteil des Heizstroms. Die Holzständerbauweise mit exzellenter Dämmung führt zu einer Heizlast von nur 35 W/m². Zusammen mit der Infrarotheiztechnik ermöglicht sie ein emissionsfreies, wartungsarmes und langfristig kosteneffizientes Wärmekonzept – ohne Heizraum, ohne Hydraulik, ohne Schornstein.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Strahlungswärme für angenehmes Raumklima

Insgesamt wurden 35 Decken-Infrarotheizelemente installiert. Heizmedium ist hier ein in Kunststoffmasse eingebetteter glasfaserverstärkter Heizmäander. Die wärmeemittierende Oberfläche besteht aus satiniertem Weißglas, das bei 20 °C Umgebungstemperatur eine Oberflächentemperatur von maximal 190 °C erreicht. In den Räumen mit glatten Deckenflächen, etwa Schulungs-, Aufenthalts- und Büroräumen, kommen acht dezent wirkende Deckenelemente der Serie VH mit 260 und 550 W zum Einsatz. In den Umkleiden und Technikräumen mit Rasterdecken sind 27 Rasterdeckenheizelemente mit je 810 W integriert.

Im Umkleideraum sind Deckenheizelemente in Aufputzversion montiert.

In der Fahrzeughalle, wo bei größerer Raumhöhe Robustheit und schnelle Aufheizzeiten gefragt sind, übernehmen vier leistungsstarke Infrarot-Dunkelstrahler mit jeweils 1.800 W die Beheizung. Auch sie arbeiten weitgehend konvektionsfrei und sind damit ideal für Räume mit hoher Staubbelastung oder empfindlicher Technik. In ein Aluminiumprofil eingelegte Rohrheizkörper bringen die eloxierte Aluminiumoberfläche auf eine maximale Temperatur von 360 Grad.

Durch das Strahlungswärmeprinzip wird die Bausubstanz schnell und gleichmäßig direkt temperiert. Wände und Böden speichern Wärme, während die Lufttemperatur vergleichsweise niedrig bleiben kann – ein klarer Vorteil gegenüber herkömmlichen Konvektionssystemen. Die Folge: behagliche Temperaturen ohne trockene Luft, minimale Staubaufwirbelung und geringere Wärmeverluste bei geöffneten Toren.

Integration ins architektonische Konzept

Die flachen Infrarotheizelemente sind unauffällig in die Decken integriert, was dem klaren architektonischen Erscheinungsbild des Neubaus zugutekommt. Während die Feuerwehr vor allem die Schulungs- und Umkleideräume nutzt, dient das Obergeschoss der Landjugend als Treffpunkt und Veranstaltungsraum.

Die unabhängige homematic-IP-Raumtemperatursteuerung von eQ-3 erfolgt smart und ermöglicht beiden Gruppen einen bedarfsgerechten Betrieb mit minimalem Energieeinsatz. Eine Alarmschaltung, also eine automatisierte schnelle Aufheizung zeitgleich mit der Alarmierung zu Einsätzen der Feuerwehr, ist über das Smarthome System ebenfalls möglich.

Für die Warmwasserbereitung kommen dezentrale Durchlauferhitzer des norddeutschen Herstellers Clage zum Einsatz. Auch sie liefern zusätzliche Effizienzgewinne, da das Warmwasser nur im Bedarfsfall erzeugt wird und keine Speicherverluste entstehen.

Einfache Technik – große Wirkung

Gerade in kommunalen Neubauten überzeugen elektrische Infrarotheizsysteme gegenüber wassergeführten Systemen durch ihre günstige Investition, die einfache Planbarkeit und den geringen Wartungsaufwand. Im Feuerwehrhaus Krapfenau waren keine aufwendigen Heizungsinstallationen oder Verteilnetze erforderlich – ein Vorteil, der besonders bei kleineren Projekten mit mehreren Nutzungszonen ins Gewicht fällt. Es werden keine Pumpen, Ventile oder hydraulischen Abgleiche benötigt. Die Installation erfolgt ohne Eingriff in die Gebäudekonstruktion, was die Bauzeit verkürzt und Investitionskosten reduziert. Auch spätere Anpassungen oder Erweiterungen lassen sich problemlos realisieren.

Die Fahrzeughalle wird mit vier Dunkelstrahlern von Vitramo effizient beheizt.

Nachhaltig im Betrieb: Strom aus eigener PV-Anlage

Das Heizkonzept setzt konsequent auf lokale Energieerzeugung und Verbrauch: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert im Jahresmittel mehr elektrische Energie, als das Gebäude für Heizung, Beleuchtung und Warmwasser benötigt. Der Überschuss wird ins Netz eingespeist oder für den Eigenbedarf der Gemeinde genutzt. Dank des geringen spezifischen Heizbedarfs von rund 20 kWh/m²a bleibt der Anteil des Netzstrombezugs niedrig. So erreicht das Gebäude eine CO₂-Bilanz, die deutlich unter der vergleichbarer konventioneller Neubauten liegt.

Planung und Bau als Gemeinschaftsprojekt

Die Planung des Gebäudes lag in den Händen des Kommunalunternehmens Stadtentwicklung Feuchtwangen, die bauliche Umsetzung übernahm Stark Holzbau aus Zumberg, für die technische Ausstattung und Inbetriebnahme zeichnete der Elektromeisterbetrieb Johannes Beck aus Beyerberg verantwortlich. „Das Feuerwehrhaus Krapfenau zeigt beispielhaft, wie moderne Bauphysik, einfache Energietechnik und lokale Wertschöpfung zusammenpassen“, stellt Vitramo-Geschäftsführer Bernd Morschhäuser fest. „Unsere Infrarotheizsysteme fügen sich ideal in das Konzept eines hocheffizienten Gebäudes ein. Die schnell reagierenden Heizelemente eignen sich perfekt für kommunale Nutzungen mit wechselnden Belegungszeiten.“

Praxisbewährt für kommunale Bauten

Die positive Resonanz aus Krapfenau bestätigt einmal mehr, dass elektrische Infrarotheizungen zunehmend eine attraktive Alternative für öffentliche Neubauten darstellen – insbesondere dann, wenn Photovoltaikstrom lokal zur Verfügung steht. Neben Feuerwehrhäusern eignen sich solche Systeme auch für Bauhöfe, Vereinsheime, Schulen und Bürgerhäuser. Gerade bei Teilnutzung oder unregelmäßigen Nutzungszeiten ist das Effizienzpotenzial groß, zumal sich Infrarotheizungen neben PV mit Energiemanagementsystemen kombinieren lassen.

Fazit

Mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus setzt die Stadt Feuchtwangen ein sichtbares Zeichen für moderne, nachhaltige Gemeindebauten. Die Verbindung von Holzbauweise, Photovoltaik und Infrarotheiztechnik zeigt, dass sich Effizienz, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit bestens verbinden lassen. Vitramo-Heizsysteme liefern hier behagliche, gesunde Wärme – leise, wartungsfrei und klimafreundlich. Entstanden ist ein Vorzeigeprojekt für viele Kommunen, die beim Bauen auf einfache, dezentrale und zukunftssichere Lösungen setzen.

Bautafel

Objekt Neubau Feuerwehrgerätehaus
Krapfenau-Wehlmäusel
91555 Feuchtwangen
Bauweise Holzständerbauweise gemäß KfW40-Standard (Heizlast 35 W/m²)
Bauherr Freiwillige Feuerwehr Krapfenau-Wehlmäusel e. V.
91555 Feuchtwangen
Planung / Bauleitung KU Stadtentwicklung Feuchtwangen
91555 Feuchtwangen
E-Mail: kommunalunternehmen@feuchtwangen.de
Bauausführung Stark Holzbau, regionale Partnerbetriebe
Heizsystem Infrarot-Heizelemente
3 × VH03535 (260 W)
5 × VH04848 (550 W)
27 × VH06262 (810 W, Rasterdecke)
4 × VC-A1800 Dunkelstrahler (1.800 W)
Hersteller Vitramo GmbH
97941 Tauberbischofsheim
www.infrarotheizung-vitramo.de
Weitere Haustechnik Raumtemperaturregelung: HomeMatic von eQ-3
Warmwasser: dezentrale Erwärmung über Durchlauferhitzer von Clage GmbH, 21337 Lüneburg
Objekteigene Energieträger PV-Anlage 25 kWp
Fischbeker Reethen erhalten klimafreundliche Wärmeversorgung aus einer Hand
Fischbeker Reethen erhalten klimafreundliche Wärmeversorgung aus einer Hand

Die Fischbeker Reethen bekommen eine hundertprozentig erneuerbare Wärmeversorgung Die IBA Hamburg hat die Wärmekonzession für das neue Wohnquartier an die HEnW [...]

22.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Regionalwerk: Energie aus der Region rund um die Uhr nutzen
Regionalwerk: Energie aus der Region rund um die Uhr nutzen

Erneuerbare Energien dort handeln und verbrauchen, wo sie erzeugt werden, und das rund um die Uhr – davor schrecken viele kommunale Versorger noch zurück. In Wu[...]

21.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
Mühlen Eichsen: Schritt für Schritt zur lokalen Energiewende

Die Gemeinde Mühlen Eichsen in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wie auch kleine Kommunen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen Möglichkeiten der E[...]

18.09.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Seethermie am Tegernsee: PE-Rohrleitungen erschließen das Seewasser als Energiequelle
Seethermie am Tegernsee: PE-Rohrleitungen erschließen das Seewasser als Energiequelle

Am Tegernsee entsteht derzeit eines der bemerkenswertesten Seethermie-Projekte Deutschlands. Für das neue Quartier „Seegut am Tegernsee“ in Bad Wiessee werden k[...]

18.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Marktentwicklung solare Wärmenetze in Deutschland
Marktentwicklung solare Wärmenetze in Deutschland

Im vergangenen Jahr 2025 sind 11 Anlagen mit insgesamt 69.963 qm Bruttokollektorfläche und rund 42 MW Leistung in Betrieb gegangen: Stralsund (Mecklenburg-V[...]

17.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der Stadtwerke kaum erreichbar

Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten das Ziel eines klimaneutralen Heizens bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Das ze[...]

16.09.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Smart Hospital: Wie intelligente Gebäudetechnik Krankenhäuser sicherer, effizienter und zukunftsfähiger macht
Smart Hospital: Wie intelligente Gebäudetechnik Krankenhäuser sicherer, effizienter und zukunftsfähiger macht

Krankenhäuser zählen zu den anspruchsvollsten und zugleich energieintensivsten Gebäudetypen überhaupt: Sie müssen rund um die Uhr höchste Hygiene- und Sicherhei[...]

11.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
Stadtwerke Solingen und TBS nehmen erste sieben Laternenlader in Betrieb
Stadtwerke Solingen und TBS nehmen erste sieben Laternenlader in Betrieb

Die Ladeinfrastruktur in Solingen wächst weiter: Die ersten sieben von insgesamt 13 sogenannten Laternenladern sind ab sofort in Betrieb. Errichtet wurden die n[...]

10.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Erster Klimaturm von Towergy geht in Bremen in Betrieb
Erster Klimaturm von Towergy geht in Bremen in Betrieb

Die Towergy GmbH hat mit ihrem Klimaturm eine Großwärmepumpe entwickelt, die bis zu 400 Neubau- oder 200 Bestandswohnungen mit erneuerbarer Wärme und Kälte vers[...]

09.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Mehr Sicherheit für Kommunen bei der Contracting-Abrechnung
Mehr Sicherheit für Kommunen bei der Contracting-Abrechnung

Contracting bietet Kommunen viele Vorteile – doch bei der buchhalterischen Abwicklung gibt es häufig offene Fragen.

03.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik