Rubrik Energie & Netze

BDEW-Umfrage zu Netzanschlüssen Großbatteriespeicher

Netzanschlussboom bei Großbatteriespeichern erfordert schnell neue Regeln

28.11.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 199

Angesichts des Netzanschlussbooms bei Großbatteriespeichern hat der BDEW eine Umfrage unter den Übertragungsnetzbetreibern und 17 großen Verteilnetzbetreibern durchgeführt, die zusammen die Hälfte des deutschen Stromnetzes betreiben.

Die Umfrage zeigt, dass derzeit Netzanschlussanträge für Großbatteriespeicher (ab einem Megawatt (MW) Bruttoleistung) mit einer Gesamtleistung von über 720 Gigawatt (GW) vorliegen. Bereits zugesagte Netzanschlüsse für Großbatteriespeicher belaufen sich auf mindestens 78 GW. Dies ist eine Momentaufnahme.

Zur Einordnung:

  • Die angefragte Leistung von über 720 GW entspricht mehr als dem Zweieinhalbfachen der heute installierten Erzeugungsleistung von 263 GW in ganz Deutschland – also aller Erneuerbaren-Energien-Anlagen und konventionellen Kraftwerke zusammen.
  • Betrachtet man die geplante Netzübertragungsfähigkeit, liegen die Anfragen beim Neunfachen der aktuellen Jahreshöchstlast der Übertragungsnetze (rund 80 GW).
  • Und auch der Blick in den Szenariorahmen des Netzentwicklungsplans Strom (NEP) verdeutlicht die Überzeichnung: Die in den Szenarien A und B für 2037 und 2045 geplanten installierten Leistungen von Großbatteriespeichern werden mit den vorliegenden Netzanschlusszusagen in Höhe von 78 GW bereits überschritten.

    Advertising

    Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

„Die Netzanschlussbegehren für Großbatteriespeicher sind so stark gestiegen, dass es hier neuer Regeln bedarf. Es muss sichergestellt werden, dass auch andere Netzkunden zu ihrem Recht kommen. In den hohen und mittleren Spannungsebenen ist Netzkapazität angesichts hoher Bedarfe von Großverbrauchern wie etwa Rechenzentren, Großwärmepumpen, E-Ladeinfrastruktur und Industrie zu einem knappen Gut geworden. Speichertechnologien sind zwar ein unverzichtbarer Bestandteil eines modernen Energiesystems. Durch die zeitliche Verschiebung von Erzeugung und Bereitstellung des Stroms können sie Last- und Erzeugungsspitzen glätten, und sind geeignet die Effizienz zu steigern und die Versorgungssicherheit erhöhen. Aber sie müssen sich in das Gesamtsystem einfügen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

„Angesichts dieser enormen Herausforderungen gilt es nun, zeitnah politische und regulatorische Weichen zu stellen. Dazu gehört in einem ersten Schritt eine zügige Anpassung der Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV), bei der Großbatteriespeicher mit einer Nennleistung ab 100 MW künftig ausgenommen werden. Pumpspeicherkraftwerke sollten dagegen unbedingt weiter unter die KraftNAV fallen, weil ihre geringe Zahl keine Herausforderung darstellt. Wir begrüßen ausdrücklich die Ankündigung von Ministerin Reiche zu schnellem Handeln“, sagt Kerstin Andreae. „Zugleich müssen transparente Netzanschlussverfahren etabliert werden, die die aktuelle Knappheitssituation in den Netzen besser berücksichtigen als das etablierte First-come-first-served-Verfahren. Netzkapazität sollte nach volkswirtschaftlichen Kriterien effizient vergeben werden, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Aber auch Überbauung, flexible Netzanschlussvereinbarungen oder Reservierungsverfahren müssen künftig eine größere Rolle spielen.“

Der BDEW arbeitet derzeit intensiv an konkreten Vorschlägen für einen ausgewogenen Instrumentenmix, der einen volkswirtschaftlich sinnvollen Umgang mit Netzrestriktionen und gleichzeitig den erwünschten Hochlauf neuer Technologien ermöglicht.

Marktentwicklung solare Wärmenetze in Deutschland
Marktentwicklung solare Wärmenetze in Deutschland

Im vergangenen Jahr 2025 sind 11 Anlagen mit insgesamt 69.963 qm Bruttokollektorfläche und rund 42 MW Leistung in Betrieb gegangen: Stralsund (Mecklenburg-V[...]

17.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der Stadtwerke kaum erreichbar

Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten das Ziel eines klimaneutralen Heizens bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Das ze[...]

16.09.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Smart Hospital: Wie intelligente Gebäudetechnik Krankenhäuser sicherer, effizienter und zukunftsfähiger macht
Smart Hospital: Wie intelligente Gebäudetechnik Krankenhäuser sicherer, effizienter und zukunftsfähiger macht

Krankenhäuser zählen zu den anspruchsvollsten und zugleich energieintensivsten Gebäudetypen überhaupt: Sie müssen rund um die Uhr höchste Hygiene- und Sicherhei[...]

11.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
Stadtwerke Solingen und TBS nehmen erste sieben Laternenlader in Betrieb
Stadtwerke Solingen und TBS nehmen erste sieben Laternenlader in Betrieb

Die Ladeinfrastruktur in Solingen wächst weiter: Die ersten sieben von insgesamt 13 sogenannten Laternenladern sind ab sofort in Betrieb. Errichtet wurden die n[...]

10.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Erster Klimaturm von Towergy geht in Bremen in Betrieb
Erster Klimaturm von Towergy geht in Bremen in Betrieb

Die Towergy GmbH hat mit ihrem Klimaturm eine Großwärmepumpe entwickelt, die bis zu 400 Neubau- oder 200 Bestandswohnungen mit erneuerbarer Wärme und Kälte vers[...]

09.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Mehr Sicherheit für Kommunen bei der Contracting-Abrechnung
Mehr Sicherheit für Kommunen bei der Contracting-Abrechnung

Contracting bietet Kommunen viele Vorteile – doch bei der buchhalterischen Abwicklung gibt es häufig offene Fragen.

03.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
50 Prozent weniger Montagezeit: Wilo Fertigverteiler im Einsatz
50 Prozent weniger Montagezeit: Wilo Fertigverteiler im Einsatz

Der industrielle Anlagenbau steht zunehmend unter Druck: knappe Zeitfenster, komplexe Bestandsanlagen und ein spürbarer Fachkräftemangel erschweren die Umsetzun[...]

03.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
Sommerhitze erhöht Strombedarf für Kühlung – Solarstrom passt zum Verbrauchsprofil
Sommerhitze erhöht Strombedarf für Kühlung – Solarstrom passt zum Verbrauchsprofil

Die diesjährige Sommerhitze lässt den Strombedarf für die Kühlung von Gebäuden deutlich steigen. Darauf deuten aktuelle Stromverbrauchs- und Temperaturdaten hin[...]

01.09.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
Neues Angebot für Kommunen: Musterverträge für Wärmenetze
Neues Angebot für Kommunen: Musterverträge für Wärmenetze

Plant eine Kommune den Bau oder die Erweiterung eines Wärmenetzes, braucht sie klare Vereinbarungen, wenn sie das Wärmenetz selbst betreiben will. Notwendig sin[...]

20.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Studie zeigt: Wärmenetz in Windeck-Dattenfeld nicht wirtschaftlich
Studie zeigt: Wärmenetz in Windeck-Dattenfeld nicht wirtschaftlich

Dezentrale Lösungen in Dattenfeld wirtschaftlicher – Erkenntnisse für zukünftige Wärmenetze im ländlichen Raum

19.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik