In der niedersächsischen Gemeinde Eschede entsteht derzeit ein zukunftsweisendes Projekt für klimafreundliche und kosteneffiziente Wärme- und Kälteversorgung. Im Auftrag der Avacon Natur GmbH hat die energielenker Gruppe gemeinsam mit Heidt+Peters aus Celle ein kaltes Nahwärmenetz realisiert, das künftig fast 70 Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften sowie ein ambulantes Haus versorgen wird. Das Neubaugebiet „Im Scheuer Felde“ erhält eine nachhaltige, zentrale Wärmeversorgung. Bereits vor Projektbeginn belegte eine Machbarkeitsstudie die Wirtschaftlichkeit der gewählten Wärmeversorgungsvariante. Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts hat nun der zweite von drei Bauabschnitt begonnen.
Ziel des Vorhabens ist es, eine klimaschonende, zentrale und zukunftssichere Wärmeversorgung für die künftigen Neu-Escheder zu schaffen. „Kalte Nahwärmenetze eignen sich besonders gut für Neubaugebiete, da sie mit niedrigen Systemtemperaturen arbeiten und dadurch sehr effizient sind“, erklärt Projektleiter Kevin Rohe von energielenker. Das Temperaturniveau für Raumwärme und Trinkwarmwasser wird dabei dezentral in den Gebäuden mittels strombetriebener Sole-Wasser-Wärmepumpen erzeugt. Der dafür benötigte Strom kann vollständig aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder Windkraft stammen, wodurch die Treibhausgasemissionen gegenüber konventionellen Wärmeversorgung deutlich geringer ausfallen. „Das Projekt `Im Scheuer Felde´ sorgt also nicht nur für eine kosteneffiziente Wärmeversorgung, sondern ist auch ein Beitrag zur Wärmewende“, so Kevin Rohe.
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Durch die drei Projektpartner steht für sämtliche Aufgaben das jeweils nötige Know-how zur Verfügung: So fiel die Planung und Errichtung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), der Energiezentrale, der Wärmeübergabe in Form von dezentralen Sole-Wasser-Wärmepumpen sowie die Simulation des Nahwärmenetzes in die Verantwortung von energielenker. Die Umsetzung erfolgt durch die Avacon Natur GmbH, die die Planung, Errichtung und den späteren Betrieb des Netzes übernimmt. „Mit dem neuen Nahwärmenetz in Eschede schaffen wir die Grundlage für eine moderne, effiziente und klimaneutrale Wärmeversorgung. Durch den Einsatz innovativer Anlagentechnik, optimierter Regelungssysteme und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen können wir die CO₂-Emissionen deutlich reduzieren und gleichzeitig eine hohe Versorgungssicherheit gewährleisten. So verbinden wir ökologische Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit“, erklärt Viktor Rosenfeld, Leiter Wohnungswirtschaft & Kommunen Mitte bei der Avacon Natur GmbH.
Die Ingenieurgesellschaft Heidt+Peters war für die geothermische Simulation sowie die Planung und Errichtung des Rohr- und Tiefbaus, des Hochbaus der Technikzentrale und die Erdwärmesonden zuständig. „Immer wenn es um Großprojekte mit mehreren Partnern geht, gehören eine enge Zusammenarbeit und die kontinuierliche Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden zu den wichtigsten Voraussetzungen“, betont Kevin Rohe. „Der Dank für die gelungene Kooperation gilt daher allen Beteiligten.“
Das Projekt ist auch deshalb erwähnenswert, weil es durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt wird und es damit zu den ersten BEW-Projekten nach der Ablösung von „Wärmenetze 4.0“ zählt. „Mit neuen Fördermitteln kommen in der Regel auch neue Bedingungen. Da wir auf diesem Gebiet Erfahrung aus diversen geförderten Projekten haben, verlief auch die BEW-Beantragung reibungslos“, so Rohe.
Was bisher umgesetzt wurde
Den Startpunkt bildeten im Februar 2023 eine Pilotbohrung und ein Geothermal Response Test (GRT), um die thermische Ergiebigkeit des Untergrunds zu bestimmen und den erforderlichen Nachweis über die Erfüllung der Fördervoraussetzungen zu erbringen. Im Anschluss folgte eine detaillierte Machbarkeitsstudie nach BEW Modul I, die eine Bedarfs- und Potenzialanalyse inklusive Energiebilanzierung, die Dimensionierung der Wärmeversorgungsvarianten mit anschließendem Wirtschaftlichkeitsvergleich sowie der Entwurfs- und Genehmigungsplanung umfasste.
Das Herzstück des Netzes bilden 54 Erdwärmesonden, die Wärme aus mehr als 100 Metern Tiefe aufnehmen. Die gewonnene Wärme wird in einer Energiezentrale zusammengeführt und über das kalte Nahwärmenetz an alle Gebäude verteilt. In den Häusern heben Sole-Wasser-Wärmepumpen die Temperatur auf rund 40 Grad für die Heizung und etwa 60 Grad für das Warmwasser an.
Herausforderungen und technische Anforderungen
„Projekte zur Erschließung von Geothermie für die gewerbliche oder private Nutzung sind in aller Regel mit vielen Abstimmungsprozessen verbunden und erfordern eine sorgfältige und exakte Planung“, weiß Kevin Rohe. Das Mess-, Steuer- und Regelungssystem (MSR) musste bei diesem Projekt so konzipiert werden, dass über 60 dezentrale Wärmepumpen integriert und zentral überwacht werden können. Dabei galt es sowohl die Effizienz zu maximieren als auch eine zuverlässige Versorgung bei Spitzenlasten zu gewährleisten.
Ein anderes Beispiel: Aufgrund der geringen Temperaturdifferenzen im kalten Nahwärmenetz kann pro Liter Wasser-Glykol-Gemisch weniger Wärmeenergie transportiert werden als bei großen Temperaturunterschieden. „Um trotzdem den gesamten Wärmebedarf der angeschlossenen Gebäude zu decken, ist ein höherer Volumenstrom nötig. Um diesen zu erzeugen, braucht es besonders leistungsfähige Netzpumpen, die dementsprechend auch in Eschede zum Einsatz kommen.“
Um die Erdwärmesonden wie geplant bis in über 100 Meter Tiefe einsetzen zu dürfen, brauchte es die enge Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden und die jeweils vorschriftsgerechte Erstellung und Einreichung der geforderten Nachweise und Unterlagen. Zudem muss das Netz nach den Vorgaben der AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) aufgebaut und überwacht werden.
Blick nach vorn
Das Projekt in Eschede zeigt beispielhaft, wie innovative Wärmetechnologien, sorgfältige Planung und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu einer effizienten und klimafreundlichen Energieversorgung führen können. Durch die Kombination aus geothermischer Energie, moderner Netztechnik und erneuerbarem Strom entsteht ein System, das nicht nur den aktuellen, sondern auch künftigen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gerecht wird. Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Neubaugebiets werden von einer nachhaltigen, zukunftssicheren und komfortablen Wärme- und Kälteversorgung profitieren können.
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