Am 31. März 2025 endet die nächste wichtige rechenzentrums-relevante Frist des
Energieeffizienzgesetzes. Bis dahin müssen Rechenzentren ab 500 kW nicht-redundanter
Nennanschlussleistung spätestens ihre Kennzahlen und Verbrauchsdaten für das Jahr 2024 an
das Energieeffizienzregister melden. Die praktische Erfahrung aus über einem Jahr
Beratungstätigkeit im Bereich EnEfG zeigt: Bei vielen Rechenzentren besteht noch
Handlungsbedarf bei der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Dabei bietet das EnEfG
auch Chancen, den RZ-Betrieb zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen.
Das Energieeffizienzgesetz stellt deutsche Rechenzentren seit seiner Einführung im November 2023 vor zusätzliche Herausforderungen. Eine Analyse der bisherigen Umsetzungspraxis zeigt: Die
technischen und organisatorischen Anforderungen sind erheblich - von der detaillierten
Energiedatenerfassung über die Einführung von Umwelt- oder Energiemanagementsystemen bis zur
Nutzung erneuerbarer Energien. Besonders die Einhaltung der in naher Zukunft vorgeschriebenen
Effizienzkennwerte (in Form des PUE-Wertes) erfordern bei vielen Bestandsrechenzentren
umfassende Modernisierungsmaßnahmen.
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Zentrale Herausforderungen in der Praxis
Die erste Hürde für viele Betreiber liegt bereits in der Feststellung, ob ihr Rechenzentrum überhaupt
unter das EnEfG fällt. Entscheidend ist die nicht-redundante elektrische Nennanschlussleistung - ein
Kriterium, das in der Praxis oft Interpretationsspielraum lässt. Besonders in mischgenutzten
Gebäuden, wo Rechenzentren nur einen Teil der Infrastruktur darstellen, gestaltet sich diese
Bewertung komplex.
Die Energiedatenerfassung erweist sich als zweite große Herausforderung. Ein gesetzeskonformes
Energiemonitoring erfordert mehrere Komponenten:
- Lückenlose Erfassung aller relevanten Verbrauchsdaten
Das bedeutet, dass sämtliche Energieströme im Rechenzentrum kontinuierlich gemessen und
dokumentiert werden müssen - von der Gesamtenergie über die IT-Last bis hin zu den
Energiebedarfen der Klima- und Kältetechnik. Dies erfordert oft die Installation zusätzlicher
Messpunkte und Sensoren.
- Korrekte Berechnung der geforderten Kennzahlen
Das setzt voraus, dass die erfassten Rohdaten nach den gesetzlichen Vorgaben ausgewertet
werden. Besonders die exakte Bestimmung des PUE-Werts erfordert eine präzise Abgrenzung
zwischen IT-Energie und Infrastrukturenergie und in mischgenutzten Gebäuden zusätzlich zu
nicht RZ-relevanten Verbrauchern.
- Systematisches Berichtswesen für die jährliche Meldepflicht
Dieses muss gewährleisten, dass die Daten nicht nur erfasst, sondern auch termingerecht in das
vorgeschriebene Format des Effizienzregisters überführt werden können. Dies erfordert oft neue
Prozesse und Verantwortlichkeiten.
Energieeffizienz als Kernherausforderung
Besondere Bedeutung kommt der Energieeffizienz zu: Die ab 2027 geltenden PUE-Grenzwerte
werden von vielen Bestandsrechenzentren derzeit nicht erreicht. Die notwendigen
Infrastrukturanpassungen zur Verbesserung der Energieeffizienz erfordern meist:
- Umfangreiche technische Analysen
Eine fundierte Ist-Analyse der bestehenden Infrastruktur bildet die Basis für alle weiteren
Maßnahmen. Sie umfasst die detaillierte Erfassung und Bewertung sämtlicher energierelevanter
Komponenten. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Klima- und Kältetechnik gelegt,
da sie in der Regel den höchsten Energiebedarf in der versorgenden RZ-Infrastruktur und damit
das größte Potenzial zur Optimierung darstellt.
- Detaillierte Modernisierungsplanung
Auf Basis der Analyseergebnisse erfolgt eine systematische Modernisierungsplanung. Diese
berücksichtigt verschiedene technische Optionen und deren Wirtschaftlichkeit: von der
Optimierung bestehender Anlagen durch den Anforderungen und Best Practices entsprechende
Einregulierung bis hin zum vollständigen Austausch von Systemkomponenten. Entscheidend ist
dabei die Integration der Maßnahmen in den laufenden Betrieb unter Berücksichtigung der
vorgegebenen Verfügbarkeitsanforderungen.
- Erhebliche Investitionen in die Infrastruktur
Neben der reinen Anlagentechnik müssen oft auch Monitoring-Systeme und teilweise auch die
bauliche Infrastruktur angepasst werden.
Die Erfahrung zeigt: Kein bisher begleitetes Rechenzentrum erfüllt bereits alle Anforderungen des
EnEfG vollständig. Dies betrifft Betreiber quer durch alle Branchen. Besonders die Energieeffizienz
der Anlagen sowie die technische Infrastruktur für das geforderte Energiemonitoring und die
organisatorischen Strukturen für ein systematisches Energiemanagement weisen häufig noch Lücken
auf.
Drängende Fristen erfordern zeitnahes Handeln
Das EnEfG definiert einen klaren Zeitplan für die Transformation der deutschen
Rechenzentrumslandschaft. Die gesetzlichen Stichtage setzen Betreiber dabei unter erheblichen
Zeitdruck, da parallel mehrere Anforderungen erfüllt werden müssen: Von der Einführung eines
Energiemanagementsystems über die Umstellung auf erneuerbare Energien bis hin zur Einhaltung
strenger Effizienzwerte. Die nächsten wichtigen Fristen müssen bereits in wenigen Wochen erfüllt
werden, während andere Vorgaben einen Transformationspfad bis 2030 haben. Ein systematischer
Überblick über die wichtigsten Termine:
Energiedatenmeldung 2024:
- Große Rechenzentren ab 500 kW nicht-redundanter elektrischer Nennanschlussleistung müssen
ihre vollständigen Kennzahlen und Verbrauchsdaten für das Berichtsjahr 2024 bis zum 31. März
2025 an das Rechenzentrumsregister übermitteln
- Für Rechenzentren zwischen 300 und 500 kW endet die Meldefrist für die Daten des
vergangenen Kalenderjahres am 1. Juli 2025.
Energiemanagement und erneuerbare Energien:
- Seit Januar 2024 müssen mindestens 50% des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.
- Bis Mitte 2025 ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein EU-
konformes Umweltmanagementsystem zu implementieren.
- Die externe Zertifizierung bzw. Validierung des vorgenannten Managementsystems für
öffentliche oder größere Rechenzentren muss bis 1. Januar 2026 erfolgen.
- Ab Januar 2027 ist die vollständige Versorgung aller Rechenzentren mit elektrischer Energie aus
erneuerbaren Quellen vorgeschrieben.
Effizienzanforderungen:
Für Bestandsrechenzentren (in Betrieb vor 1. Juli 2026):
- Ab Juli 2027: Nachweis eines PUE-Werts von maximal 1,5
- Ab Juli 2030: Verschärfung auf einen PUE-Wert von maximal 1,3
Für neue Rechenzentren (Inbetriebnahme ab 1. Juli 2026):
- PUE-Wert von maximal 1,2, der spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme erreicht werden muss
Diese Termine setzen vor allem jene Betreiber unter Druck, die noch keine ausreichende Infrastruktur für ein detailliertes Energiemonitoring nutzen. Die Planung, Beschaffung, Installation und
Inbetriebnahme der erforderlichen Messtechnik, die Implementierung von Erfassungssystemen sowie
die Etablierung der notwendigen Prozesse benötigen erfahrungsgemäß mehrere Monate Vorlaufzeit.
Zudem folgt daraufhin zunächst der notwendige Messzeitraum, bis die entsprechenden
Jahreskennzahlen gebildet werden können.
Darüber hinaus macht die Erfüllung der PUE-Grenzwerte bei vielen Bestandsrechenzentren
umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen notwendig, die ebenfalls frühzeitig geplant werden
müssen.
Strukturiertes Vorgehen als Schlüssel zum Erfolg
Die Umsetzung der EnEfG-Anforderungen erfordert ein systematisches Vorgehen. Auf Basis der
Prior1 Beratungserfahrung hat sich ein mehrstufiger Ansatz bewährt:
1.Status-Quo ermitteln
Für eine erfolgreiche Umsetzung der EnEfG-Anforderungen ist zunächst eine gründliche
Bestandsaufnahme notwendig. Sie umfasst die Untersuchung der vorhandenen technischen
Infrastruktur, der bestehenden Energiemesstechnik mit ihren Erfassungsmöglichkeiten sowie der
bereits implementierten Management- und Dokumentationssysteme. Auch bereits umgesetzte
Energieeffizienzmaßnahmen sollten in dieser Phase erfasst werden. Eine anschließende Gap-Analyse
macht deutlich, in welchen Bereichen konkrete Anpassungen erforderlich sind, um die gesetzlichen
Anforderungen zu erfüllen.
2.Maßnahmen priorisieren
Im zweiten Schritt gilt es, die identifizierten Handlungsfelder in einen konkreten Umsetzungsplan zu
überführen. Die Priorisierung muss dabei die gesetzlichen Fristen und deren zeitliche Staffelung
ebenso berücksichtigen wie die technischen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Maßnahmen.
Auch die verfügbaren Ressourcen, Budgets und betrieblichen Rahmenbedingungen fließen in diese
Planung ein. Besonders wichtig ist die Berücksichtigung der notwendigen Vorlaufzeiten: Die
Erfahrung zeigt, dass vor allem die Implementierung von Energiemanagementsystemen und größere
infrastrukturelle Anpassungen einige Monate an Planungs- und Umsetzungszeit benötigen.
Nachhaltige Optimierung rechnet sich
Die Investitionen in Energieeffizienz können sich durchaus rechnen: Ein typisches mittelgroßes
Rechenzentrum mit 500 Quadratmetern IT-Fläche verursacht Stromkosten von etwa 1,3 Millionen
Euro pro Jahr. Hier bieten Effizienzmaßnahmen erhebliche Einsparpotenziale, die angesichts
steigender Energiekosten zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Diese Optimierungspotenziale betreffen einen wachsenden Kreis von Branchen. Während traditionell IT und Telekommunikation den Rechenzentrumsmarkt dominieren, gewinnen Sektoren wie BFSI (Banken, Finanzdienstleistungen und Versicherungen), Gesundheitswesen und E-Commerce
zunehmend an Bedeutung1. Diese Branchen, die oft besonders hohe Anforderungen an Verfügbarkeit
und Leistung stellen, stehen nun vor der zusätzlichen Herausforderung, ihre digitale Infrastruktur
EnEfG-konform weiterzuentwickeln.
Zeit zum Handeln - Herausforderungen als Chance
Das EnEfG stellt Rechenzentrumsbetreiber vor komplexe Herausforderungen. Die Praxis zeigt
jedoch: Mit einem strukturierten Vorgehen sind diese beherrschbar. Die Transformation zu einem
energieeffizienten Rechenzentrum ist dabei nicht nur eine gesetzliche Notwendigkeit, sondern auch
eine strategische Chance. Wer jetzt handelt, kann den Umstellungsprozess aktiv gestalten und die
eigene Infrastruktur zukunftssicher aufstellen.
Entscheidend ist, zeitnah mit der Umsetzung zu beginnen. Die nächsten wichtigen Fristen enden
bereits in wenigen Wochen und Monaten, und die Erfahrung zeigt: Die notwendigen technischen und
organisatorischen Anpassungen benötigen Vorlaufzeit. Besonders die Installation zusätzlicher
Messtechnik, die Implementierung von Energiemanagementsystemen und die Optimierung der PUE-
Werte erfordern eine sorgfältige Planung.
Die Investitionen in mehr Energieeffizienz zahlen sich dabei mehrfach aus: durch niedrigere
Betriebskosten, bessere Compliance und nicht zuletzt durch einen nachhaltigeren
Rechenzentrumsbetrieb. Der Countdown läuft – Betreiber von Rechenzentren sollten die Zeit nutzen,
um ihr Rechenzentrum fit für die Zukunft zu machen.
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