Dieser Artikel wurde in der Ausgabe September 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik IT / Verwaltung / Security

Verwaltung neu denken – digital, skalierbar, souverän

Von Tim Hermes, Business Development Manager Esri Deutschland – 08.09.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 343

Verwaltung neu denken – digital, skalierbar, souverän

Die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung in Deutschland kommt nur schleppend voran. Nicht, weil es an Technik mangelt, sondern weil organisatorische Hürden und föderale Strukturen den Fortschritt ausbremsen. Noch immer erleben Bürgerinnen und Bürger Medienbrüche, wenn sie mit Behörden interagieren. Formulare müssen ausgedruckt, unterschrieben und per Post verschickt werden, obwohl längst digitale Lösungen bereitstehen. Was fehlt, sind durchgängig digitale Prozessketten.

Das Problem ist nicht technischer, sondern struktureller Natur. Besonders dort, wo bestehende Prozesse und Systeme durch bessere ersetzt werden sollen, stoßen Veränderungsvorhaben auf Widerstand. Gleichzeitig kann die Lösung nicht darin bestehen, auf kommunaler Ebene das Rad neu zu erfinden. Deutlich effizienter wäre es, den Bund stärker in die Verantwortung zu nehmen. Nicht um zu zentralisieren, sondern um strukturelle Hindernisse zu überwinden, die Kommunen zu entlasten und skalierbare Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger bereitzustellen.

Ein Schlüssel liegt darin, die digitalen Verwaltungsleistungen des Bundes so attraktiv zu gestalten, dass Kommunen sie gerne übernehmen. Wo das gelingt, sind schnelle Fortschritte möglich. Die Modernisierung unseres Staates ist keine Kür, sondern eine Pflicht. Und sie ist erreichbar. Deutschland kann seinen Rückstand aufholen, wenn wir entschlossen handeln und konsequent umsetzen.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Mit einem Geoinformationssystem (GIS) zur vernetzten Verwaltung

Ein Beispiel für eine entsprechend skalierbare Plattformlösung ist der Einsatz von GIS. Denn eine solche Plattform ermöglicht es Verwaltungen, raumbezogene Daten zentral zu erfassen, zu analysieren und in digitale Prozesse zu integrieren. Ob bei der Bauleitplanung, der Verwaltung von Infrastrukturen, der Umweltüberwachung oder im Katastrophenschutz: Ein Geoinformationssystem, wie z.B. ArcGIS von Esri, schafft eine gemeinsame Datenbasis, die Entscheidungen fundierter macht und Prozesse beschleunigt. Gleichzeitig unterstützt GIS eine nachhaltige Entwicklung, indem es hilft, Ressourcen effizienter zu nutzen, Umweltbelastungen frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zur Klimaanpassung datenbasiert zu planen. Durch standardisierte Schnittstellen und hohe Interoperabilität kann die Plattform sowohl auf Bundes- als auch auf kommunaler Ebene eingesetzt werden. Sie hilft dabei, Medienbrüche zu vermeiden, Datenflüsse zu harmonisieren und Wissen über Verwaltungsgrenzen hinweg zu teilen.

Dass Fortschritt hierzulande möglich ist, zeigt auch die positive Entwicklung in anderen Bereichen: Funklöcher in der mobilen Datenversorgung verschwinden zunehmend, der Ausbau von 5G schreitet schneller voran als noch vor wenigen Jahren erwartet und auch der Glasfaserausbau macht Fortschritte. Darüber hinaus entwickelt sich das Gesundheitswesen weiter und die Infrastruktur wird grundlegend modernisiert. Jetzt muss endlich auch die Verwaltung nachziehen.

Digitalisierung gelingt nur gemeinsam

Dabei darf die Wirtschaft nicht isoliert betrachtet werden. Sie investiert bereits massiv in Digitalisierung. Verwaltung und Wirtschaft müssen gemeinsam vorangehen. Ein Blick in die USA zeigt, wohin die Reise gehen kann. Dort entstehen in großem Stil Rechenzentren mit Investitionen in Billionenhöhe. Deutschland steht mit rund 200 Milliarden Euro vergleichsweise bescheiden da.

Doch es geht nicht nur um Größe, sondern um strategische Ausrichtung. Wer digitale Souveränität will, muss nicht nur eigene Rechenzentren aufbauen, sondern auch Plattformen betreiben, die innerhalb dieser Infrastrukturen echten und nachhaltigen Mehrwert schaffen. Genau hier kommt GIS ins Spiel. Enterprise Geospatial Plattformen wie ArcGIS können beispielsweise in souveränen Cloud- oder On-Premises-Umgebungen betrieben werden und bieten Verwaltungen die Möglichkeit, sensible raumbezogene Daten sicher zu verarbeiten, zu analysieren und bereitzustellen. Solch moderne Rechenzentren und Plattformlösungen wie ArcGIS ermöglichen nicht nur digitale Souveränität, sondern auch energieeffiziente Datenverarbeitung und ressourcenschonende Verwaltungsprozesse. Damit wird nicht nur der Datenschutz gewahrt, sondern auch die Kontrolle über kritische Infrastrukturen gestärkt.

Digitale Souveränität beginnt jetzt

Die Fähigkeit, eigene Datenräume zu gestalten und zu betreiben, ist ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige deutsche Verwaltung. Geoinformationssysteme unterstützen diesen Weg mit skalierbaren, interoperablen Lösungen, die sowohl lokal als auch bundesweit eingesetzt werden können. So entsteht ein digitales Fundament, das nicht nur technologisch und politisch, sondern auch ökologisch tragfähig ist. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Zusatz verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer modernen, verantwortungsvollen Verwaltung.

Die digitale Weiterentwicklung ist möglich. Aber sie braucht Entschlusskraft, klare Verantwortlichkeiten und den Mut, Bestehendes zu hinterfragen. Nur so wird aus dem Flickenteppich eine zukunftsfähige digitale Verwaltung.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel

Immer wieder legen Cyberangriffe Verwaltungen lahm. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, um IT-Sicherheit wirksam umzusetzen. Städte, Landkreise und Gemeinden stehen[...]

07.05.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

digitales
Winkhaus erweitert elektronisches Schließsystem um Möbelschlösser für Spinde und Wertfächer
Winkhaus erweitert elektronisches Schließsystem um Möbelschlösser für Spinde und Wertfächer

Mit dem BE 80 Möbelschloss ergänzt Winkhaus das Portfolio seines elektronischen Schließsystems blueEvo um eine vielseitige Lösung für Spinde und Wertfächer. Das[...]

06.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Wire Bund erlangt BSI-Zulassung für VS-NfD-eingestufte Informationen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erteilte dem Messenger Wire Bund die Zulassung für die Verarbeitung und Übertragung von Daten mit [...]

04.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

digitales
Innovative Redundanz: Patentiertes Messsystem von ACS setzt neue Standards bei der Pegelmessung!
Innovative Redundanz: Patentiertes Messsystem von ACS setzt neue Standards bei der Pegelmessung!

Mit seinem patentierten Pegelmesssystem hat ACS Control-System die Standards für Messsicherheit und -genauigkeit in der Wasserwirtschaft neu definiert! Das Beso[...]

22.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Digitale Souveränität im Zahlungsverkehr: Hanau setzt auf Wero
Digitale Souveränität im Zahlungsverkehr: Hanau setzt auf Wero

Bürgerinnen und Bürger können kommunale Gebühren jetzt über ein europäisches Bezahlverfahren begleichen.

21.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Die EUDI-Wallet ist in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt

Ab 2. Januar 2027 soll die EUDI-Wallet in Deutschland verfügbar sein – mehr als Hundert Unternehmen wollen zum Start Anw

14.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

digitales
Wie Kommunen Digitalisierung vor Ort wirksam verankern können

Ankerorte des digitalen Wandels – etwa Stadtlabore, Makerspaces oder Digitalwerkstätten – sind Schlüsselinfrastrukturen der Smart City, um Digitalisierung zu er[...]

17.03.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

digitales
Betriebliches und behördliches Mobilitätsmanagement effizient gestalten
Betriebliches und behördliches Mobilitätsmanagement effizient gestalten

Der Mobilitätskompass wird neben Baden-Württemberg noch in vier weiteren Bundesländern mit vergleichbaren Inhalten angeboten

17.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
HiScout und BearingPoint stärken gemeinsam die Resilienz der öffentlichen Verwaltung
HiScout und BearingPoint stärken gemeinsam die Resilienz der öffentlichen Verwaltung

HiScout, führender Anbieter integrierter GRC-Softwarelösungen, baut sein Partnernetzwerk weiter aus und arbeitet ab sofort strategisch mit der Management- und [...]

16.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Open Source Wettbewerb für die öffentliche Verwaltung startet
Open Source Wettbewerb für die öffentliche Verwaltung startet

Nach einem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr geht der bundesweite Open Source Wettbewerb 2026 in die zweite Runde. Unter dem Motto „Moderne Verwaltung. I[...]

13.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales

Weitere Artikel in dieser Rubrik