Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Januar / Februar 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik IT / Verwaltung / Security

Versorgungssicherheit erfordert entschlossenes Handeln

Kommunale Versorger müssen jetzt in ihre Zukunftsfähigkeit investieren

Von Jan Gesing, Director Business Unit Utilities NTS.suite bei der Wilken Software Group – 03.01.2025 – Lesezeit ca. 6 Minuten 255

Kommunale Versorger müssen jetzt in ihre Zukunftsfähigkeit investieren

Stadtwerke und kommunale Versorger blicken im Zuge der Energiewende auf gewaltige Herausforderungen: Hohe Energiepreise treiben die Betriebs- und Prozesskosten in die Höhe, der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu und komplexe regulatorische Anforderungen erhöhen den Druck. Wie stellen kommunale Versorger unter diesen Bedingungen sicher, dass sie auch Übermorgen noch handlungsfähig sind?

Die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, ist insgesamt ein Kraftakt, der erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen bindet – zumal bereits bei vielen Prozessen erkennbare Schwierigkeiten bestehen: So dauert die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer Photovoltaikanlage derzeit sechs Monate, was die lückenlose Integration von dezentralen Erzeugern erheblich verzögert.

Die Geschwindigkeit zur Entwicklung und Umsetzung von Prozessen ist häufig zu gering. Das äußert sich nicht nur in der vielerorts langen Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte und Lösungen, sondern auch in einem Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent bis 2030 im Wärme- und Gassektor, wie eine Studie von PricewaterhouseCoopers prognostiziert. Zurückzuführen sei dies unter anderem auf den zunehmenden Wettbewerb oder höhere Anforderungen an Energieeffizienzen. Ähnlich drastisch ist die Situation auf dem Strommarkt. Hier erwartet PricewaterhouseCoopers einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent, bedingt durch komplexere Stromprodukte und weitreichende Wahlfreiheit der Kunden.

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Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Kundenanforderungen verändern. Sie erwarten zunehmend einen personalisierten Service und moderne, intelligente App-Lösungen. Diese bieten Unterstützung bei Echtzeit-Verbrauchsanalysen, optimieren den Kundensupport, erleichtern Tarifanpassungen und ermöglichen zahlreiche weitere Funktionen. Gleichzeitig muss das Preisniveau attraktiv sein. Große Energieversorger und auch aggressiv agierende Start-ups sind in diesen Punkten häufig überlegen. Angesichts knapper Ressourcen stellt es insbesondere für kleinere, regionale Versorger eine harte Probe dar, sich gegen diese Wettbewerber zu behaupten.

Kommunale Daseinsvorsorge ist unverzichtbar

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich die kommunalen Versorger umfassend transformieren. Ein Scheitern dessen ist nicht hinnehmbar, denn die rund 800 deutschen Stadtwerke und Regionalversorger spielen eine zentrale Rolle im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und Stabilität in unserem Land. Darüber hinaus gewährleisten sie die Beteiligung der Bürger an wichtigen Fragen der Daseinsvorsorge, beispielsweise durch öffentliche Energieprojekte oder Bürgerdialoge mit aktiver Einbindung in Entscheidungsprozesse. Zudem sind sie verantwortlich für zahlreiche wichtige regionale Infrastrukturthemen wie ÖPNV, E-Ladesäulen und Schwimmbäder.

Damit spielen die kommunalen Versorger und Stadtwerke eine Schlüsselrolle in Hinblick auf die dezentrale Energie- und Wärmewende. Denn sie bauen Nahwärmenetze auf und aus, realisieren lokale Speicherlösungen und investieren in erneuerbare Energien. In Summe sind die Regionalversorger unverzichtbar für Kommunen. Daraus ergibt sich wiederum ein dringender Handlungsbedarf zur Sicherung ihrer Existenz.

Fokussierung und Digitalisierung als Schlüssel

Arbeitskräftemangel, Kostendruck, hoher Investitionsbedarf, regulatorische Veränderungen, nicht-performante Prozesse im Tagesgeschäft, knappe finanzielle Ressourcen, Umsatzeinbrüche, steigende Kundenanforderungen, mächtige Konkurrenz: Stadtwerke und Regionalversorger stehen unstrittig unter hohem Druck. Um diesem langfristig standzuhalten, müssen jetzt die notwendigen Grundlagen geschaffen werden. Folgende Hebel können dabei kurz- oder langfristige Abhilfe schaffen, ermöglicht durch die Unterstützung von Full-Service-Technologiepartnern:

Kompetenzbündelung durch die Fusion kleinerer Stadtwerke

Der erste Punkt ist in einigen Regionen bereits gelebte Praxis. Die Vorteile entsprechender Fusionen liegen auf der Hand. Allen voran können doppelte Strukturen und Prozesse reduziert und zusammengeführt werden. Daraus resultieren Kosteneinsparungen und eine Entlastung des Personals. Zudem ergeben sich Skaleneffekte bei der Beschaffung sowie flexiblere Nutzungsmöglichkeiten für personelle und materielle Ressourcen. Weitere Vorzüge sind eine bessere Marktpräsenz, ein größerer finanzieller Spielraum für Innovationen und Investitionen sowie eine stärkere Position im Energiemarkt. Selbstverständlich geht die Fusion von zwei bislang getrennten Einheiten mit gewissen Herausforderungen einher. Diese sind einerseits organisatorischer Natur, auf der anderen Seite müssen die Prozesssysteme und Daten zusammengeführt werden. Letzteres ist ein umfassendes IT-Projekt, das die Unterstützung durch externe Spezialisten erfordert.

Outsourcing von Routineaufgaben

Das Outsourcing von Routineaufgaben als zweiter Hebel ist das temporäre oder dauerhafte Auslagern von Geschäftsprozessen an externe Dienstleister – auch Business Process Outsourcing (BPO) genannt. Infrage kommen dabei Abläufe wie Marktdatenaustausch, Kundenwechsel und Kundenservice. Gleiches gilt für Prozesse im Backoffice, etwa im Bereich der Abrechnung. Auch saisonale Spitzen lassen sich durch BPO abfedern.

Digitalisierung und Automatisierung von internen Prozessen

Der Vorteil der Digitalisierung und Prozessautomatisierung liegt vor allem in der Möglichkeit, akute Personalengpässe zu überbrücken. Ziel muss es sein, Geschäftsprozesse wie Abrechnung, Vertragsmanagement oder technisches Management weitestgehend zu automatisieren, um die Prozesskosten nachhaltig zu senken. Dies erfordert moderne Systeme, den Einsatz innovativer Software und beraterisches Know-how. Auch an dieser Stelle sind also leistungsfähige Technologiepartner gefragt.

Digitalisierung und Optimierung von Kundenerlebnissen

Nicht zuletzt ist es unerlässlich, den steigenden Kundenanforderungen Rechnung zu tragen, um Bestandskunden zu halten oder die Neukundengewinnung voranzutreiben. Hierfür sind zunächst neue Geschäftsmodelle erforderlich – darunter beispielsweise dynamische Stromtarife oder die Ermöglichung lokaler Energiegenossenschaften, welche Bürger aktiv in den Stromhandel einbinden und die regionale Energiewende stärken. Dabei ist es wichtig, möglichst individualisierte Lösungen anzubieten. Gleiches gilt im Übrigen auch für den Kundenservice.

Darüber hinaus ist es notwendig, digitale Mehrwerte für die Kunden zu schaffen. Dies kann etwa durch die Bereitstellung von Apps erfolgen. Einige Konzepte dieser Art sind: Energieverbrauchs-Apps, Tarifmanagement-Apps, Störungs-Apps oder E-Mobilitäts-Apps. Alle diese Geschäftsmodelle basieren auf einer modernen digitalen Infrastruktur und der Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Technologie-Partnern.

Kommunale Versorger müssen sich handlungsfähig machen und Chancen ergreifen

Die Zukunftsfähigkeit von Stadtwerken und kommunalen Versorgern steht auf dem Prüfstand. Es gilt daher, jetzt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um die kommunale Daseinsvorsorge zu sichern. Neben organisatorischen Maßnahmen und neuen Geschäftsmodellen ist dafür vor allem eine schnelle Investition in umfassende Digitalisierungsmaßnahmen notwendig. Im Fokus steht dabei die Sicherstellung von leistungsfähigen und skalierbaren IT-Prozessen. Denn nur mit performanten und ausbaufähigen Systemen wird es möglich sein, moderne App-Lösungen bereitzustellen, die neuen Geschäftsmodelle abzubilden sowie die zugrundeliegenden, stark wachsenden Kunden- und Energiedaten zu verarbeiten.

Ein klares Bekenntnis zum Regionalversorger geht also Hand in Hand mit der Bereitschaft, die digitale Transformation umzusetzen. In Eigenregie kann dieser Wandel jedoch nicht gelingen. Vielmehr ist eine langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit geeigneten Technologiepartnern notwendig. Jene kennen die Bedürfnisse des Marktes und sind in der Lage sind, neue Anforderungen schnell aufzugreifen und umzusetzen. Das gewährleistet auch die notwendige Dynamik, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Die Zielrichtung sollte daher lauten: Nicht einfach neue Software anschaffen und implementieren, sondern im Rahmen einer Technologiepartnerschaft kontinuierlich Ideen und Wissen austauschen, Mitarbeiter digital befähigen und Innovationen schaffen. Dies erfordert vor allem eines: mutiges Handeln, die Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern und das Vertrauen aller Beteiligten in die eigene Zukunft.

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