Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 3 - Mai / Juni 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Allgemein

Repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung zeigt hohen Verwaltungsaufwand und anhaltende Nachwuchssorgen im kommunalpolitischen Ehrenamt

Verwalten ohne gestalten: Die großen Sorgen ehrenamtlicher Bürgermeister

10.03.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 376

Verwalten ohne gestalten: Die großen Sorgen ehrenamtlicher Bürgermeister

Ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister übernehmen in mehr als 6.000 Gemeinden täglich Verantwortung für das kommunale Zusammenleben in Deutschland. Doch ihre Einflussmöglichkeiten schrumpfen: Nur noch 33 Prozent sind mit ihren Gestaltungsspielräumen zufrieden – ein Rückgang um 18 Prozentpunkte gegenüber 2024. 69 Prozent verbringen mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben. Insgesamt ist die Hälfte der Amtstragenden mit den Bedingungen ihres Amtes unzufrieden (50 Prozent). Zugleich beobachten 22 Prozent vermehrt demokratiefeindliche Tendenzen in ihrer Kommune (2024: 17 Prozent).

Im Mittelpunkt der Herausforderungen steht aus Sicht der ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die angespannte Finanzlage der Kommunen. 70 Prozent bewerten die finanzielle Situation als schlecht bis sehr schlecht (2024: 62 Prozent), 88 Prozent sehen fehlende Haushaltsmittel als die größte Herausforderung der kommenden Jahre (2024: 86 Prozent). Themen wie die Aufnahme von Geflüchteten treten in den Hintergrund: Nur noch 28 Prozent zählen sie zu den größten Herausforderungen – 30 Prozentpunkte weniger als 2024.

Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung, die von Oktober 2025 bis Januar 2026 durchgeführt wurde.

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„Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal“, so Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Demokratie und Zusammenhalt der Körber-Stiftung. „Wachsende Bürokratie und sinkende finanzielle Spielräume bedrohen die Stabilität unserer Gemeinden. Zunehmende Polarisierung setzt die Demokratie unter Druck. Das kommunalpolitische Ehrenamt braucht mehr Unterstützung.“

Fehlende Anerkennung trotz hohem Einsatz

49 Prozent der ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister investieren wöchentlich mindestens 20 Stunden in ihr Amt. Doch nur wenige erfahren Wertschätzung für ihr Engagement durch die jeweilige Landesregierung (13 Prozent).

Weiterhin geben 37 Prozent an, dass sie selbst oder Angehörige bereits aufgrund ihres Amts beleidigt oder bedroht worden sind (2024: 40 Prozent). 14 Prozent aller Befragten haben aus Sorge um ihre Sicherheit oder die ihrer Familie bereits darüber nachgedacht, sich aus dem Amt zurückzuziehen (2024: 13 Prozent).

Nachwuchssorgen trotz gutem Miteinander vor Ort

92 Prozent der Ehrenamtlichen sind überzeugt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dem Gemeinderat und der Gemeindeverwaltung vertraut. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung (83 Prozent) sowie die Diskussionskultur und Kooperation der politischen Gruppen im Gemeinderat (81 Prozent) werden von einer großen Mehrheit als gut oder sehr gut bewertet.

Mit Blick auf die Zukunft planen 44 Prozent der Befragten, bei der nächsten Wahl erneut für das Amt zu kandidieren – sieben Prozent weniger als 2024. Gleichzeitig erwarten 72 Prozent in ihrer Kommune ein Nachwuchsproblem. 70 Prozent sind der Ansicht, dass eine bessere finanzielle Kompensation am stärksten zur Attraktivität des Ehrenamts beitragen würde.

Bundespräsident Steinmeier würdigt Engagement

Die Befragung von 1.705 ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Deutschland ist Grundlage einer zweitätigen Veranstaltung, zu der die Körber-Stiftung gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rund 100 Amtstragende aus ganz Deutschland eingeladen hat. Neben einer Fachkonferenz am 2. März erwartete die Teilnehmenden am 3. März ein Empfang im Schloss Bellevue durch den Bundespräsidenten.

Aktionsprogramm „Starkes Mandat“

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern startet im März das Aktionsprogramm „Starkes Mandat“. Ziel ist es, angesichts eines rauer werdenden gesellschaftlichen Klimas die Handlungsfähigkeit kommunaler Amts- und Mandatstragender sowie Verwaltungsspitzen zu stärken. Das Programm, eine Initiative der Körber-Stiftung, wird von der Stiftung Bürgermut umgesetzt und von der Stiftung Mercator sowie der Bertelsmann Stiftung gefördert.

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