Die Sächsische Schweiz ist für ihre unvergleichliche Naturschönheit bekannt. Ende Mai fühlten sich aber nicht nur viele Touristen, sondern auch ein Sprayer von ihr angezogen. Er brachte etwa 130 Meter unterhalb des Bastei-Restaurants ein weithin sichtbares Graffiti auf den steil abfallenden Felsen an. Knapp drei Wochen später nahmen drei Dresdner Unternehmen gemeinschaftlich das Entfernen der Schmiererei vor und versetzten die millionenalte Felsformation wieder in ihren Originalzustand zurück. Für die Reinigung waren Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase zuständig, Alpin- und Umweltservice Löwinger (Dresden) sorgte für die Absicherung der Arbeitsstelle.
Sachsen hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, zu deren Highlights zweifelsfrei die Sächsische Schweiz zählt. Das malerische Sandsteingebirge, durch das sich die Elbe schlängelt, beginnt bei Pirna und erstreckt sich auf deutscher Seite bis zur tschechischen Grenze. Die Region zieht jedes Jahr unzählige Touristen an, wobei die meistbesuchte Touristenattraktion ohne Frage die Felsformation Bastei ist. Wanderwege führen durch die von steilen Felshängen gesäumte Region und die Kanapee-Aussicht am Klettergipfel Tiedgestein bietet einen wunderbaren Blick auf das Panorama. Genau dieser Felsspalte hatte sich ein Sprayer ausgesucht, um Ende Mai 2024 an der sogenannten Rahmhanke, einer steilen, unfallträchtigen Sandsteinformation, ein knallbuntes, etwa 2 x 6 Meter großes Graffiti anzubringen. Der in türkis, pink, grün und blau gehaltene Schriftzug wurde kurz darauf von den Rangern der Nationalparkverwaltung entdeckt, weshalb sie diesen schnellstmöglich entfernen ließ. Dabei war die Vorgabe, ein umweltverträgliches Verfahren zu wählen und den naturhistorisch sensiblen Punkt wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Der Auftrag wurde gemeinschaftlich von drei Dresdner Unternehmen durchgeführt. Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase verfügen über eine langjährige Expertise bei der Reinigung und dem Schutz von Sandstein. Alpin- und Umweltservice Löwinger ist unter anderem auf alpine Höhenarbeiten spezialisiert und seit 30 Jahren im Nationalpark Sächsische Schweiz unterwegs.
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Nicht ohne Höhensicherung zur Felswand
Zu der besprayten Felswand führt nur ein schmaler, steil ins Tal abfallender Pfad. Über diesen musste das gesamte Arbeitsmaterial herab- und wieder hinauftransportiert werden, weshalb eine Höhenabsicherung notwendig war. Auch vor der zu bearbeitenden Sandsteinwand waren die Platzverhältnisse extrem beengt. Bei allen Arbeiten bestand nach Gefährdungsanalyse also Absturzgefahr für die Fachleute von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase, weshalb sie mit speziellen Höhenauffanggurten arbeiten mussten. Darüber hinaus musste die „Baustelle“ zum Schutz gegen Absturz, sich lösendes Gestein und eventuell herunterfallende Gegenstände mit einem Sicherheitsnetz überspannt werden. Diese Arbeiten an der Rahmhanke übernahm Alpin- und Umweltservice Löwinger, der sich in der Sächsischen Schweiz hervorragend auskennt.
Bergretter für den Schutz des Nationalparks
Den Profi-Höhenarbeitern fiel einerseits die Aufgabe zu, den Transportweg und die Arbeitsstelle zu sichern und das Netz zu spannen. Darüber hinaus begleiteten sie die vier Mitarbeiter von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase beim Anlegen der Fallschutzausrüstung und sicherten sie von Beginn bis Ende der Reinigungsarbeiten. Diese waren in mehrere Phasen unterteilt und begannen mit dem Anbringen einer temporären Auffangvorrichtung für Schmutzwasser. Dieses entsteht beim Ablösen der Pigmente vom Sandstein. Damit bei diesem Prozess keine Verunreinigungen in die Natur gelangen, stellten die Alpinisten daher unter Anweisung eine Wanne aus einem flexiblem Spezialtextil her, die mit einer flüssigkeitsdichten, chemikalienresistenten Folie ausgeschlagen und mit einem Klebeband direkt am Felsen befestigt wurde. Das während der Reinigungsarbeiten aufgefangene Abwasser wurde dann in Kanister umgepumpt, zu Fuß den schmalen, steilen Weg nach oben zur Abgangsstelle geschleppt, zum Stützpunkt im Tal transportiert und dort gemäß den Vorgaben der Stadtentwässerung Dresden fachgerecht entsorgt.
Tatort-Reinigung im aufsteigenden Nebel
Die zweite Phase gehörte ebenfalls zur Vorbereitung. Vom Bastei-Restaurant wurden Wasserschläuche und Elektrokabel zur Felswand gelegt und Kletterseile und -gurte für die Fallsicherung der dort tätigen Mitarbeiter von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase herabgelassen. Zeitgleich transportierte ein anderes, gegen Absturz gesichertes Team die benötigten Arbeitsmittel über den schmalen, steil abfallenden Weg zur Arbeitsstelle: Hochdruckreiniger, Pumpe, Schlauch und leere Kanister für das Abwasser, Kanister mit dem benötigten Graffiti-Entferner und Pinsel sowie Persönliche Schutzausrüstung für das Reinigungsteam. Die gesamte Prozedur dauerte mehr als einen Tag und hielt elf Mann im wahrsten Sinne des Wortes in Atem, denn in dieser Zeit war es sonnig und sehr warm. Weil das Team beim Entfernen der Graffitis einen chemikaliendichten, wenig atmungsaktiven, für Höhenarbeiten geeigneten Einwegoverall tragen musste, entschieden sie daher, mit dem Entfernen der Graffitis in den frühen Morgenstunden zu beginnen. Vor dem Abstieg zur Felswand im Morgennebel legten die Spezialisten mit Unterstützung der Bergretter das Klettergeschirr an, stiegen in ihre Einweg-Chemikalienschutzanzüge und setzen den Schutzhelm auf. An Seilen gesichert kletterten sie zu dem Felsvorsprung, wo sie erneut mit Seilen und Karabinern vor Absturzgefahren gesichert wurden. Dann zogen sie Schutzhandschuhe an, setzen die Chemikalienschutzbrille auf und gingen ans Werk.
Reinigung mit Spezialchemikalien zum Schutz des Sandsteins
Zuerst wurden die besprayten Bereiche mit einem Druckstrahler mit warmem Wasser abgespült. Dabei nimmt der Stein Feuchtigkeit auf, was für den zweiten Arbeitsschritt wesentlich ist. „Der Sandstein in ein weiches, poröses Material, das keine mechanische Reinigung – etwa mit Hochdruck – verträgt. Wir arbeiten daher ausschließlich mit geeigneten, umweltverträglichen Chemikalien. Durch die Vorbehandlung des Steins mit Wasser verhindern wir, dass der Graffiti-Entferner tief ins Gestein eindringt, und begrenzen dessen Einsatz auf das notwendige Maß“, erläutert Torsten Höhne, Geschäftsführer vor Graffitti-ex, das Vorgehen. „Die Reinigungschemikalie wird nach kurzer Einwirkzeit mit einem Pinsel auf das Graffiti aufgetragen und macht die Diffusion der Farbpigmente und Lacke in den Stein wieder rückgängig.“
Aufgrund seiner über fünfundzwanzigjährigen Erfahrungen kennt der Fachmann die von den Sprayern benutzten Farben und Lacke – und hat das passende Gegenmittel in seinem Arsenal: Es umfasst über fünfzig verschiedene Reinigungsmittel, die auf die Besonderheiten der zahlreichen Spray-Arten abgestimmt sind. Die Wirkung des an der Rahmhanke eingesetzten Reinigungsmittels ließ nicht lange auf sich warten. Nach etwa 15 Minuten konnte die oberste Farbschicht mit heißem Wasser abgespült werden, wobei der Chemikalien-Farbstoff-Mix in der dafür gebauten Wanne aufgefangen wurde. Anschließend wiederholte sich die Prozedur: Insgesamt waren drei Arbeitsgänge notwendig, um die grellen Farben endgültig vom Sandstein zu entfernen.
Damit war zwar die eigentliche Aufgabe erledigt, nun begann aber der schwerste Teil. Sämtliche Materialien – darunter die mit Abwasser gefüllten 25 Liter Kanister - mussten nach oben und bis zum Parkplatz des Bastei-Restaurants geschleppt werden, wo die Transporter der Reinigungsexperten abgestellt waren. Auch hierbei waren wieder die Abseil-Profis gefordert, die für die Sicherung des Transportteams sorgen mussten. Die gesamte Aktion dauerte drei Tage und erforderte den Einsatz von vier Abseil-Experten, vier Mitarbeitern von Graffitti-ex und drei Beschäftigten von Fassadenreinigung Hase. Das ist ein deutlich höherer Aufwand als ihn der Sprayer betrieben hat: Er dürfte seine beiden Werke in einer einzigen Nacht vollendet haben.
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