Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Oktober 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Emscher-Auen: Ausbau erreicht volle Kapazität

26.09.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 113

Emscher-Auen: Ausbau erreicht volle Kapazität

Die Emschergenossenschaft hat den Ausbau ihres größten Hochwasserrückhaltebeckens – die Emscher-Auen an der Stadtgrenze zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel – weitestgehend fertiggestellt. Das gesamte Fassungsvolumen von 1,1 Millionen Kubikmetern steht nun zur Verfügung. Das bedeutet: Im Extremwetterfall kann der Inhalt von sieben Millionen Badewannen im Osten des Emscher-Gebietes zurückgehalten werden und damit die in Fließrichtung unterhalb liegenden Städte an der Emscher vor einer Hochwasserwelle schützen.

In einem Zwischenzustand befand sich das Hochwasserrückhaltebecken Emscher-Auen, als die Emschergenossenschaft die Anlage an der Stadtgrenze Castrop-Rauxel/Dortmund im Jahr 2013 in Betrieb nahm. "Zwischenzustand" deswegen, weil die Emscher damals noch Abwasser führte und die insgesamt vier Einzelbecken zum Schutz vor dem Schmutz im Trockenwetterfall durch niedrige Dämme von der Emscher getrennt waren. "Nur" 900.000 Kubikmeter betrug das Fassungsvolumen damals – dennoch war es seinerzeit bereits das größte Hochwasserrückhaltebecken der Emschergenossenschaft, größer sogar noch als der Phoenix See in Dortmund-Hörde (maximal 840.000 Kubikmeter).

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Der erfolgreiche Abschluss des Emscher-Umbaus Ende 2021 mit dem Erreichen der Abwasserfreiheit in der gesamten Emscher ermöglichte den finalen Ausbau der Auen in DO-Mengede und CAS-Ickern. Denn seit bald vier Jahren ist die Emscher bereits ein sauberer Fluss und bot dadurch der Emschergenossenschaft die Möglichkeit, die Trenndämme zwischen den vier Becken zu entfernen, den geplanten Endzustand des Hochwasserrückhaltebeckens herzustellen und die Emscher zu renaturieren. "Die Arbeiten, die Anfang 2023 begannen, sind nun bis auf wenige Restarbeiten abgeschlossen. Rund 70 Millionen Euro haben wir an dieser Stelle in den Ausbau des Hochwasserschutzes investiert", sagt Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft.

Verbesserung des Hochwasserschutzes inklusive Renaturierung der Emscher

Nach der Beseitigung der seit der Abwasserfreiheit nicht mehr erforderlichen Trenndämme bestehen die Emscher-Auen nun aus einem einzigen Becken mit einem Fassungsvolumen von 1,1 Millionen Kubikmeter. "Mit dem Ausbau des Hochwasserrückhaltebeckens ging auch die Renaturierung der Emscher innerhalb des Beckens einher – wir haben den Fluss, einst ein offener Schmutzwasserlauf, aus seinem ehemals schnurgeraden Betonkorsett befreit und ihm einen geschwungeneren Lauf geschenkt", sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Innerhalb des Beckens wurde zudem eine Vogelinsel modelliert sowie diverse Vertiefungen in der Beckensohle angelegt – diese stehen künftig zur Förderung der Artenvielfalt für diverse Lebewesen permanent unter Wasser.

Der Hochwasserschutz ist seit Gründung der Emschergenossenschaft im Jahr 1899 eine ihrer wesentlichen Aufgaben. Bei der Umgestaltung der Emscher seit 1992 spielte der Hochwasserschutz eine gewichtige Rolle. Die dabei geschaffenen Rückhalteräume helfen mit, um die immer häufiger zu Tage tretenden Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Anders als noch 1991 geplant, entstanden im Zuge des Emscher-Umbaus letztlich bis heute anstatt 4,6 Millionen mehr als fünf Millionen Kubikmeter an zusätzlichem Retentionsraum zur Optimierung des Hochwasserschutzes im Emscher-Gebiet.

Wegebau beginnt im 1. Quartal 2026

Die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen der Emschergenossenschaft gehen darüber hinaus mit einer städtebaulichen Entwicklung der Quartiere entlang der Gewässer einher. Mit dieser Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt die Emschergenossenschaft im Schulterschluss mit ihren Mitgliedskommunen eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region. Der Betrieb von Abwasserkanälen, Pumpwerken, Kläranlagen, Gewässern und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet dabei den Dreh- und Angelpunkt der sozial-ökologischen Transformation im Ruhrgebiet.

Mit dem Generationenprojekt Emscher-Umbau sorgte Deutschlands erster Wasserwirtschaftsverband zwischen 1992 und 2021 dafür, dass die Abwässer nicht mehr über offene Schmutzwasserläufe, sondern durch unterirdische Kanäle zu den Kläranlagen gelangen. "Einst offene Schmutzwasserläufe weichen nach und nach blaugrünen Erlebensräumen, die erleb- und erfahrbar gemacht werden – im wahrsten Sinne", sagt Uli Paetzel, "allein im Emscher-Gebiet entstanden gemeinsam mit den Kommunen mehr als 360 Kilometer an neuen Rad- und Fußwegen entlang unserer Flüsse und Bäche."

Mit dem Wegebau im Nahbereich des Hochwasserrückhaltebeckens Emscher-Auen soll im 1. Quartal 2026 begonnen werden, sodass mit einer Fertigstellung voraussichtlich im Sommer 2026 zu rechnen ist. Teilweise parallel zu diesen Arbeiten wird dann auch die Renaturierung des Heimanngrabens durchgeführt – dessen Fertigstellung ist für Herbst 2026 geplant.


Hintergrund-Information: Lage des Beckens im Osten der Emscher

Die Emscher-Auen umfassen eine Fläche von 33 Hektar. Das entspricht der Größe von 46 Fußballfeldern. In Dortmund und Castrop-Rauxel gelegen, also im Osten der Emscher-Region, erzielt das Becken auch im Westen einen erheblichen Effekt. Denn das Prinzip dabei ist: Was in Quellnähe an Wasser zurückgehalten werden kann, kommt erst gar nicht an der Mündung an – kann dort also nicht für Überflutungen sorgen. Zur Entlastung des Hochwasserrückhaltebeckens Emscher-Auen baute die Emschergenossenschaft darüber hinaus nur wenige Kilometer weiter östlich das Hochwasserrückhaltebecken Dortmund-Ellinghausen: Es besteht aus mehreren Beckenteilen, die auf beiden Seiten der Ellinghauser Straße gelegen knapp 530.000 Kubikmeter Fassungsvolumen bieten. Die offizielle Inbetriebnahme dieser Anlagen war im Sommer 2024.

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