Rubrik Wasser / Abwasser

Brandenburgs Wasserinfrastruktur steht vor Milliardeninvestitionen

25.08.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 91

Die kommunale Wasserwirtschaft in Brandenburg steht vor einem zweiten großen Investitionszyklus seit der Wiedervereinigung. In den kommenden 20 Jahren müssen rund 21,4 Milliarden Euro in Erhalt, Erneuerung und Klimaanpassung der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur investiert werden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Becker Büttner Held Rechtsanwälte Steuerberater Unternehmensberater PartGmbB (bbh) im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).

Von der Gesamtsumme entfallen etwa 10,1 Milliarden Euro auf die Trinkwasserversorgung und 11,3 Milliarden Euro auf die Abwasserentsorgung. Pro Jahr sind damit durchschnittlich 1,1 Milliarden Euro Investitionen nötig – das entspricht rund 8.400 Euro pro Einwohner über den gesamten Zeitraum. Dieser Wert liegt unter dem Bundesdurchschnitt von etwa 10.000 Euro und zeigt: In Brandenburg wurde in den vergangenen Jahrzehnten bereits viel investiert. Dennoch bleibt der Handlungsbedarf groß.

Ein Teil der Investitionen – etwa 10 bis 15 Prozent – ist direkt auf die Folgen des Klimawandels zurückzuführen. Dazu zählen Maßnahmen für den Umgang mit längeren Trockenperioden, häufigerem Starkregen oder die Anpassung an neue gesetzliche Anforderungen. Trotz dieser Abgrenzung: Erhalt und Anpassung von Infrastruktur gehen oft Hand in Hand und lassen sich nicht klar voneinander trennen.

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Die Investitionserfordernisse sind nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen Belastung für die Bürgerinnen und Bürger, weil die Investitionen über viele Jahre abgeschrieben und auf alle Nutzergruppen verteilt werden. Etwaige Belastungen für Bürgerinnen und Bürger entstehen nicht sofort, sondern werden über Jahrzehnte über die Wasser- und Abwasserentgelte gegenfinanziert.

Die Studie macht deutlich: Viele Anlagen in Brandenburg sind zwar noch vergleichsweise jung, doch ein erheblicher Teil der Infrastruktur erreicht in den kommenden Jahren das Ende seiner Lebensdauer. Gleichzeitig muss die Infrastruktur fit für die Zukunft gemacht werden – klimaresilient, leistungsfähig und nachhaltig.

Julian Büche, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg: „Ohne langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektiven wird es schwer, die Wasserinfrastruktur zukunftsfest zu machen. Wir brauchen jetzt politische Weichenstellungen der Landesregierung und des Bundes, damit Versorgungssicherheit und Umweltstandards auch in den kommenden Jahrzehnten gewährleistet bleiben. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Entgelte für Trinkwasser und Abwasser infolge der Investitionserfordernisse steigen werden.“

Und weiter: „Damit solche notwendigen Investitionen auf breite Zustimmung stoßen, braucht es jedoch Akzeptanz seitens Politik und Öffentlichkeit. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass die kommunale Wasserwirtschaft in der Debatte um die Förderung öffentlicher Infrastruktur stärker berücksichtigt und gezielt mit Fördermitteln unterstützt werden muss. Nicht überall lassen sich die vor uns liegenden Herausforderungen allein über Nutzerentgelte finanzieren – wenn Wasser und Abwasser für alle bezahlbar bleiben sollen.“

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